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12.10.1984 - 

Mit CIM im internationalen Wettbewerb überleben:

Fertigung steigt zum Top-Industriezweig auf

Die Fertigungstechnik ist Schwedens größter Industriezweig. Jede zweite Krone aus schwedischen Exporterlösen stammt aus Produkten dieser Sparte. Wenn die schwedische Fertigungsindustrie im harten, internationalen Wettbewerb überleben will, muß sie ihre Produktion automatisieren. Der Schlüssel zum Fortschritt heißt CIM (Computer Integrated Manufacturing), meint Viktor Pylypenko von Nova Media, Computer Schweden.

Die schwedische Fertigungsindustrie ist heute schon weitgehend automatisiert, roboterisiert und computerisiert. Für die Zukunft gilt es, die Technik weiterzuentwickeln und die einzelnen Inseln der automatisierten Produktionszellen miteinander zu verbinden. In den kommenden fünf Jahren wird Volvo 200 Millionen Kronen in die Entwicklung von CAD/CAM-Systemen investieren. Asea hat seine Absicht zum Ausdruck gebracht, zum weltgrößten Hersteller von Industrierobotern zu werden, und die traditionellen Fertigungsindustrien werden in immer größerem Umfang zu Elektronikunternehmen.

Es sind nicht nur Großbetriebe, die bei dem elektronischen Wettrennen mitmachen müssen. So hat beispielsweise Volvo seinen Zulieferern ein Ultimatum gestellt: Ohne CAD/ CAM bekommen sie in Zukunft keine Aufträge mehr von dem Hersteller. Die schwedischen Lohnbetriebe haben eine Zukunft vor sich, in der sie die Produktion automatisieren müssen, um schnell und flexibel - und außerdem mit hoher Qualität - fertigen zu können. Denn irgendein ausländisches Unternehmen gibt es immer, das in der Lage ist, große Serien zu einem niedrigen Preis zu produzieren.

Ein Pionier unter den schwedischen Lohnherstellern ist Salvatore Grimaldi. Er rechnet damit, daß er innerhalb von zwei bis fünf Jahren in seinem kleinen Betrieb im mittelschwedischen Köping eine vollautomatische Produktion aufnehmen kann.

Automatisierte Zellen für flexible Fertigung

Möglicherweise führt die Entwicklung sogar so weit, daß sich in Zukunft Produktionsstunde verkaufen lassen, indem automatisierte Zellen für eine flexible Fertigung bereitgestellt werden. Der Kunde steuert dann die Produktion über seinen Computer und bezahlt für die Zeit, die die Herstellung in Anspruch genommen hat. Davon ist Salvatore Grimaldi überzeugt.

Heute schon ist sein mechanischer Betrieb in Köping weitgehend automatisiert und mit Robotern in der Werkstatt ausgerüstet. Ins Büro ist allerdings bis jetzt noch kein Computer vorgedrungen. "Die Produktion findet im Betrieb statt, und in den Werkstätten muß sie in erster Linie effektiver gestaltet werden", sagt er. Die Fertigung läuft in vier Schichten, die fünfte ist ganz und gar unbemannt.

Wenn die Entwicklung zur automatisierten Fabrik voll zum Tragen kommt, wird es in Grimaldis Unternehmen etwa wie folgt zugehen: Der Kunde wendet sich mit seiner Anfrage an den Computer des Unternehmens. Bereits am gleichen Tag wirft der Rechner ein Angebot mit Preisen, Fertigungsbeginn und Lieferzeit aus. Der Rechner informiert auch darüber, wann, wo und wie die Rohstoffe angeliefert werden sollen.

Läuft die Fertigung dann an, fährt ein fahrerloser, schleifengesteuerter Gabelstapler ins Lager und holt eine Palette Rohmaterial. Diese bringt er zu der Maschine, die automatisch auf das jeweilige Tagesprodukt umgerüstet wurde. Der Computer hat der Maschine eingegeben, welche Werkzeuge zu verwenden sind und welches Bearbeitungsprogramm abzuwickeln ist. Die Produktion beginnt dann automatisch. Im Bedarfsfall lassen sich die Werkzeuge über das Steuersystem der Maschine einrichten und nach Verschleiß mit Hilfe eines Roboterarms automatisch auswechseln. Wenn die fertigen Teile dann vom fahrerlosen Gabelstapler abgeholt werden, haben sie bereits eine automatische Inspektion und Qualitätskontrolle durchlaufen, bevor die Auslieferung an den Kunden erfolgt. Der Computer schreibt eine Rechnung und dankt dem Kunden für die gute Zusammenarbeit. Der ganze Fertigungsprozeß ist automatisch abgelaufen, ohne daß sich ein Mensch darum zu kümmern brauchte.

Diese Vorstellung der automatischen Fabrik erweckt den Eindruck, als wäre sie eine Bedrohung für die Arbeitsplätze. Aber im Fall von Salvatore Grimaldi trügt offenbar der Schein: In dem Maße, wie er in Roboter und Fertigungsautomatik investiert hat, stieg auch die Zahl der Beschäftigten. Hinter jeder Maschine will er einen tüchtigen Arbeiter sehen, der die Produktion durch seine Fachkenntnisse und Kreativität verbessert. Wenn der Roboter die eintönige und langweilige Arbeit übernommen hat, werde Kapazität zur Weiterentwicklung freigesetzt.

Für Salvatore Grimaldi ist es eine Todsünde, eine Maschine in Betrieb zu nehmen und sie dann sich selbst zu überlassen. Nach seiner Ansicht muß die Technik ständig weiterentwickelt und verbessert werden, wenn man im technischen Wettstreit bestehen will.