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01.06.1990 - 

Bei der Systemintegration liegen die HW-Anbieter noch vorne

Festpreis beim Anbieter ist das entscheidende Kriterium

* Wilfried Köhler-Frost ist Wirtschaftsjournalist in Berlin.

Systemintegration durch Dritte (Third-Party-Markt): Die Kunden schichten ihre Ausgaben um, ein schnell wachsender Markt konsolidiert sich. Doch es gibt Vorbehalte bei den Anwendern. Die Generalunternehmerschaft durch Dritte ist teuer, und der Auftraggeber verliert Einfluß auf seine ureigensten Angelegenheiten.

Die Probleme mit Drittanbietern gestalten sich vielfältig. Das Wartungsproblem ist schwer zu lösen und bringt ungewollte Abhängigkeiten mit sich. Die fachliche Kompetenz der Anbieter läßt häufig zu wünschen übrig und sorgt für lange Projektlaufzeiten.

"Systemintegration" ist unterschiedlich belegt

Systemintegration ist eine der wesentlichen strategischen Aufgaben der DV-Verantwortlichen. In letzter Zeit jedoch denkt man vermehrt darüber nach, Dritte bei der Lösung der Probleme einzubinden und Gesamtverantwortung für Projekte an Externe zu vergeben. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Die Schlagworte heißen:

- Informationsverarbeitung als Wettbewerbsfaktor,

- Globalisierung der Märkte und EG 1993,

- Zunahme der Unternehmens-Zusammenschlüsse,

- Erweiterung der Just-in-time-Logistik,

- Handhaben des technologischen Wandels und damit verbundenes Down-sizing,

- technologischer Wandel und das Know-how-Problem sowie

- Koordinationsprobleme mit Externen bei Manpower-Leasing und Teilprojektvergabe.

Die Auswirkungen sind für die Verantwortlichen in Organisation und Datenverarbeitung der Unternehmen jeweils die gleichen: Es fehlt an ausreichend qualifiziertem Personal. Häufig traut die Unternehmensleitung den für die Datenverarbeitung Verantwortlichen die Lösung solch komplexer Aufgaben nicht zu. Handelt es sich doch häufig um strategische Probleme mit großer unternehmenspolitischer Relevanz.

Zur Verunsicherung sowohl der Anwender wie auch der Anbieter auf dem Systemintegrations-Markt hat nicht zuletzt beigetragen, daß der Begriff "Systemintegration" sehr unterschiedlich belegt wird. IDC Deutschland hat mit seiner Definition in der letzten Untersuchung "Der Systemintegrations-Markt in Deutschland" versucht, Klarheit zu schaffen:

"Systemintegratoren bieten als Generalunternehmer Lösungen für komplexe Aufgabenstellungen der Informationsverarbeitung an. Die Dienstleistung besteht aus einer Kombination von Beratung, Beschaffung und Implementierung von Hard- und Software- sowie Telekommunikations-Komponenten.

Der Systemintegrator übernimmt die volle finanzielle Verantwortung und alle Risiken für das jeweilige Projekt, beginnend mit der Planungsphase bis zur Implementierung der endgültigen Lösung. Je nach Vereinbarung gilt dies auch für die folgende Wartungsphase. Er verantwortet ebenso Lieferungen und Leistungen von Dritten und ist als Generalunternehmer einziger Ansprechpartner des Kunden.

Die von IDC befragten Anbieter und Anwender (siehe (CW Nr. 13 vom 30. März 1990, Seite 38) stimmten dieser Definition im wesentlichen zu.

Bemängelt wurde jedoch von einigen Teilnehmern der IDC-Umfrage, daß die Definition zu sehr auf die juristische Komponente abhebe. Thomas Köhler von Andersen Consulting ist der Meinung, daß Systemintegration auf drei Ebenen stattfindet und zusätzlich eine vertikale vierte Komponente habe. Er unterscheidet zwischen der Hardware-Systemsoftware-Ebene, der

Anwendungssoftware-Ebene und der Ebene der geschäftlichen Integration. Im systemnahen Bereich findet die Verbindung auf physikalischer Ebene statt. Anwendungssoftware wird integriert durch Datenkommunikation. Die geschäftliche Integration wird dann erreicht, wenn die geschäftlichen Transaktionen, zum Beispiel die Aufträge eines Unternehmens, ohne Zeitverlust und synchron einen homogenen Daten- und Steuerfluß erzeugen, der die Transaktionen von Anfang bis Ende begleitet und zugleich in sämtlichen Verästelungen der Organisation einfließt, soweit diese betroffen sind.

Die vierte Komponente, nämlich die vertikale Integration, stellt dabei den Automationsgrad dar: Je stärker die Abläufe eines Unternehmens DV-technisch unterstützt sind, desto mehr muß Integration nach unten realisiert werden.

Bernd Joop, Marketing Manager der Electronic Data Systems GmbH, Rüsselsheim (EDS), stellt folgende Ziele für Systemintegration in den Vordergrund: Verkürzung der Durchlaufzeiten, Erhöhung der Reaktionszeiten, Transparenz der Abläufe, Verbesserung der Marktposition und Qualitätssicherung. Daraus entwickelt sein Unternehmen ein Ebenenkonzept und unterscheidet vier Systemintegrations-Ebenen:

- die betriebliche Anwendungsfunktion,

- die Anwendungssoftware, Systemsoftware (Betriebssysteme, Entwicklungswerkzeuge),

- Hardware und

- Kommunikations-Infrastruktur.

Nur durch eine ganzheitliche Vorgehensweise unter Berücksichtigung der Wechselwirkung, die zwischen diesen vier Ebenen bestehen, läßt sich, so Joop, eine Integration erzielen.

Wie dem auch immer sei, Systemintegrations-Projekte sind in der Regel komplex, haben häufig einen strategisch-politischen Hintergrund und bewegen sich in einer finanziellen Größenordnung zwischen zehn und 100 Millionen Mark und mehr. Helmut Krayer von Unisys, der sich auf Flugplan-Datenverarbeitung, Flugsicherung und weltweite Netzwerke spezialisiert hat, spricht von Projekten zwischen 50 und 70 Millionen Mark.

Multidisziplinäre Fähigkeiten gefordert

Ein weiteres Charakteristikum für Systemintegration ist, daß Lösungen gesucht werden, nicht von Skill-Problemen, sondern betriebswirtschaftliche oder technisch-betriebswirtschaftliche Gesamtlösungen. Des weiteren sind die Projekte dadurch gekennzeichnet, daß sie in hohem Maße multidisziplinäre Fähigkeiten erfordern.

Das Festpreisproblem und die Generalunternehmerschaft trennt auf der Anbieterseite die Spreu vom Weizen. Sowohl Anbieter wie auch Anwender sind nicht zuletzt aus diesem Grund der Meinung, daß die Hardwarehersteller als Anbieter diese Probleme am ehesten lösen können. Bei den finanziell vergleichsweise mager ausgestatteten Beratungsgesellschaften und Softwarehäusern stößt man hier - zumindest in Deutschland - an Grenzen, denn Festpreise müssen vorfinanziert werden. Bleiben also die Multis.

Beratungsgesellschaften und Softwarehäuser umgehen das Festpreisproblem häufig, indem sie für das Gesamtprojekt zwar eine Größenordnung festlegen, die Bezahlung der Dienstleistungen jedoch auf der Basis von Arbeitsplänen monatlich erfolgt. So bleibt das finanzielle Risiko letztlich beim Kunden.

Dies ist sicherlich der wesentliche Grund, warum die Hardwarehersteller und Telekommunikations-Komponentenhersteller auf diesem Markt auch weiterhin die besseren Karten haben. Helmut Krayer von Unisys und Heribert Schmitz von Hewlett-Packard sind sich einig, daß ihre Position gegenüber Softwarehäusern und Beratungsgesellschaften in bezug auf das zu tragende Risiko besser ist, weil Preise gegebenenfalls über Hardware abgepuffert werden können.

Der Wettbewerbsvorteil der Hardware- und Telecomhersteller wird von den Beratungsgesellschaften und Softwarehäusern etwas anders gesehen. So meint Thomas Köhler von Andersen Consulting, daß neben Bonität und Erfahrung mit den Aufgaben des Kunden insbesondere Hardware-Unabhängigkeit ein wesentliches Qualifikationsmerkmal eines Systemintegrations-Anbieters sei. Nur so herrscht nach Köhler die Objektivität, die den Interessen der Kunden und nicht den der Lieferanten erste Priorität einräumt.

Auch Bernd Joop von EDS hält Lieferantenunabhängigkeit für eines der wesentlichsten Qualifikationsmerkmale. Ganz werden die Hardwarehersteller den Vorwurf mangelnder Objektivität nie ausräumen können. Manche HardwareherstelIer reagieren auf diesen Vorwurf, indem sie versuchen, sich den internen Pressionen des Hardwarevertriebs zu entziehen. Auch die Hersteller erkennen, daß strategische Systemintegrations-Projekte nicht mehr über den Hardwarevertrieb abgewickelt werden können.

Bei Unisys wurde im vergangenen Jahr die Grundsatzentscheidung getroffen, eine weltweite CSO-Organisation einzuführen, die sich ausschließlich mit Systemintegration befaßt. Auch Heribert Schmitz von Hewlett-Packard wertet das als gute Lösung, muß jedoch derzeit noch mit seinem Bereich im Unternehmensverband bleiben.

IDC schätzt den Markt für Systemintegration auf 2,15 MilIiarden Mark ein. Bei einem prognostizierten Wachstum von 35 Prozent wächst die Branche bis 1994 auf 7,2 Milliarden Mark. Dies sind nahezu zehn Prozent der Gesamtausgaben von Anwendern für Hardware, Software und Dienstleistungen. Laut Umfrage von IDC Deutschland sind bereits 40 Prozent der User bereit, eines der nächsten großen Projekte an einen Systemintegrator zu vergeben. Die Tendenz ist steigend.

Viele Anwender denken über Integratoren nach

Die Anwender sehen ihre Vorteile bei der Systemintegration durch Dritte in der Übergabe der Gesamtverantwortung, Entlastung des eigenen Personals, in der Risikominimierung und im Know-how-Transfer. Sie behalten aber auch die möglichen Nachteile im Auge. Ihre Vorbehalte richten sich im wesentlichen auf negative Erfahrungen mit besonders langen Projektanlaufzeiten. Auch das Argument zu hoher Kosten wird gelegentlich angeführt.

Es zeichnet sich jedoch die Tendenz ab, daß die Anwender bereit sind, ihre externen Ausgaben umzuschichten. Der Systemintegrations-Markt ist kein neuer Markt, er ist ein derivater Markt, der mit zunehmender Qualifikation der Anwender und Anbieter durch Ausgabenumschichtung entsteht. Mit der Verschiebung der Ausgaben von Usern für externe Dienstleistungen in Richtung Systemintegration verändern sich auch die Auswahlkriterien für die Anbieter. Künftig werden Referenzen über erfolgreiche Abwicklung von Systemintegrations-Projekten, inbesondere von Großprojekten, verlangt.

Bernd Joop von EDS berichtet von Erfahrungen als Generalunternehmer mit der Übernahme von Ergebnis- und Terminverantwortung für Projekte und Service-Leistungen im zweistelligen Millionenbereich. Insbesondere die deutschen weltweit tätigen Unternehmen legen Wert auf die Möglichkeit internationaler Projektbesetzungen. Das bedeutet nicht nur Projekt-Management-Tätigkeit für das eigene Personal, sondern gleichermaßen ebenso für die Kundenmitarbeiter wie auch für die Mitarbeiter von Sublieferanten. So sind in ein typisches Systemintegrations-Projekt gegebenenfalls bis zu 20 Sublieferanten integriert.

Bedingt durch die Generalunternehmerschaft und die häufig üblichen Festpreise ist die finanzielle Stabilität ein weiteres Element bei der Auswahl. Von Bedeutung ist auch die Branchenerfahrung des Anbieters und seine Fähigkeiten im Umgang mit den Kunden und ihren Problemen.