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07.01.2000 - 

Gast-Kommentar

Fetisch Geschwindigkeit

Roland Bickmann. Bickmann & Collegen, Unternehmensberatung, Hamburg

Die Protagonisten des Internet behaupten, ein Kalenderjahr sei sieben Internet-Jahre. Die Chiphersteller reklamieren einen maximalen Produktionszyklus von 1,5 Jahren. Allerorten ist zu hören, die Ära der Schnelligkeit sei angebrochen, die Globalisierung beschleunige alles, und zwar weltweit. Wirklich?

Die Anzahl von Rückrufaktionen in der Automobilindustrie, ein peinliches Professionalitätsloch in der Computerindustrie, aber auch die Ergonomie der Produkte aus den "fast industries" werfen Schlaglichter auf die Tatsache, dass komplexe Dinge offenbar Reifezeit brauchen. Was wirklich geschieht, ist der Eintritt unserer Welt in die Ära der Komplexität, des Ende des linearen Denkens und damit die Erkenntnis, dass alle Entscheidungen von großen Unsicherheiten begleitet werden.

Der Fetisch der Geschwindigkeit scheint mit zunehmend erkennbarem Dilettantismus der Akteure nichts anderes als ein Nebenkriegsschauplatz, ein großes Ablenkungsmanöver zu sein, um von dem tatsächlichen Dilemma auch des ökonomischen Handelns abzulenken: der fehlenden Fähigkeit, eine scheinrationale Welt zu verlassen, der Abwesenheit einer Politik, die auch in einer globalen Welt Handlungsfähigkeit beweist, und dem Fehlen einer Ethik, die die Sinnfragen unserer Existenz nicht dem Ökonomismus überlässt.

"Soustainability" ist keine Anforderung an noch größere Serienfertigungen in kürzerer Zeit. Es ist eine Herausforderung an die Fähigkeit, auch innezuhalten, die rechte Nachdenklichkeit walten zu lassen und sich dem wirklich Wichtigen weiterhin verpflichtet zu sehen: Der Qualität unserer menschlichen Existenz und das, mit Verlaub, auch global.