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06.11.1981 - 

Bei der Darmstädter Deutsche Bausparkasse AG regnete es in den Rechner:

Feuchte CPU mit Fön nicht zu retten

Ein Rinnsal Regenwasser, das durch eine schadhafte Stelle im Flachdach des einstöckigen RZ-Gebäudes der DBS Deutsche Bausparkasse AG, Darmstadt, ins Allerheiligste der Zentraleinheit eingedrungen war, berieselte störungswirksam die diversen Elektroniken des Plattenprozessors, des Peripherieprozessors und des Power Packs. Die Situation war da.

Der Operator vom Dienst bemerkte zuerst die Bescherung, als er nach der Sturmnacht vom 22. auf den 23 September das Rechenzentrum betrat, um das System, eine Honeywell Bull 66/05, zur datentechnischen Tagesleistung aufzufordern. Der Computer lief nicht, er tropfte.

Die Heimsuchung der Hardware kam überraschend wie der vorausgegangene Wolkenbruch. Seit Noahs biblischer Kreuzfahrt hatte es nicht so gegossen: 25,3 Millimeter meldeten die meteorologischen Meßmeister aus Hessen-Süd. Auf der Frankfurter Automobilausstellung luden die Parkplätze zum Schlauchbootfahren ein.

EDV- und Orgachef Gerhard Uertz konstatierte am Tatort das Verhängnis als ein Leck in der Isolierschicht an den Lichtkuppeln direkt über der EDV. (Die Gründe des Dachfehlers sind derzeit Gegenstand genauer Prüfung durch die Bauexperten.) Allzuviel Wasser war indes gar nicht eingeflossen, doch es benetzte ausgerechnet die Verkabelung und die hochempfindlichen Boards. Resultat: Der Hauptspeicher (2 MB) streikte, sechs mal 200-MB-Platten verweigerten den Zugriff, 50 in der DBS verteilte Bildschirme blieben dunkel und programmfrei. Wo einst die Software das Online-System belebte, perlte der trübe Tau des heillosen Hurrikans.

Zur Behebung der Havarie zog Gerhard Uertz alsbald alle Register. Die Honeywell Bull-Techniker folgten seinem Notruf, Benutzerkollegen boten Back-up (Uertz: "Die Hilfsbereitschaft der Leute war überwältigend "), ein Entwässerungsplan wurde implementiert - fast zwei Tage lang versuchten die Betroffenen dem Ungemach mit Heißluft beizukommen. Sie fönten wie die Weltmeister im Dauerfrisieren: erfolgreich, was

die Dehydrierung der nassen Chips betraf; bloß die Bemühungen um die Funktionalität der Schaltlogik geriet zum Schlag ins Abwasser. Den erschöpften Windmachern war klar: Rien ne va plus, Ersatz muß her, denn die kameradschaftlich offerierten Maschinen der Auch-Anwender konnten, das sahen die DBS-Experten ein, die vollintegrierte Datenbank und das dezentrale Online-Schema der Bausparkasse nicht so leicht - und vor allem nicht so rasch - auffangen.

Im Darmstädter RZ und in der Kleiner Honeywell Bull-Zentrale sprangen einige Notstandsbewältiger im sprichwörtlichen Sechseck; dann war die Zweitanlage vom Typ 66/05 disponibel und transportbereit. Rund um die Uhr installierten Kundendienstler den schnellen Brüter.

Gerhard Uertz: "Am Mittwoch passierte das Malheur, am Freitag stand der Ersatzcomputer vor der Tür, am Samstag um 11,30 Uhr war er betriebsfertig und am Samstagabend gegen 21.00 Uhr hatten die krisenfesten Mitarbeiter der DBS der Kumulierten Rückstand aufgearbeitet"

Natürlich blieben die Sparkassen-Daten vom Schlagwetter verschont, wo sie, getreu den Regeln der EDV- Zunft, am Abend vor dem Vorfall in Form von schutzwürdigen Magnetband-Kopien verwahrt worden waren.

Vier Wochen nach der ruinösen Raumfeuchte erinnert sich Uertz mit distanziertem Grausen an die frenetische Fönaktion und an die Hektik der Ruck-Zuck-Umstellung.

Resümee: Keine Panik in den Tagen der Bedrängnis; eine größere Kalamität konnte durch die Umsicht (der Spezialisten) und das Verständnis (der Fachabteilungen) abgewendet werden.

Orgachef Uertz, sonst nicht abergläubig, ließ gleichwohl einen Stellungswechsel im RZ durchführen. Die sensitive Elektronik steht nun nicht mehr lotrecht unter den sorgsam versiegelten Lichtkuppeln, sondern in der neutralen Ecke.

Ein Prozessor ist schließlich kein Tauchsieder.