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13.08.1993

Feuer in japanischer Chemiefabrik loest Unruhe bei PC-Herstellern aus Vorschnelle Reaktion verteuert die Speicherbausteine weltweit

MUENCHEN (IDG/wm) - Am

4. Juli 1993 brannte im japanischen Niihama eine Fabrik von Sumitomo Chemicals ab, die weltweit einen Marktanteil von ueber 50 Prozent bei der Herstellung des Stoffes hatte, mit dem ICs ummantelt werden. Nachdem das Geruecht umging, dass dadurch innerhalb kuerzester Zeit die Halbleiter-Hersteller ihre Fertigung stoppen muessten, schnellten innerhalb von zwei Wochen die Preise fuer Speicherbausteine nach oben.

Die PC-Einzelhaendler in Deutschland verweisen hinter vorgehaltener Hand auf ihre Grosshaendler, bei denen die Einkaufspreise vom gewohnten Niveau von um die 60 Mark auf ueber 140 Mark fuer ein 1-MB-DRAM-Modul anstiegen. Das gleiche spielte sich auch auf Tokios DV-Grosshandelsplatz Akihabara ab. In den USA hatte der Run auf Speicher-Chips allerdings schon einige Tage vorher eingesetzt und die Preise von rund 30 Dollar auf ueber 80 Dollar hochfliegen lassen.

Bei naeherem Nachfragen verweisen die Haendler aber unisono auf ihre gut gefuellten Lager. Mark Thiele von der Comtrad Deutschland GmbH in Starnberg vermutet, dass die Preise bereits den maximalen Punkt ueberschritten haben und wieder auf ein Niveau fallen werden, das aber leicht ueber jenem vor dem Brand bei Sumitomo liegen koennte. "Zur Zeit zahlen Kunden fuer 1 MB Arbeitsspeicher etwa 100 Mark."

Mit aehnlichen Argumenten beruhigen auch die grossen PC-Hersteller wie Compaq oder Dell ihre Kunden. Auch bei ihnen seien die Lager gut bestueckt, und ausserdem garantieren ihre langfristigen Liefervertraege, dass sie bei einem moeglichen Mangel bevorzugt beliefert werden.

In Bedraengnis koennten nur die Firmen geraten, die tatsaechlich auf dem Tagesmarkt fuer IC-Bausteine einkaufen. Doch gibt es auch hier Marktbeobachter, die abwinken: Wenn die Computerpreise steigen wuerden, dann nur, weil die Haendler bisher unter den niedrigen Preisen zu leiden haetten und mit dem Argument der abgebrannten Fabrik jetzt versuchen koennten, ihre Gewinnspanne wieder zu erhoehen.

Bei den Chip-Herstellern bietet sich kein einheitliches Bild. Erstens hatte Sumitomo Chemicals zwar einen Marktanteil von etwa 60 Prozent fuer einen Zwei-Komponentenlack und dessen Vorprodukte, doch stuetzen sich die IC-Produzenten meist auf bis zu vier Lieferanten und koennen den Ausfall der Fabrik von Sumitomo ausgleichen.

Zweitens koennen weltweit pro Jahr maximal etwa 20 000 Tonnen Epoxidharz in der Halbleiter-Fertigung abgesetzt werden. An einer Stelle versammelt mag dies zwar einen kleinen Berg ergeben, doch ruehren grosse Chemiehersteller wie ICI dafuer keinen Finger, weil es sich fuer sie nicht lohnt, eine Fabrikstrasse zu installieren. Ausserdem werden wahrscheinlich in diesem Jahr ueberhaupt nur etwa 15 000 Tonnen Epoxidharz benoetigt, so dass weltweit nur etwa 6000 Tonnen zusaetzlich hergestellt werden muessen.

Doch konnte Sumitomo Chemicals selbst auf einer Pressekonferenz vor einer Woche fuer Entspannung sorgen: Die Firmen Nippon Kiyaku und Dai Nippon Ink & Chemicals lizenzieren kurzfristig von Sumitomo die Epoxidharzproduktion und verpflichten sich, ihre Produktion so schnell wie moeglich hochzufahren. Darueber hinaus wird auch die Firma Chang Chun Plastics in Taiwan den Ausstoss steigern und allein etwa 3000 Tonnen zusaetzlich produzieren.

Klaus Knapp, Pressesprecher bei der Siemens AG im Bereich Halbleiter, macht denn auch deutlich: "Nicht der Mangel an verfuegbarem Zwei-Komponentenlack ist das Problem, sondern dass die Chip-Hersteller jeden Lack normalerweise erst sorgfaeltig testen, bevor sie ihn in der Produktion einsetzen. Es ist wenig wahrscheinlich, dass zum Beispiel die Siemens AG eines ihrer drei Chip-Werke in Singapur und Malaysia stillegen muss."

Im schlimmsten Fall werde es, so Knapp, im Oktober oder November zu einigen Schwierigkeiten bei der Produktion kommen. Doch die habe jeder Produktionsleiter im Griff.

Passend zur kurzfristigen Hysterie auf dem Halbleiter-Markt lieferte Robert Cringeley in seiner Kolumne auch das dafuer verantwortliche Komplott: "Eine der Verschwoerungstheorien lautete, dass die IBM nach dem Brand bei Sumitomo versuchte, fuenf Millionen Speicher-Chips fuer ihre Valuepoint-PCs zu kaufen, um einige der laestigen kleinen PC-Cloner loszuwerden. Falsch! Niemals koennte sich die IBM so schnell zu einem genialen Schachzug durchringen.

Andererseits koennte natuerlich auch die Yakuza (die japanische Mafia) die Fabrik absichtlich zerstoert haben, nachdem man in den letzten Wochen Speicherbausteine gehortet habe, die die Gangster jetzt mit gutem Gewinn verkaufen koennen."

Diese Theorie klingt aber vermutlich nur fuer die Ohren wahrscheinlich, deren Besitzer unter einer Japan-Phobie leiden.