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28.11.2003 - 

Enterprise-Content-Management-Anbieter will keine Marktanteile kaufen

"Filenet setzt auf die eigene Kraft"

POTSDAM (fn) - Filenet möchte sich dem Übernahmereigen im Content-Management-Markt nicht anschließen und stattdessen viel in die Entwicklung investieren. Dabei am Ende selbst geschluckt zu werden, will Lee Roberts, Chef des börsennotierten Unternehmens, nicht ausschließen.

Die grassierende Konsolidierungswelle im Content-Management-Markt betrachet Filenet-Chef Lee Roberts gelassen. Trotz der schlechten Marktbedingungen habe sein Unternehmen in den letzten Quartalen gute Geschäfte gemacht. Insbesondere in Deutschland wuchs die Company vergangenes Jahr um 50 Prozent und verfügt hierzulande nun über 400 Kunden. Seinen Optimismus stützt Roberts auf das Ergebnis des dritten Quartals 2003: Der Umsatz belief sich auf knapp 89,4 Millionen Dollar, davon entfielen 35,3 Millionen Dollar auf Lizenzen und 53,3 Millionen Dollar auf Dienstleistungen. Damit verkaufte Filenet mehr Software als im Vorjahreszeitraum (Zuwachs von fünf Millionen Dollar). Mit Services legte das Unternehmen um nahezu drei Millionen Dollar zu.

Zwar plant Roberts ein bis zwei Übernahmen im nächsten Jahr, jedoch will das Unternehmen keine Marktanteile erwerben, sondern gezielt Technik einkaufen, beispielsweise für das Digital-Asset-Management. Mit solchen Produkten können Firmen zum Beispiel Grafiken, Bilder, Ton- und Videoinhalte verwalten. Vornehmlich sollen neue Produkte allerdings im eigenen Haus entstehen: Deshalb will Filenet 22 Prozent des Umsatzes - etwa 77 Millionen Dollar - in die Entwicklung stecken. Ein Fokus legt der Hersteller auf Collaboration. Software zur Teamarbeit ist zurzeit begehrt, weshalb Documentum E-Room, Interwoven die Firma Imanage und Vignette den Hersteller Intraspect übernommen hat.

Übernahmen bedeuten Ärger

Solche Ergänzungskäufe sind laut Roberts angebracht und sinnvoll, nicht aber so umfangreiche Deals wie der Erwerb von Gauss Interprise und Ixos Software durch den kanadischen Anbieter Opentext. "Enterprise-Content-Management (ECM) ist eine Technik, die man sich nicht so einfach zusammenkaufen kann. Oracle und IBM sind im Datenbankmarkt auch nicht durch Übernahmen groß geworden, sondern durch eigene Entwicklung", kommentiert Roberts die Strategie des Konkurrenten. Wer sich Marktanteile kaufen wolle, bereite sich in Wirklichkeit eine Menge Probleme. Die Produkte von Gauss und Ixos böten exakt die gleichen Funktionen, unterschieden sich jedoch technisch stark. Verschiedene Systeme zu harmonisieren, könne nur eine Firma von der Größe der IBM.

Roberts Konkurrentenschelte ist jedoch vor dem Hintergrund zu bewerten, dass Filenet im April 2002 mit Egrail selbst eine Softwarefirma übernommen hat, um in Sachen Web-Content-Management Flagge zu zeigen. Mehr als eine Vervollständigung des Portfolios hat der Egrail-Kauf bisher offenbar nicht eingebracht, denn den Löwenanteil des Umsatzes erwirtschaftet Filenet mit den bestehenden Dokumenten-Management- und Business-Process-Management-Lösungen. Zudem nutzen viele Traditionskunden lediglich die Archivierungssysteme des Anbieters und können sich daher für die moderne Systemarchitektur "P8" noch nicht erwärmen. Mit P8 schuf Filenet eine J2EE-Ablaufumgebung, auf der Anwender die Produkte des Herstellers betreiben können. Zudem erlaubt es die Plattform, Repositories anderer Dokumenten- und Web-Content-Management-Systeme einzubinden.

Archiviert wird nicht mehr nur auf optischen Platten, sondern verstärkt auf Storage-Systemen. Viele Content-Management-Hersteller sind in den letzten Jahren Partnerschaften mit EMC eingegangen. Als der Storage-Primus ankündigte, Documentum zu übernehmen, gab es für die Branche ein jähes Erwachen. Roberts bemüht sich, diesen Umstand herunterzuspielen. "Am Verhältnis zwischen EMC und uns wird sich auch nach der Übernahme nichts ändern." EMC habe versichert, auch weiterhin Interesse an einer Zusammenarbeit zu haben. Der Vergangenheit angehören dürften hingegen gemeinsame Vertriebsaktivitäten.

Neue Storage-Partnerschaften

Sicherheitshalber sehen sich Filenet und auch andere Hersteller nach neuen Storage-Partnerschaften um. Ixos Software beispielsweise kündigte eine Kooperation mit Hitachi und Storagetek an. Das Verhältnis zu EMC vergleicht der Filenet-Chef mit dem zu IBM: Big Blue stellt Content-Management-Produkte her, die mit Filenet-Systemen konkurrieren, andererseits wickelt die Consulting-Sparte IT-Projekte mit Filenet-Produkten ab.

Laut Roberts steckt im Markt für Enterprise-Content-Management ein enormes Wachstumspotenzial. Diese Produkte würden inzwischen als Infrastrukturkomponente betrachtet, ähnlich wie Datenbanken. Filenet möchte sein Partnernetz ausbauen und plant zudem, ins OEM-Geschäft einzusteigen. Partner sollen auf der Grundlage der P8-Architektur Applikationen bauen.

Nicht auszuschließen ist jedoch, dass Filenet selbst einer der nächsten Übernahmekandidaten sein könnte. "Es ist nicht unsere Strategie, übernommen zu werden, doch ich kann nicht verhindern, dass eventuell eines Tages das Telefon klingelt", so Roberts. Theoretisch wäre Oracle ein passender Käufer, was der Firmenlenker jedoch nicht kommentieren wollte. Der Softwarekonzern verfügt über kein wirkliches Content-Management-Produkt, bekommt im Datenbankbereich Druck von IBM und Microsoft und versucht, seine Position im ERP-Markt durch eine feindliche Übernahme von Peoplesoft zu sichern. "Content-Management ist natürlich ein Bereich, in dem sich Larry Ellison nach Übernahmekandidaten umschaut, ich habe aber keine Ahnung, was er vorhat." Gleiches gelte für IBM und SAP.