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Intranets mutieren zu Corporate Networks

Filialen werden zu Hexenküchen für IP-basierte Kommunikation

19.11.1999
Die Konvergenz von Sprache und Daten auf Basis der IP-Technologie ist in aller Munde. Doch halten die Hersteller, was sie versprechen, und wie sollen Unternehmen entsprechende Projekte realisieren? Antworten auf diese Fragen gibt Jens Christiansen, Consultant und Mitglied der Geschäftsführung bei der HMP Teleconsult, im Gespräch mit CW-Redakteur Peter Gruber.

CW: Ist Sprach-Daten-Integration für Anwender heute überhaupt schon ein Muß?

CHRISTIANSEN: Heute ist sie noch kein Muß. Es gibt keinen Sinn, dem Kunden zu raten, bundesweit seine gesamte Kommunikationsstruktur auf IP-Telefonie umzustellen, alle TK-Anlagen rauszuschmeißen und statt dessen Gatekeeper zu integrieren. Andererseits können wir für unsere Mandanten keine Konzeption für die Zukunft entwickeln, die dieses Thema nicht berücksichtigt.

CW: Ist der Aufbau eines solchen Netzes im Unternehmen heute möglich und halten die Hersteller, was sie versprechen?

CHRISTIANSEN: Nein. Heute haben Aspekte der Hardwareleistung und Anforderungen der Applikationen mehr Einfluß auf die Entwicklung der Netze als wirtschaftliche Erwägungen. Wir müssen sicher noch ein Jahr warten, bis die Standardisierung abgeschlossen ist. Außerdem ist es von der Verabschiedung dieser Normen bis zu deren allgemeiner Nutzung noch ein weiter Weg. Man muß also besonnen an die Thematik herangehen, um keine Fehlinvestitionen heraufzubeschwören.

CW: Raten Sie von einer Implementierung komplett ab, oder sollten Unternehmen die Integration von Sprache und Daten in Pilotversuchen testen?

CHRISTIANSEN: Sie sollten an größeren Standorten weiter mit ihrer klassischen Kommunikationshardware arbeiten. An kleineren Standorten kann Kommunikationsinfrastruktur aber schon heute auf Basis von IP-Technologie integriert werden.

CW: Wie könnte ein solches Engagement im Detail aussehen?

CHRISTIANSEN: Unternehmen sollten da anfangen, wo die Kommunikation einen relativ geringen Raum einnimmt. Das sind zum Beispiel kleine Geschäftsstellen von Versicherungsunternehmen, aber auch Home-Offices mit regem Kommunikationsverkehr zur Zentrale sowie Kunden und Partnerunternehmen. Dort finden wir heute die ersten Internet-Telefone, die ans Ethernet angeschlossen werden, sowie die entsprechenden Gatekeeper-Funktionen, die Funktionen der TK-Anlagen übernehmen.

CW: Was ist die Motivation für Unternehmen, Ethernet-Telefone zu nutzen?

CHRISTIANSEN: In erster Linie geht es um Kostensenkung. Ich spreche hier nicht von der TK-Anlage, die letztendlich die Telefonie auf IP umstellt. Die kann ich heute - plakativ gesagt - für 1, 50 Mark beim Media-Markt besorgen. Ich rede von der TK-Anlage, die in die Netzinfrastruktur des gesamten Unternehmens eingebunden ist. Das sind in der Regel aufwendige Maschinen, die über das Corporate Network mit hoher Bandbreite ausgestattet sind oder über sehr teure Mechanismen verbunden werden müssen. Außerdem läßt sich der Verwaltungsaufwand reduzieren. Denn durch die bislang getrennten Welten entstehen nicht nur hohe Kosten für Hardware, sondern auch für die jeweilige Administration. Ein dritter Aspekt sind Leitungskosten, aber dieser Faktor der Kostenreduzierung hat durch den Preisverfall an Bedeutung verloren.

CW: Welche Anforderungen stellt eine Migration an die Netzadministration?

CHRISTIANSEN: Ohne Anlaufschwierigkeiten läuft so eine Migration natürlich nicht ab. Entscheidend ist aber, daß die Verantwortlichen für Sprachkommunikation mit den IT-Verantwortlichen kooperieren müssen. Die Vorstellung von vor zehn Jahren, daß die Sprachwelt die Datenkommunikation integriert - Stichwort ISDN -, war völlig falsch. Aber die heute häufig gehegte Annahme, daß die klassischen Mechanismen des Datennetzes die Sprache integrieren, ist auch falsch. Der Trend von Routing-Mechanismen hin zu den klassischen Switching-Mechanismen ist ja im Prinzip eine sehr starke Annäherung an die Methoden des Sprachbereichs. Ich glaube deshalb, es läuft auf ein neues Berufsbild hinaus, das sehr stark von Servicegedanken getrieben wird und wobei das Internet Protocol (IP) ein wesentliches Mittel zur Umsetzung ist.

CW: Wodurch wird der Prozeß der Migration getrieben?

CHRISTIANSEN: Der Kunde hat heute höhere Ansprüche. Er will Auskünfte schnell haben und nicht mehr auf dem Schriftwege. Ich denke, da entwickeln wir uns Richtung Dienstleistungsgesellschaft. Das spüren die Unternehmen. Sie müssen also in Experten investieren, die den erhöhten Kommunikationsbedarf nicht nur technisch decken, sondern gleichzeitig für eine konsistente Verfügbarkeit von Information sorgen. Das ist mit den alten Systemen nur schwer zu schaffen, auch weil es wesentlich mehr virtuelle Unternehmen gibt. In diesem Szenario des Dienstespektrums muß alles ineinandergreifen: der Zugriff auf das Internet, die Sprache, E-Mail und Fax. Das führt fast zwangsläufig dazu, daß Unternehmen auch ihre Netze konvergieren müssen. Die Infrastrukturen sind die Erfüllungsgehilfen moderner Dienstleistung.

CW: Befürworter integrierter Netze führen immer wieder das Argument der Kosteneinsparung ins Feld. Sind diese Kosten genauer zu beziffern?

CHRISTIANSEN: Klar ist, daß Unternehmen trotz hoher Gewinne immer unter dem Druck stehen, Kosten zu senken. Dies geschieht zwar auch durch Hardware und im Netz, wo Einsparungen meßbar sind. Aber machen wir uns nichts vor, ein Großteil der Einsparungen erfolgt über den Faktor Arbeit.

CW: Können Sie Richtwerte nennen?

CHRISTIANSEN: Die Projekterfahrung zeigt, daß im Bereich der Kommunikationsinfrastruktur fast immer Reduzierungen von 20 bis 30 Prozent zu realisieren sind. Im Personalbereich werden ungern Zahlen genannt, da dieses Thema in den Unternehmen meist sehr stark belastet ist. Einsparungen beim Personal sind aber zweifellos möglich.

CW: Eines der Argumente für die Sprach-Daten-Konvergenz waren die hohen Kosten für die Sprachkommunikation. Hier sind die Preise aber deutlich gefallen. Sollten Unternehmen nicht doch an ihren bestehenden Netzen festhalten?

CHRISTIANSEN: Der von Ihnen angesprochene Preisverfall führt tendenziell dazu, daß zumindest in kleinen und mittelständischen Unternehmen der Einsatz von Intranets nicht forciert wird. Im Grunde sind dafür zwei Faktoren verantwortlich: der Preisverfall im Fernverkehr und die hohen Gebühren für den Netzzugang. Hier sind die Kosten in Deutschland im internationalen Vergleich noch immer unverhältnismäßig hoch.

CW: Kann ein IP-Netz ein Corporate Network sein?

CHRISTIANSEN: Ja, eindeutig. Neuere Corporate Networks werden bereits so konzipiert, daß sie Telefonie und Daten integrieren. Zusätzlich kommen Mechanismen hinzu wie Sicherheit und Verschlüsselungsverfahren. Ich sehe das Intranet sich sehr stark zum Corporate Network entwickeln.

CW: Der Begriff des Corporate Network wird sich also verlagern?

CHRISTIANSEN: Ja, er lautet IP plus Ergänzungsmechanismen. Viele Unternehmen können heute das Internet als Transportmittel mit seinen zur Verfügung stehenden Mechanismen nicht nutzen, um ein klassisches Corporate Network aufzubauen. Für entsprechende kritische Geschäftsprozesse werden zum Beispiel Sicherheitsmaßnahmen gegen unerlaubte Zugriffe aus dem Internet, aber auch Quality of Services sowie Counting- und Billing-Mechanismen benötigt. Hier happert es noch, aber diese Applikationen werden kommen. Außerdem ist in einem noch viel stärkeren Umfang die Annäherung der Adressierungsverfahren zwischen der Sprach- und Datenwelt erforderlich. Auch hier ist eine Konvergenz vonnöten.

CW: Sie sprechen die Quality of Services an. Ist sie in integrierten Netzen schon sichergestellt?

CHRISTIANSEN: Nein, aber wenn es mit der Konvergenz etwas werden soll, dann muß die gewohnte Sprachqualität für den Anwender garantiert werden. Ohne Laufzeiten unter 100 Millisekunden, verfügbare Bandbreiten sowie Ersatzmechanismen und Billing-Lösungen geht es nicht. Diese Kriterien zu erfüllen ist nötig, soll sich Sprache in IP-Netzen durchsetzen.

CW: Die Anbieter haben also noch einige Hausaufgaben zu machen?

CHRISTIANSEN: Ja, die Anbieter haben, egal, ob ihr Ursprung im Daten- oder Sprachbereich liegt, noch einiges zu tun. Aber die Welten nähern sich an. Die Technologie ist verfügbar, erfordert aber einen entsprechenden Abstimmungsprozeß. Die Kommunikation wird in fünf Jahren ganz anders aussehen als heute. Es wird zum Beispiel ganz normal sein, daß die Verteilfunktion von Faxservices, Rufnummern oder E-Mails im Netz integriert ist. Getrieben wird diese Entwicklung weniger durch wirtschaftliche Überlegungen als durch die Optimierung der Geschäftsprozesse in Unternehmen und die Vorteile der Integration im Bereich der Administration und Applikationen.