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02.03.2001 - 

Auf dem 3GSM World Congress in Cannes übt sich die Branche in Optimismus

Film ab für GPRS und UMTS

CANNES (ave) - Ganz im Zeichen des Mobilfunks der dritten Generation stand der 3GSM World Congress im französischen Cannes. Die Industrie zeigte eine Vielzahl an Lösungen rund um die künftigen Mobilfunkstandards GPRS und UMTS, darunter mobile Zahlungssysteme, ortsabhängige Dienste und natürlich neue Endgeräte.

Man nehme eine GSM-Mobilfunkmesse und stelle die Zahl drei voran. Genau nach diesem Rezept verfuhr der Veranstalter, um aus dem etablierten GSM World Congress einen Event zu machen, der auch zukünftige Mobilfunktechniken abdeckt. Schade, wird mancher Carrier denken, dass die vorhandenen GSM-Netze nicht ganz so einfach auf die neue 3G-Mobilfunktechnik Universal Mobile Telecommunications System (UMTS) aufzurüsten sind.

Ungeachtet der in dieser Hinsicht anstehenden technischen Herausforderungen war in Cannes eine gewisse Goldgräberstimmung zu spüren. Die Hersteller wittern, dass neue Mobilfunkverfahren wie General Packet Radio Service (GPRS), das als Zwischenstufe auf dem Weg zu UMTS dienen soll, für sie auch neue Geschäftsfelder und Marktchancen bedeuten. Für die krisengeschüttelte Technologiebranche ist dies der Silberstreif am Horizont, und keiner will bei einem eventuellen Boom der neuen Verfahren den Anschluss verpassen.

Doch während der Himmel über Cannes strahlend blau und wolkenlos war, sind die Zukunftsaussichten der 3G-Player nicht vollkommen ungetrübt. Noch stellt sich die Zukunft des Mobilfunks als eine Gleichung mit einigen Unbekannten dar. Offene Fragen gibt es unter anderem in Bezug auf die tatsächlich zur Verfügung stehenden Bandbreiten unter GPRS und UMTS. Es zeichnet sich ab, dass GPRS nicht in der Lage sein wird, die ursprünglichen Versprechungen der Anbieter zu halten. Statt der theoretisch möglichen 115 Kbit/s geben die Hersteller nun hinter vorgehaltener Hand zu, dass bestenfalls 50 Kbit/s machbar sein werden, und auch das nur unter optimalen Bedingungen. Dennoch soll GPRS dadurch, dass Geräte damit quasi ständig online sind, sowie dank der paketorientierten Vermittlung, die auch eine volumenabhängige Abrechnung ermöglicht, spürbare Verbesserungen etwa bei WAP-Übertragungen bringen.

Unsicherheitsfaktor EndgeräteEin weiterer offener Punkt sind die für die neuen Verfahren benötigten Endgeräte. Zwar zeigten in Cannes unter anderem Lieferanten wie Panasonic, Motorola, Sagem, Siemens, Philips, Ericsson und Nokia GPRS-fähige Handys. Es ist allerdings noch immer fraglich, ob es diese bald in ausreichender Menge geben wird. In den Sternen steht zudem, wie den Kunden im nächsten Jahr der Umstieg auf UMTS (entsprechende Netze sollen ab Mitte 2002 ihren Betrieb aufnehmen) schmackhaft gemacht werden soll.

Ein schlagkräftiges Argument hierfür wäre eine "Killerapplikation", wie sie etwa der Short Message Service (SMS) im GSM-Umfeld darstellt. Die ist für GPRS und UMTS momentan jedoch nicht in Sicht. Helmut an de Meulen, Geschäftsführer der Materna GmbH, ist zwar überzeugt, dass eine um Multimedia-Elemente wie Bild, Ton oder Video erweiterte SMS-Version schon mit GPRS "sehr erfolgreich" sein wird. Das Unternehmen hat deswegen seine Messaging-Plattform für Carrier "Anny Way" in Richtung Multimedia Messaging Services (MMS) getrimmt. Auch der finnische Mobilfunkspezialist Nokia setzt auf das multimediale Element: Der Anbieter stellte in Cannes "Artuse" vor, eine Kommunikationsplattform, die Ähnliches leisten soll wie Anny Way.

Andere Anbieter glauben an den Erfolg ortsabhängiger Dienste. Diese sollen dem Handy-Besitzer etwa anzeigen, wo er in seiner Umgebung ein gutes Restaurant finden kann. Doch die Umsetzung solcher Services ist nicht trivial: Es reicht schließlich nicht, den Standort des Benutzers zu ermitteln - die Herausforderung liegt vielmehr darin, diese Positionsdaten mit hochwertigen und aktuellen Informationen zu verknüpfen. Für veraltete oder ungenaue Angaben will schließlich niemand sein Geld ausgeben.

Das Handy als GeldbörseIm Zeitalter von GPRS oder UMTS soll das Handy jedoch mehr sein als eine bloße Informationsquelle. In der Vorstellung einiger Anbieter auf der 3GSM World mutiert das Mobiltelefon zur allgemeinen Schaltzentrale, über die auch aktiv auf Daten in Unternehmensdatenbanken zugegriffen werden kann. So zeigte die französische Firma Wokup (http://www.wokup.com) ihren "Wokup"-Server, der das Anzeigen von Inhalten jeglicher Art auf beliebigen Endgeräten erlauben soll. Die Software passt die Informationen automatisch so an, dass eine optimale Darstellung erfolgt. Nach Angaben des Herstellers können mit der Lösung beispielsweise auch Verkäufer von unterwegs via PDA oder WAP-Handy auf SAP-Daten in der Firmenzentrale zugreifen.

Für viele Anbieter stellt das Handy zudem eine Möglichkeit dar, um Finanztransaktionen zu erledigen. Geht es nach dem Willen der Hersteller, dann mutiert das Mobiltelefon zur elektronischen Geldbörse, über die sich nicht nur - wie auf der 3GSM World zu sehen - Getränke am Automaten bezahlen lassen sollen.

Siemens Information und Communication (IC) hat gemeinsam mit Hewlett-Packard (HP) ein Konsortium gegründet, um das Bezahlen via Handy voranzutreiben. Die beiden Unternehmen planen eigenen Aussagen zufolge, einen offenen Standard zu entwickeln, der Ende Juni veröffentlicht werden soll. Siemens verfügt mit Pay@once bereits über eine solche Entwicklung, die auch HPs "E-Speak"-Plattform unterstützt.

Conduit Software präsentierte mit "Mobi Pay" eine Lösung, bei der Bezahlvorgänge via SMS sicher abgewickelt werden sollen. Motorola zeigte "M-Wallet", das der Anbieter gemeinsam mit Trintech entwickelt hat. Nokia stellte in Cannes ebenfalls ein solches System vor, das im dritten Quartal dieses Jahres verfügbar sein soll.

Unabhängig davon gab sich die GSM Association (GSMA) in Cannes zuversichtlich, dass die kommende 3G-Technik weltweit nahtlose Mobilfunkdienste ermöglichen und so das "Ende der Wireless Wars" - gemeint sind die je nach Region unterschiedlichen Mobilfunkstandards - einläuten wird. Aus Sicht von Robert Conway, Chief Executive Officer der GSMA, stellt sich nun nicht mehr die Frage nach der besten Technik. Es gehe vielmehr darum, einen geeigneten Weg zu finden, um den Kunden schnellstmöglich die neuen Dienste zur Verfügung zu stellen. Das sei nur zu erreichen, wenn alle kooperieren, wobei die GSMA helfen wolle.

Killerapplikation?Die Suche nach einer Anwendung, die die Kassen der Carrier klingeln lässt und dabei hilft, die enormen Investitionen in die neuen Technologien wieder hereinzuspielen, treibt zuweilen merkwürdige Blüten. So will T-Mobil über GPRS-Handy ein virtuelles Haustier auf die Kunden loslassen, um das sie sich kümmern müssen, soll es nicht elend eingehen.