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03.09.1993

Finanzielle Schieflage stellt Wettbewerbsfaehigkeit in Frage Telekom-Bilanz '92: Dunkle Wolken am Horizont haben sich verstaerk

BONN/MUENCHEN (gh) - Die Telekom steuert "in schwieriges Fahrwasser". Unter dieses Motto stellte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bundespost Telekom, Helmut Ricke, die Vorlage des Geschaeftsberichts 1992 seines Unternehmens. Grund zum Jubeln hat der Bonner Carrier in der Tat nicht. Zwar konnte wieder ein ausgeglichenes Ergebnis ausgewiesen werden; die erneut faelligen Sonderabgaben an den Bund und die beiden Schwesterunternehmen sowie immens hohe Investitionen haben das Postunternehmen mittlerweile jedoch in eine bedrohliche finanzielle Schieflage gebracht.

Trotz aller Schwierigkeiten befindet sich Europas groesstes TK- Unternehmen auf Wachstumskurs - so jedenfalls lassen sich auf den ersten Blick die in der Bilanz 1992 ausgewiesenen Umsatzzahlen deuten. Danach konnte die Telekom einen im Vergleich zum Vorjahr um 14,4 Prozent auf rund 54 Milliarden Mark gestiegenen Umsatz verzeichnen, wovon rund 3,5 Milliarden Mark auf die neuen Bundeslaender entfallen. Mit knapp sieben Milliarden Mark hielt sich der Gewinn vor Steuern nahezu konstant, allerdings entstanden durch den "Aufbau Ost" Verluste in Hoehe von 1,2 Milliarden Mark, die nur durch die Aufloesung einer Sonderruecklage aufgefangen werden konnten. Nach Abzug der Telekom-spezifischen Sonderlasten - dazu zaehlen die Ablieferung an den Bund in Hoehe von fuenf Milliarden Mark sowie der Finanzausgleich an die defizitaeren Schwestergesellschaften Postbank und Postdienst in Hoehe von 1,5 Milliarden Mark - blieb nach Angaben der Telekom unter dem Strich ein Bilanzgewinn von 0,00 Mark. Damit konnte das Postunternehmen fuer das Geschaeftsjahr 1992 zum zweiten Mal hintereinander ein ausgeglichenes Ergebnis ausweisen, musste aber, so Telekom-Chef Helmut Ricke, ein "weiteres dramatisches Absinken der Eigenkapitalquote" hinnehmen.

Diese liegt, bedingt durch fehlende Gewinnzufuehrung, die hohen Investitionen in den neuen Bundeslaendern sowie die Aufwendungen fuer Netzmodernisierungen im Westen (Gesamtinvestitionen 1992: Rund 31 Milliarden Mark) bei nur noch 24 Prozent und bewegt sich damit weit unterhalb der Mindestgroesse von 33 Prozent, die das Postverfassungsgesetz vorschreibt. Konsequenz dieser anhaltenden Finanzierungsschwaeche war ein weiterer Anstieg der Nettokreditaufnahme auf 17 Milliarden Mark. Die zu verzinsende Kreditsumme der Telekom hat dadurch erstmals die magische Schwelle von 100 Milliarden Mark ueberschritten.

Oder, wie Ricke es formulierte: "Nahezu jede achte Umsatzmark muss mittlerweile fuer Zinsaufwendungen erwirtschaftet werden."

Was sich hier im Buchhalterdeutsch so salopp liest, heisst jedoch nichts anderes, als dass die Telekom - im vierten Jahr ihres Bestehens als eigenstaendiges Unternehmen - Gefahr laeuft, endgueltig den Anschluss an die finanziell deutlich besser dastehende internationale Konkurrenz zu verlieren. Deshalb warnte Ricke in der Bilanzpressekonferenz zum wiederholten Male davor, dem Unternehmen die von der Politik in Aussicht gestellte Postreform II zu verweigern. Nur in der Rechtsform einer AG, die in der Lage ist, ungehindert am Markt zu agieren, koenne die Telekom chancengleich den Herausforderungen des Wettbewerbs begegnen. Dies gelte insbesondere fuer die Zeit nach 1998, wenn die bis dato sicheren Einnahmen aus dem Telefondienstmonopol wegfallen und man auch in Deutschland "mit ein oder zwei Wettbewerbern" rechnen muesse.

Hierzu sei jedoch notwendig, dass "die Detailverhandlungen ueber eine Aenderung des Grundgesetzartikels 87 zuegig vorankommen". Gelinge dies, koenne voraussichtlich 1996 eine erste Tranche von Telekom-Aktien im Wert von rund 15 Milliarden Mark an den internationalen Wertpapiermaerkten plaziert und so die dringend notwendige Eigenkapitalzufuhr realisiert werden. Schon jetzt stehe, wie Ricke betonte, die Telekom neben dem Satelliten- auch im Mobilfunk in einem harten Konkurrenzkampf und habe zudem durch die Zulassung von Sprachuebertragungen in privaten Firmennetzen "mit Kunden- und Umsatzverlusten zu kaempfen".

Fit fuer den Wettbewerb will sich der Bonner TK-Riese neben einer Reorganisation seiner Vertriebsstruktur und diversen eingeleiteten Kostensenkungsprogrammen vor allem durch eine selbst verordnete Schlankheitskur machen. Um in puncto Personalproduktivitaet spaetestens zum Ende des Jahrzehnts mit der internationalen Konkurrenz gleichziehen zu koennen, soll daher der Personalbestand um 30 000 auf 200 000 Mitarbeiter gesenkt werden. "Zielsetzung ist eine Verdoppelung der Personalproduktivitaet bei einer gleichzeitigen Umsatzsteigerung auf rund 80 Milliarden Mark", unterstrich Ricke.

Als besonders dringlich mahnten Ricke sowie dessen Vorstandskollegen fuer Marketing und Finanzen, Dieter Gallist und Joachim Kroeske, eine Reform der Telefontarife an. Das Tariftableau der Telekom in diesem Bereich sei, wie Gallist betonte, weder kosten- noch marktgerecht und allenfalls "attraktiv fuer unsere Wettbewerber". Es bestehe vor allem ein grosser Handlungsbedarf, die nicht kostendeckenden Tarife im Ortsbereich zu erhoehen und im Gegenzug die ueberhoehten Gebuehren bei Ferngespraechen zu senken. Insgesamt muesse eine Tarifreform jedoch fuer die Kunden "kostenneutral" erfolgen. Spekulationen ueber eine Vervierfachung der Margen im Ortsbereich bezeichnete Gallist als "abwegig"; ein seitens des Postministeriums demnaechst vorliegendes Rahmenkonzept werde aller Voraussicht nach von hoechstens zehn Prozent ausgehen.

Eunetcom soll im

Herbst den Betrieb aufnehmen

Ein Mehr an Kundenorientierung versprechen sich die Telekom- Verantwortlichen aber auch nicht zuletzt von der Ausgliederung grosser Unternehmensbereiche wie der Mobilfunk-Tochter Detemobil GmbH sowie der fuer naechstes Jahr geplanten Systemkunden-Division Detesystem GmbH. Darueber hinaus wollen die Bonner ihr Auslandsengagement verstaerkt fortsetzen und bauen dabei insbesondere auf die "strategische Allianz" mit France Telecom. Neben der gemeinsamen Tochter Eucom GmbH (Mehrwertdienste vorwiegend im Bereich Transport und Logistik) soll noch in diesem Herbst die vor einem Jahr gegruendete Eunetcom GmbH ihren Betrieb aufnehmen und internationalen Grosskunden globale Netzdienste anbieten.

Gemessen an den Umsatzzuwaechsen im Geschaeftsjahr 1991/92 war der Mobilfunk - insbesondere das digitale D1-Netz - der Shooting-Star unter den diversen Telekom-Diensten.