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26.06.2006

Finanzielles Desaster droht

Das hochgehandelte "Triple Play" (Telefon-, Internet- und TV-Anschluss über eine Leitung) könnte in Europa zum finanziellen Desaster für Anbieter werden.

Von Wolfgang Leierseder

Laut einer Studie des amerikanischen Marktforschers Forrester Research zeigen Kunden in Europa zwar Gefallen an Triple-Play-Paketen - weil sie in der Regel billiger als einzeln gemietete Anschlüsse sind - , doch seien sie nicht bereit, für Zusatzdienste wie zum Beispiel weitere TV-Programme zu zahlen. Infolgedessen rechneten sich die hohen Anfangsinvestitionen in die Technik für die Anbieter oft nicht. Laut Forrester nutzen derzeit in Westeuropa rund fünf Prozent aller Bewohner Triple-Play-Angebote.

Wie Analyst Lars Godell in der Studie "Incumbents’ Triple Play Profitability Crunch" schreibt, müssen Anbieter bei jedem neu gewonnenen Kunden mit Investitionen in Höhe von mehreren Hundert Euro pro Monat rechnen. Jedoch lägen die Verkaufspreise selten über 50 Euro pro Monat. Der Studie liegen 70 Gespräche mit Branchenunternehmen wie Siemens, Cisco, France Télécom und Telefónica zugrunde sowie Marktanalysen von 15 Ländern.

Godell schätzt, dass damit bei den Anbietern in Westeuropa auf zehn Jahre gerechnet im Schnitt Verluste von 3.740 Euro pro Neukunde entstehen. Der Vorschlag des Analysten lautet deshalb, Anbieter, gleich ob etablierte Provider oder Neuanbieter, sollten eine gemischte Strategie in Sachen Triple Play fahren und bestehende Kabelinfrastruktur mit zentralisierten DSLAMs (Digital Subscriber Line Access Multiplexer) nutzen.

Zu den Triple-Play-Aussichten in Deutschland erklärte Godell, auch hier zu Lande könnte der Einsatz der von den Herstellern angebotenen Triple-Play-Lösungen den "finanziellen Selbstmord" für die Deutsche Telekom bedeuten. Nachdem auch deutsche Kunden nicht bereit sind, viel Geld für TV-Services zu bezahlen, stelle sich für den Analysten die Frage, was sich die Telekom erwartet, wenn sie auf dem eingeschlagenen Weg, teure Fiber-backed-Lösungen zur Bereitstellung von IPTV einzusetzen, fortschreitet. "Es ist schwer zu sagen, wie die Deutsche Telekom eine Investition in Höhe von drei Milliarden Euro für Fiber- und VDSL-Netzwerke in einem Land ausgleichen möchte, dessen Einwohner bis zu 48 freie TV-Kanäle nutzen und es gewohnt sind, wenig für TV-Dienste zu zahlen", erklärt der Analyst. "Dies ist genau der Grund, warum unser Gewinn- und Verlustmodell hohe Defizite aufzeigt", so der Analyst. Er rechnet vor, dass der Telekom pro Nutzer in den kommenden zehn Jahren bis zu 1.330 Euro Verlust entstehen könnte.

Seiner Ansicht nach nutzen die Hersteller von Triple-Play-Lösungen die Angst von TK-Unternehmen, profitable Festnetzkunden zu verlieren und bei einer "großen Sache" nicht dabei zu sein. Von den Versprechungen so mancher Triple-Play-Anbieter, mit dem Dienst Wechselraten reduzieren zu können, ferner den durchschnittlichen Umsatz pro Kunde zu verdoppeln und 30 Prozent der Breitbandnutzer adressieren zu können, hält er wenig. Diesen Versprechungen stünden auch die TK-Firmen kritisch gegenüber, doch sie fühlten sich verpflichtet, Triple Play zu forcieren.