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29.10.1999 - 

Rechnungswesen wird komplexer

Finanzkonsolidierung hält die Bilanzen zusammen

MÜNCHEN (CW) - Das externe Rechnungswesen wird immer wichtiger, um Unternehmen sinnvoll zu steuern. Gründe sind die Umwandlung von Unternehmen in Konzerne mit einer wachsenden Zahl selbständig bilanzierender Geschäftseinheiten ("Legal Entities"), der Trend zur Dezentralisierung in Holdings sowie Ausgliederungen von Teilbereichen. Stefan Borchers und Andreas Totok* berichten, wie Konsolidierungssoftware Controllern helfen kann.

Anwendungen für das externe Rechnungswesen fällt die wichtige Aufgabe zu, im Rahmen eines Konzernabschlusses eine Konsolidierung aller Einzelabschlüsse zu ermöglichen. Dabei sind im einzelnen die Kapital-, Forderungs- und Schuldenkonsolidierung, Zwischenergebnis-Eliminierung sowie Aufwands- und Ertragskonsolidierung zu bearbeiten. Viele Abschlüsse müssen in kurzen Zeiträumen (Monats- und Quartalsabschlüsse) gemacht werden. Ferner sind handelsrechtlich reglementierte Vorgaben genauso zu beachten wie internationale Rechnungslegungstandards wie IAS (International Accounting Standards) und US-GAAP (United States Generally Accepted Accounting Principles).

Eine Studie der Technischen Universität Braunschweig hat nun erstmals die derzeit auf dem Markt verfügbaren Produkte näher untersucht. Dabei kristallisierten sich zwei Kategorien heraus: originäre Lösungen, die speziell für die Konsolidierungsproblematik entwickelt wurden, und Rechnungswesenmodule mit Konsolidierungskomponenten, die Teil eines Enterprise-Ressource-Planning-(ERP-) Systems darstellen (siehe Übersichten). Dabei konkurrieren eine Vielzahl von Herstellern miteinander, deren Lösungen zunächst ähnliche Funktionen bieten, bei der Implementierung und der laufenden Anpassung allerdings erhebliche Unterschiede offenbaren.

Vor der Auswahl eines Produkts für die Finanzkonsolidierung sollte daher ein Kriterienkatalog erstellt werden, der die eigenen Bedürfnisse definiert (siehe Kasten "Auswahlkriterien"). Ein Konzern, der die Integration seiner Systemlandschaft durch die Einführung von einheitlicher ERP-Software anstrebt, wird dabei vorzugsweise deren Konsolidierungskomponente einsetzen, sofern diese die Anforderungen erfüllt. Nicht alle ERP-Anbieter besitzen allerdings eigene Lösungen, sondern sie kooperieren mit den Anbietern originärer Lösungen wie beispielsweise Baan mit Hyperion Solutions.

Diese Programme verfügen über vordefinierte Schnittstellen zu den entsprechenden ERP-Modulen. Gemein ist der heute verfügbaren Konsolidierungssoftware, daß sie die Rechenvorgänge zur Erstellung des Konzernabschlusses weitgehend automatisieren hilft.

So werden beispielsweise Vorjahresbuchungen ohne Zutun des Controllers bereitgestellt. Ein anderes interessantes Einsatzgebiet ist die Simulation von Konsolidierungen beziehungsweise Abschlüssen. Die Software erleichtert es damit dem Konzernrechnungswesen, Ansatz- und Bewertungswahlrechte durchzuspielen und die Auswirkungen bilanzpolitischer Entscheidungen sofort sichtbar zu machen. Folglich verfügen fast alle untersuchten Programme mittlerweile über eine entsprechende Funktionalität oder werden diese in Kürze anbieten. So wird beispielsweise das Programm "PC-Konsol" der Unternehmensberatung Ernst & Young in seiner erweiterten Version als "PC-Konsol-MIS" über ein Analyse-Tool verfügen, das auch What-if-Simulationen ermöglicht.

Weitere nützliche Funktionen sind vordefinierte oder selbst erstellte Plausibilitätsprüfungen, mit denen sich zahlreiche Fehlerquellen ausschließen lassen, sowie die Unterstützung von Konsolidierungen, die im Lauf des Geschäftsjahres stattfinden. Gerade bei Monats- und Quartalsabschlüssen sind frei definierbare Auswertungen der Konsolidierungsdaten denkbar, die sich dadurch für die interne Management-Konsolidierung und somit für ein schlankes Berichtswesen verwenden lassen. Eine Herausforderung an die Software stellen allerdings Parallelabschlüsse dar, bei denen nationale und internationale Bilanzen häufig zeitgleich aufgestellt beziehungsweise übergeleitet werden sollen. Hier unterscheiden sich die getesteten Produkte zum Teil erheblich. So bieten beispielsweise bisher nur wenige Anbieter vordefinierte Strukturen für IAS und US-GAAP an.

Durch Akquisitionen und Fusionen entstandene Konzerne weisen in der Regel eine von Insellösungen geprägte heterogene IT-Landschaft auf. Damit kommt es zu einem Integrationsbruch zwischen den Informationssystemen und diverser Finanzsoftware. Konsolidierungssoftware kann hier nun eine Brückenfunktion zwischen den meist heterogenen Rechnungswesensystemen der Tochterunternehmen und der Rechnungslegung der Konzernmutter (siehe Grafik auf Seite 17) übernehmen. Sie sollte daher über flexible Schnittstellen zu den vorgelagerten Systemen verfügen, um sich leicht integrieren zu lassen.

Insgesamt offenbarte die Studie drei Trends bei der derzeitigen Produktentwicklung. Dies ist zum ersten die im Zuge der Harmonisierung des Rechnungswesens zunehmende Integration von Softwarelösungen für die interne und externe Konsolidierung. Ein Beispiel ist das Produkt "Zeus" des Darmstädter Anbieters MIS. Grundlage des Systems ist die multidimensionale Olap-Datenbank "Alea", die schon seit einiger Zeit für das interne Berichtswesen, Ad-hoc-Analysen und Data-Mining-Anwendungen angeboten wird. Noch konsequenter verfolgt SAP diese Entwicklung. Das Konsolidierungsmodul "FI-LC" nimmt externe und interne Konsolidierung gleichzeitig vor und ermöglicht verschiedene Sichten wie HGB, US-GAAP oder IAS parallel im System.

Zweitens wachsen mit der Aufnahme von internen Berichtsfunktionen in die ursprünglich allein auf die externe Konsolidierung ausgerichteten Softwarepakete die Anforderungen an die Datenauswertung. Die dazu notwendige Einbeziehung von verschiedenen Rechnungslegungszwecken erfordert, die Datenbasis im Sinne einer Grundrechnung multidimensional zu strukturieren. Das können konventionelle Datenbankprodukte nicht. Daher greifen immer mehr Anbieter auf Produkte mit integrierter Olap-Funktionalität und vordefinierten Auswertungsmöglichkeiten zurück.

Berichtsfunktionen werden durch Olap erweitert

Solche Produkte erleichtern ein entscheidungsorientiertes Reporting im Unternehmen. Daher entwickeln Anbieter wie beispielsweise EFS aus Wien mit "Olap-Konsol" (jetzt MIS Zeus) Konsolidierungslösungen auf Basis von MIS Alea. SAP bietet mit "EC-EIS" bereits ein Führungsinformationssystem und erweitert die Auswertungsfunktionalität ihrer ERP-Lösung zusätzlich durch das "Business Warehouse". Auch das Produkt "Memcontrol" von Memconsult, Kutzenhausen, ist auf Olap und Data-Warehousing ausgerichtet und verfügt über Schnittstellen zu diversen Vorsystemen.

Schließlich ist als dritter Trend ein Konzentrationsprozeß auf Anwenderseite zu beobachten. Einige Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Unternehmensberatungen etwa entwickeln ihre Software nicht mehr weiter. Ursache hierfür ist in erster Linie, daß die meist DOS-basierten Anwendungen bei den Kunden als veraltet gelten und die Umstellung der Software sehr aufwendig und nicht in jedem Fall ökonomisch sinnvoll ist. Durch die Zusammenarbeit mit spezialisierten Software-Anbietern kann hingegen in dem immer anspruchsvolleren Konsolidierungssegment Know-how in beiden Richtungen transferiert werden. So löst beispielsweise Arthur Andersen das Produkt "AA-Welt" durch "CS-AA-Welt" ab, das im wesentlichen dem Konsolidierungsmodul EC-CS von SAP R/3 entspricht. KPMG vertreibt und implementiert "Corporate Manager/Consowin" des französischen Softwareherstellers Concept S.A.

Auswahlkriterien

Über folgende Eigenschaften und Features sollte Konsolidierungssoftware verfügen:- Flexibilität der Software, zum Beispiel durch die leichte Anpassung des Konsolidierungskreises;

- unternehmensspezifische Anforderungen wie US-GAAP, IAS, Planabschlüsse, Bereitstellung HB (Handelsbilanz) I und HB II werden erfüllt;

- intuitive Bedienung über eine grafische Benutzeroberfläche;

- Analysemöglichkeiten wie "Drill-down", "Roll-up" und Olap;

- systemtechnische Anbindung über Standard-Schnittstellen wie ODBC (Open Database Connectivity);

- Service wie Handbücher, Online-Hilfe, Wartungsverträge, Hotline;

- Sicherstellung langfristiger Produktweiterentwicklung und -unterstützung;

der Produktpreis sollte Schulungs-, Wartungs- und Installationskosten einbeziehen.

*Stefan Borchers ist Mitarbeiter der Abteilung Controlling und Unternehmensrechnung der TU Braunschweig. Andreas Totok war Mitarbeiter am gleichen Lehrstuhl und ist jetzt mit dem Aufbau eines Data-Warehouse für das Konzern-Controlling bei der C&N Touristik AG beschäftigt.