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15.06.2001 - 

Deutsche Anbieter leugnen den "Yahoo-Effekt"

Finanzportale auf der Suche nach dem Goldesel

Geld und Internet verträgt sich nicht - dieser Schluss drängt sich angesichts fortlaufender Hiobsbotschaften aus dem Reich der New Economy geradezu auf. Trotzdem bedienen Finanzportale einen nicht zu vernachlässigenden Bedarf: Sie bieten einen umfassenden Zugang zu Börseninformationen - und arbeiten am Ausbau ihrer zum Großteil Erfolg versprechenden Geschäftsmodelle. Von CW-Mitarbeiterin Susanne Bader

So schicksalsschwer, wie die Vorhersage drohender Einbußen durch Werbeverluste derzeit alle Portale verfolgt, so wenig Angst vor einer solchen Entwicklung zeigt Fritz Oidtmann, Vorstandsmitglied und Mitbegründer der Onvista AG: "Wir sehen keinen Einbruch in den Werbeeinnahmen." Deren Anteil am Gesamtumsatz stieg 2000 auf 41 Prozent, die Einnahmen aus dem Lizenzverkauf lagen bei 53 Prozent. Beides sei steigerungsfähig, betonte die Führungsriege des Unternehmens vor kurzem auf ihrer Bilanzpressekonferenz. Die Kölner übertrafen mit einem Ergebnis von 8,24 Millionen Euro (Vorjahr 1,19 Millionen Euro) die ursprüngliche Planung um 25 Prozent. Das Ebitda (Ergebnis vor Abschreibungen, Finanzergebnis und Ertragssteuern) lag bei 1,22 Millionen Euro, 1999 hatte es sich noch bei minus 110000 Mark bewegt.

Erfolg durch Masse

Auch in der Reichweite führt Onvista nach IVW-Zählung die Reihe der unabhängigen Anbieter von Finanzinformationen und Analyse-Tools mit 60,7 Millionen Page-Impressions an (Stand März 2001). Das Erfolgskonzept basiert auf einem überaus breiten Angebot: 300000 Kursdaten von 100 Weltbörsen sind abrufbar, ebenso wie Realtime- und Neartime-Kurse zu 20000 Aktien, mit bis zu 400 Kennzahlen pro Unternehmen. Herzstück des Auftritts ist eine Datenbank auf XML-Basis, die durch relationale Abfragen umfangreiche Vergleiche nach Ländern oder Branchen ermöglicht. Der E-Mail-Service verzeichnet derzeit 250000 Abonnenten. Wachstumschancen sieht das Unternehmen in der Bereitstellung von Inhalten über UMTS. Zudem will es seine Anwendungen und Informationen in Form maßgeschneiderter Pakete an Lizenznehmer verkaufen. Bisher umfasst die einschlägige Kundenliste 40 Namen, darunter Advance Bank, Consors, Deutsche Bank 24 und Pro Sieben Digital Media. Konkurrenz droht nach Angaben von Onvista nur durch die nicht börsennotierte Innovative Software AG.

Mit der Eröffnung einer Dependance in London haben die Kölner im April den ersten Schritt ins Ausland getan, weitere Länder sollen folgen. Dabei kommt dem Unternehmen zugute, dass die Inhalte zentral in einem eigenen Rechenzentrum vorliegen und nur geringfügig den Bedingungen vor Ort angepasst werden müssen. Eine lokale Vertriebsgesellschaft genügt, Finanzen, Foschung und Entwicklung sowie Hosting obliegen der Muttergesellschaft. Trotz der Expansion und hoher Investitionen will das seit rund einem Jahr am Neuen Markt notierte Unternehmen seinen Umsatz im laufenden Geschäftsjahr auf rund 20 Millionen Euro mehr als verdoppeln.

Im Wettlauf um den ersten Platz liegt die Berliner Gatrixx AG, an der die Internet-Holding United Internet mit rund 26 Prozent beteiligt ist, mit 53,1 Millionen Page-Impressions (Stand März 2001) dicht auf. Auch strategisch will sie sich dem Konkurrenten Onvista annähern und damit vermeiden, dass der "Yahoo-Effekt" - ein Straucheln des Unternehmens aufgrund drastisch einbrechender Werbeeinnahmen - greift. So sollen die Erlöse aus Lizenzgeschäft auf 40, aus E-Commerce auf 20 Prozent steigen, der Anteil der Werbung unter 50 Prozent sinken. Unlängst fasste das Unternehmen seine fünf Web-Angebote unter der Dachmarke Gatrixx zusammen. Neu im Angebot sind die Rubrik Fonds, Realtime-Kurse der Euwax, eine Termindatenbank und eine verbesserte Suchfunktion für die Neuemissions-Datenbank. Neben Werbung und Content kommen die Erlöse aus dem Verkauf von Inhalten und B-to-C-Produkten wie dem Börsenbrief Mainvestor sowie dem kostenpflichtigen Telefon- und Faxabruf von Börsennachrichten, Kursdaten und Research-Berichten. Das Unternehmen ist nach Worten seines Vorstandes Uwe Frers nicht auf den IPO angewiesen: "Wir streben den Breakeven im ersten Halbjahr 2002 an, bis dahin sind wir durchfinanziert."

Während die Finanzportale nach neuen Geldquellen streben, bleibt ihnen die Leserschaft sicher: Laut einer Studie der Marktforschungsgesellschaft Jupiter MMXI Europe, einer Tochter der Nürnberger GfK-Gruppe, stehen Wirtschafts- und Finanzangebote in der Gunst der europäischen Surfer ganz oben. Im November 2000 nutzte mehr als ein Drittel von ihnen entsprechende Seiten. Mit einer Verweildauer von 54,2 Minuten pro Monat lag der Bereich Finanzen vor Entertainment, Retail und News auf dem sechsten Platz, dabei zeigten sich die deutschen User mit einer Verweildauer von 83,3 Minuten am interessiertesten.

Diese stellt neben den Abrufen das wichtigste Kriterium für die Werbekunden dar. "Bei uns lesen die User die Inhalte, statt in Datenbanken Informationen abzurufen", erklärt Jörg Kiveris, Pressesprecher der Düsseldorfer Wallstreet Online AG. Laut dem Internet-Marktforschungsinstitut Netvalue und MMXI weist das 1998 gestartete Portal die höchste Verweildauer auf. Die Schwankungen in den Zugriffszahlen setzt Kiveris in Relation zu den schwankenden Börsenkursen. Außerdem mache die Community die Hälfte der Page-Impressions aus "und wenn es schlecht läuft, spricht eben niemand gerne über Aktien". Ein Rückgang der Werbeeinnahmen ist laut Kiveris nicht zu verzeichnen.

Ende Mai kam es allerdings zu für die Company unangenehmen Gerüchten: Die Nachrichtenagentur dpa griff Branchengeflüster auf, das von einer Entlassungswelle bei Wallstreet Online wissen wollte. Dies wurde jedoch umgehend dementiert, von 15 festen und elf freien Mitarbeitern habe man sich getrennt, hieß es, und damit auf die "veränderte Marktsituation"reagiert. Bröckelt das Geschäft mit Werbung also doch?

Zweites Standbein Content

Das Unternehmen hat jedenfalls inzwischen Abstand von seinen Börsenplänen genommen. Das in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Online-Broker SEB direct über die Tochterfirma Wallstreet Online Trading GmbH angebotene Online-Banking entwickelt sich enttäuschend. Nun setzt die Gesellschaft, an der Netipo, die 3i Group und T-Venture, eine Tochter der Deutschen Telekom, beteiligt sind, auf den Verkauf von Produkten für Geschäftskunden. Neben redaktionellen Inhalten (bisher unter den Kunden sind Consors, Direkt Anlage Bank, Deutsche Bank und Citibank) sollen Analyse- und Community-Tools, Newsletter und Börsenspiele für Intranet oder mobile Portale entwickelt werden. Laut eigenen Angaben ist Wallstreet Online der bisher einzige Spezialist, der die Umsetzung kompletter Finanz-Sites anbietet.

Bietet Onvista ein möglichst breites Angebot an Informationen, aus denen der User selber auswählt, so beruft sich Börse Online auf redaktionelle Kompetenz. Die Nutzerzahlen bleiben nach Auskunft von Vertriebsleiter Andreas Fischer bisher zwar "auf niedrigem Level stabil" - im März 2001 lagen sie laut IVW bei rund 7,8 Millionen - , aber damit liegt der Börsendienst an vierter Stelle der IVW-geprüften Finanzportale. 1994 als Europas erster Wirtschaftsdienst im Internet gegründet, ist er inzwischen das einzige Finanzportal ohne Gesellschafter in Deutschland. Das Unternehmen nennt keine Umsatzzahlen. Jedoch wirtschafte es dank geringer Marketing-Ausgaben profitabel, so Fischer. Bannerplatzierungen, Content-Lizenzierung und E-Commerce in Zusammenarbeit mit Geld-Buch.de sichern die Einnahmen. Ein Börsengang sei derzeit nicht im Gespräch.

Mangelnde Werbeeinnahmen scheinen also das geringste Problem der Finanzportale, während neue Einnahmequellen durchaus gesucht sind. Bei Börse Online denkt man beispielsweise über kostenpflichtigen "Premium-Content" nach, der über die bisher frei zugänglichen Inhalte hinausgeht. Möglicherweise kommt es zu einer Konsolidierung unter den 40 bis 50 Anbietern von Finanzinformationen, wie sie das Marktforschungsinstitut Jupiter MMXI prognostiziert. Dann würden Banken Kooperationen mit den nach einer weiteren Studie von Forrester Research durch ihre Vielseitigkeit überlegenen Finanzportalen eingehen. Letztere könnten so die Bereitstellung kostenintensiver Angebote wie Realtime-Kurse finanzieren. Die Kombination der Vorteile des Internet als zeitgenaue Abfragemöglichkeit mit der Neugier des Anlegers auf seinen Gewinn und Finanzen im Allgemeinen bietet sich auch in Zukunft als viel versprechendes Geschäftsmodell an.

Online-Brokerage wird zum Muss

Auf Erfolg durch eine kombinierte Strategie setzt die Deutsche Bank mit Maxblue, das seit April online ist. Der aus Brokerage 24 hervorgegangene Online-Broker ist nach Angaben von Hermann Lamberti, Vorstand der Deutschen Bank, Teil der Multichannel-Strategie "global-e". Der neue, europaweit agierende Geschäftsbereich soll bis zum Jahr 2004 insgesamt 1,5 Millionen Kunden gewinnen und Einnahmen von rund 400 Millionen Euro sichern. Die Deutsche Bank steigt damit, geht es nach Prognosen des Marktforschungsinstituts J.P. Morgan, in einen äußerst aussichtsreichen Markt ein. Einer aktuellen Studie zufolge werden bis zum Jahr 2004 europaweit zehn Millionen Privatanleger ihre Wertpapiergeschäfte über das Internet abwickeln. Egal, ob Online-Broker mit Zusatzangebot oder Finanzportal mit Vertragsabschluss - beide machen in Zukunft wohl um so sicherer Gewinn, je geschickter sie durch Zusatzfunktionen ihren Mehrwert steigern und damit ihre Wertschöpfungskette verbreitern.