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07.03.1997 - 

System-Management: Netze

Finger weg von heterogenen Welten

Am Markt gibt es vor allem eine Vielzahl sogenannter Element-Management-Systeme zur Überwachung, Steuerung und Verwaltung von Netzkomponenten wie Hubs, Routern und Switches. Dabei sparen die Hersteller nicht an Funktionen, um den Anwender von der Leistungsfähigkeit der Management-Lösung zu überzeugen, wie Rüdiger Both, Geschäftsbereichsleiter bei der Diebold Deutschland GmbH, bestätigt: "Das Management aktiver Netzkomponenten ist heute kein Problem mehr - zumindest solange diese Komponenten von einem Hersteller bezogen wurden."

Doch damit beginnt denn auch das Dilemma. Denn welches Unternehmen kann schon auf ein homogenes Netzwerk verweisen. In der Regel bleibt Administratoren nichts anderes übrig, als sich mit einer Vielzahl von Element-Manager-Systemen mit ihren Private Management Information Bases (MIBs) auseinanderzusetzen und sie in eine oder mehrere Management-Plattformen zu integrieren. Eine derart zeitaufwendige Arbeit ist außerdem sehr kostspielig. Sie kommt, wie Experten schätzen, bis zu dreimal so teuer wie Management-Komponenten für Hard- und Software. "Doch selbst wenn der Anwender den Integrationsaufwand eingeht", so Egon Bohländer, verantwortlich für den Geschäftsbereich Telekommunikation/Netze bei der Unternehmensberatung Gora, Hecken & Partner GmbH in Sulzbach, "ist immer noch nicht gewährleistet, daß alle Element-Manager effektiv und reibungslos zusammenspielen."

Eine Erhebung, durchgeführt von der Ready Group AG in Ettlingen, gibt Aufschluß über das tatsächliche Leistungsniveau allein beim Infrastruktur-Management. Von 400 befragten DV-Verantwortlichen erwarten 55 Prozent durch die wachsende Komplexität im Netz erhebliche Netz-Management-Probleme, 23 Prozent sehen sich mit leichteren Schwierigkeiten konfrontiert. Lediglich 22 Prozent sind der Meinung, mit ihren Netzwerk-Management-Systemen die richtigen Werkzeuge für eine wirkungsvolle Überwachung und Verwaltung der Netzinfrastruktur zu besitzen.

Um Integrationsprobleme und Kosten wird der Anwender auch künftig nicht herumkommen, prophezeit Bohländer. Die Element-Manager-Systeme werden trotz des gemeinsamen Grundkonsenses Simple Network Management Protocol (SNMP) auch weiterhin ihren proprietären Stempel tragen, um den Anwender über vermeintliche Alleinstellungsmerkmale zum Kauf der eigenen Netzkomponenten zu animieren.

Geprägt durch die Marktgesetze bei Netz-Management-Lösungen, droht auch das System-Management auf lange Sicht auf proprietäre Bahnen zu geraten. Die Anbieter von Plattformsystemen neigen ebenfalls nicht dazu, ihre Systeme für eine herstellerübergreifende Steuerung und Verwaltung von Hard- und Software zu öffnen. Zumal hier, wie Bohländer weiß, das große Geschäft nicht nur mit den zu überwachenden und zu verwaltenden Objekten (PCs, Server, Host-Rechner, Anwendungen, Datenbanksysteme, Dienstprogramme und Betriebssysteme) lockt, sondern auch durch den Verkauf von System-Management-Werkzeugen.

Jahr für Jahr zweistellige Wachstumsraten

Heinz Unland, Program Manager PC-Markt Deutschland bei der IDC Deutschland GmbH in Kronberg, veranschlagt, daß der Umsatz mit System-Management-Software, der 1995 weltweit ein Volumen von 6,7 Milliarden Dollar ausmachte, bis zum Jahr 2000 um jährlich 13,7 Prozent auf dann 12,7 Milliarden Dollar anwachsen wird.

Diesen lukrativen Markt vor Augen, preschen Hersteller und Anbieter mit ihren System-Management-Offerten vor, ohne überhaupt handfeste, das heißt praxisnahe Lösungsansätze für eine umfassende Steuerung und Verwaltung der Hard- und Software-Komponenten im Netz bieten zu können. Spätestens im heterogenen Systemumfeld - die Regel in den Unternehmensnetzen - geht dann gar nichts mehr.

Unbefriedigend ist bis heute auch das Sicherheits-Management innerhalb von Client-Server-Umgebungen, insbesondere im heterogenen Umfeld, wie Jürgen Fiedler, Unternehmensberater bei der Diebold Deutschland GmbH in Eschborn, aus der Praxis weiß: "Hier greift das Sicherheits-Management nicht einmal in Ansätzen." Anders sehe es da im reinen IBM-Umfeld aus. Doch selbst hier in einer homogenen Welt könne der Anwender nicht zwingend auf ein zuverlässiges Sicherheits-Management zählen. Fiedler empfiehlt Unternehmen, die Client-Server-Architekturen einsetzen und deshalb auf Sicherheits-Management-Werkzeuge zurückgreifen müssen, die proprietären Lösungsansätze mit einem eigenen Anforderungskatalog genauestens auf ihre tatsächliche Leistungsstärke hin zu prüfen, um sich teure Enttäuschungen zu ersparen.

Die Mängelliste ist lang

Erhebliche Defizite offenbaren sich dem Anwender darüber hinaus, was das Performance-Management von Client-Server-Installationen angeht, das die Verfolgung der gesamten Verarbeitungskette erfordert - von der Auslösung am Bildschirm bis zu ihrem Abschluß. Weil aber die Softwarehersteller bisher in ihren Anwendungen kaum Management-Funktionalität vorsehen, bleibt über die fehlende Applikationsverwaltung auch das Performance-Management weitgehend auf der Strecke.

Als weiteres Problem innerhalb einer umfassenden Systemadministration macht Michael Rudolphi, Associate Partner bei der Andersen Consulting GmbH in Sulzbach/Hessen, das Konfigurations-Management aus, weil auch hier proprietäre Ansätze eine herstellerübergreifende Verwaltung von Hard- und Softwarekonfigurationen erheblich erschweren. Eine bittere Pille für die Unternehmen, wie Rudolphi meint, denn das Konfigurations-Management sei die Grundlage für alle anderen Administrationsaufgaben innerhalb einer Client-Server-Installation. Die Folgen dieser proprietären Entwicklung sind noch nicht abzusehen. "Hier wird der Anwender wohl so lange warten müssen, bis der Markt letztlich entscheidet, welche herstellerspezifische Herangehensweise an das Client-Management sich durchsetzt."

Die größten Lücken innerhalb der Systemverwaltung sind jedoch beim Applikations-Management zu verzeichnen. Hier muß laut Rüdiger Both sogar bezweifelt werden, ob es jemals zu herstellerübergreifenden Ansätzen kommen wird. Hier lasse sich, so der Berater, nur eine Architektur definieren, die dem klassischen Modell entspricht: Agenten sammeln relevante Informationen und stellen sie einem Management-System zur Verfügung. Die Definition der relevanten Parameter wie Antwortzeiten für SQL-Abfragen, Laufzeiten für bestimmte Applikationen und Schreibzugriffe sowie Zeitrahmen für das Abspeichern festgelegter Datenmengen obliegt dabei dem Anwender. Metriken also, die er nur in Kenntnis der Anforderungen spezifischer Applikationen definieren und zur Auswertung durch konfigurierbare Agenten in Log-Dateien hinterlegen kann. Stand der Technik ist, daß es zwar entsprechende Agenten im Markt gibt, der Rest des Applikations-Managements wird aber - auch in Zukunft - individuell gestaltet werden müssen.

Positiver, weil herstellerunabhängiger, schätzt er die Entwicklung beim Operations-Management ein, das unter anderem verteiltes Druck-Management, Backup- und Restore-Funktionalitäten sowie eventuell ein Trouble-ticketing-System für Helpdesks umfaßt. Hier bietet der Markt bereits Produkte, die sich zudem in die wichtigsten Standardplattformen integrieren lassen.

Die Anwender werden wohl noch lange auf System-Management-Werkzeuge warten müssen, die es ihnen in der Summe erlauben, im heterogenen Client-Server-Umfeld Rechner, Betriebssysteme, Anwendungswerkzeuge, Dienstprogramme und Applikationen zu verwalten und zu steuern. Zumal sich auch hinsichtlich einzelner Standardisierungsbestrebungen bisher keine verläßlichen Normen abzeichnen. Eines ist sicher: SNMP (V.1 und V.2) kann für eine umfassende Netz- und Systemverwaltung nicht mehr als ein pragmatischer und funktionsarmer Ansatz sein.

Normierungsansätze sind vorhanden

Andererseits hat die Open Software Foundation (OSF) mit Distributed Management Environment (DME) eine Standardisierung des System-Managements für heterogene Systemplattformen mit allen Funktionen vom Anwendungs- bis zum Infrastruktur-Management versucht. Nach Ansicht von Michael Rudolphi ist sie aber an der gigantischen Größenordnung dieser Aufgabe gescheitert. Mit der Folge, daß sich die Anbieter von System-Management-Tools erst einmal um die eigenen Betriebssysteme und Rechner kümmern, bevor sie an die Verwaltung der Hard- und Software anderer Hersteller denken.

Both sieht immerhin einen Silberstreif am Horizont der Standardisierung, wenn auch nur auf einer Normierungsschiene: "Wirkliche Standardisierungsanstrengungen im Bereich System-Management sehe ich derzeit nur bei der Desktop Management Task Force (DMTF), die eine Architektur aus Desktop Management Interface (DMI), Management Information Base (MIB), Management Information File (MIF), SNMP-Proxy und SNMP-Agent definiert hat."

Diese Architektur ermöglicht es, Funktionen wie Software-Download, Inventarisierung sowie Umleitung von Tastatur- und Bildschirmeingaben an die Management-Konsole auszuführen. Auch die Überwachung der Nutzung von Systemressourcen wie CPU, Cache, Haupt- und Massenspeicher sowie der Anzahl aktiver Prozesse auf einem Server wurde mit der Architektur der DMTF bedacht, ebenso die Integration der Funktionalitäten unter eine Management-Plattform. Diese Features scheinen zumindest teilweise normierbar zu sein. Inwieweit sich diese Normierungsanstrengungen jedoch letztlich in den Produkten niederschlagen werden, bleibt abzuwarten.

Der System Management Server (SMS) ist eine weitere Initiative, in diesem Fall von Microsoft, um Licht ins Dunkel speziell des PC-Managements zu bringen. Bisher ist es jedoch weitgehend bei einem Alleingang von Microsoft geblieben - in dem Bemühen, dem Markt den eigenen Lösungsansatz aufzudrängen.

Ob statt dessen die Definitionen der Common Object Broker Architecture (Corba) der Object Management Group in die Rolle eines Standards schlüpfen können, muß sich ebenfalls erst noch erweisen. Auch wenn sich bereits mehr als 500 Anbieter und Anwender dieser Initiative angeschlossen haben, kann noch nicht von einem angehenden Standard gesprochen werden. Zudem hält auch hier Microsoft (wie mit SMS gegen die Definitionen der DMTF) mit einer eigenen Ausprägung eines objektorientierten Standards (Distributed Component Object Model, DCOM,) kräftig dagegen. DCOM ist zu Corba nicht kompatibel.

Rudolphis Fazit lautet deshalb: "Die Forderung nach umfassenden Standards, die das System-Management breit erfassen und steuern könnten, ist zu hoch gesteckt. Es müssen erst einmal kleine Brötchen gebacken werden." Er geht davon aus, daß verläßliche Entwicklungsleitlinien weniger von Standardisierungsgremien oder Herstellervereinigungen als vielmehr aus langwierigen Machtkämpfen im Markt hervorgehen werden.

Damit werden die Anwender wohl noch lange auf tragende System-Management-Lösungen warten müssen. Zum Glück schreitet die Verteilung von Anwendungen und Daten in den Unternehmen nicht so schnell voran, wie es von Systemherstellern und -anbietern immer wieder propagiert wird. Zudem bieten Netzwerk-Betriebssysteme wie Netware, NT Server und Vines selbst Management-Dienste, um PCs, Drucker, Speichereinheiten, Daten und Anwendungen zu überwachen und zu verwalten. Dort, wo diese System-Management-Funktionalitäten nicht ausreichen, sollte das Unternehmen im Markt nach Lösungen Ausschau halten, die auf der eigenen Netzwerk-Betriebssystem-Welt nahtlos aufsetzen.

Management-Tools nur im Notfall einführen

Auf diese Weise sind heute beispielsweise auch Softwareverteilung, Inventarisierung und Datenbankintegration wesentlich besser und vor allem wirtschaftlicher zu lösen als mit dem klassischen Management-Ansatz. "Nur dort, wo der Leidensdruck durch den umfassenden Einsatz von Client-Server-Techniken besonders groß ist", so Jürgen Fiedler von Diebold Deutschland, "muß der Anwender letztlich den Einsatz von System-Management-Werkzeugen aus einer Management-Plattform heraus in Erwägung ziehen. Aber bitte nur im weitgehend homogenen Systemumfeld. Im heterogenen Umfeld sollte der Anwender besser noch die Finger davon lassen."

Angeklickt

Beim Netz- und System-Management kocht jeder Hersteller sein eigenes Süppchen. Weil die Anbieter ihre proprietären Stempel als Alleinstellungsmerkmale anpreisen und pflegen, gibt es kaum übergreifende und offene Konzepte, die die Integration unterschiedlichster Komponenten ermöglichen. Hoffnung machen lediglich einige zarte Normierungsbestrebungen, wie sie von der Open Software Foundation (OSF), Desktop Management Task Force (DMTF) oder der Object Management Group (OMG) initiiert wurden.

*Hadi Stiel ist freier Journalist in Bad Camberg