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15.06.2001 - 

Patentstreit um Druckertechnologien kostet Hewlett-Packard 400 Millionen Dollar in bar

Fiorina warnt erneut vor schwachen Quartalszahlen

15.06.2001
MÜNCHEN (CW) - Einmal mehr dämpfte Hewlett-Packards Chefin Carleton Fiorina die Erwartungen von Finanzanalysten. Ein Ende der Konjunkturschwäche sei nicht abzusehen, die Umsatzprognosen für das dritte Quartal möglicherweise zu hoch angesetzt. Ein beigelegter Patentstreit kostet den Hersteller zudem 400 Millionen Dollar.

"Dies ist ein globaler Einbruch im IT-Sektor, der noch einige Zeit anhalten wird", erklärte Fiorina zum Auftakt eines Treffens mit Finanzanalysten. Die Konjunkturschwäche habe sich über die USA und Europa auf Lateinamerika und Asien ausgedehnt. "Wir sehen eine Nachfrageschwäche in allen unseren Geschäftsbereichen und in sämtlichen Regionen."

Aus diesen Gründen sei sie weniger zuversichtlich, die ursprünglich prognostizierten Umsätze für das laufende dritte Quartal zu erreichen. Bislang war HP von stagnierenden Einnahmen oder einem Rückgang um fünf Prozent ausgegangen. Die Rechnungsperiode endet am 31. Juli. Um die Gewinnerwartungen der Finanzwelt von 23 Cent pro Aktie zu befriedigen, werde man versuchen, das Ergebnis durch zusätzliche Sparmaßnahmen zu beeinflussen.

"Die Vereinigten Staaten und Europa repräsentieren mehr als 75 Prozent des Konzernumsatzes", erläuterte Chief Financial Officer Bob Wayman. Es sei deshalb unrealistisch, von einem wieder anziehenden Umsatz auszugehen, solange sich die Lage in diesen Regionen nicht verbessere. Nach der erneuten Ergebniswarnung fiel der Kurs der HP-Aktie zunächst um vier Prozent auf 28,71 Dollar.

Im zweiten Geschäftsquartal war HPs Nettogewinn von 935 Millionen auf 319 Millionen Dollar gesunken. Auch die Umsätze brachen um vier Prozent auf 11,6 Milliarden Dollar ein. Fiorina hatte daraufhin die Umsatzerwartungen für das Gesamtjahr reduziert: Statt Einnahmen in Höhe des Vorjahresniveaus rechne man mit einem Ertragseinbruch um fünf Prozent.

Um die Kosten weiter zu senken, will HP die Beschäftigtenzahl nicht über 93000 steigen lassen. Neueinstellungen würden durch Fluktuation und Entlassungen kompensiert. Schon in der ersten Hälfte des Finanzjahrs habe man Sparmaßnahmen ergriffen, berichtete Fiorina. So habe die Verschiebung von Gehaltserhöhungen 145 Millionen Dollar gespart; die gleichen Maßnahmen würden noch einmal 170 Millionen Dollar bringen. Daneben habe man Bonuszahlungen um 205 Millionen und Marketingausgaben um 125 Millionen Dollar gekürzt. Mitarbeiter würden dazu angehalten, acht Tage Urlaub zu nehmen, um Urlaubsrücklagen abzubauen.

Neben der Servicesparte, die im Jahresvergleich in den letzten beiden Quartalen um 13 Prozent gewachsen sei, ruhen die Hoffnungen HPs auch auf dem Druckermarkt. Mit einer aggressiven Preispolitik wollen die Konzernmanager Anteile im Lowend-Segment gewinnen. Hier konkurriert HP mit Canon, Lexmark und Epson. Steigende Umsätze im PC-Geschäft erwartet Fiorina mit der Freigabe von Windows XP im Oktober. Ob sich wachsende Verkäufe angesichts des harten Preiskampfs auch auf die Gewinne auswirken, ist indes fraglich.

Denkbar ungünstig kommt für HP zudem ein nach Jahren beigelegter Patentstreit um Druckertechnologien. Im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs verpflichtete sich das Unternehmen, dem US-amerikanischen Hersteller Pitney Bowes 400 Millionen Dollar in bar zu zahlen. Wegen den US-Vorschriften für die Rechnungslegung musste HP seinen Vorsteuergewinn für das zum 30. April beendete zweite Geschäftsquartal nach unten korrigieren. Damit fällt der Gewinn pro Aktie ohne Berücksichtigung eines Sondergewinns auf getilgte Schulden von 15 auf drei Cents.

Bestandteil des Abkommens ist auch ein Lizenzabkommen für bestimmte Technologien, erklärte eine HP-Sprecherin. Darüber hinaus werde man künftig auch Geschäftsbeziehungen pflegen. Die Einigung sei aber kein Schuldeingeständis; man habe langwierige und teure juristische Auseinandersetzungen vermeiden wollen.

Pitney Bowes, ein Hersteller von Büromaschinen, hatte 1995 eine Patentklage gegen HP eingereicht. Das Verfahren sollte am 4. Mai vor dem Bezirksgericht Connecticut eröffnet werden. Die Kalifornier hatten Gegenklagen angestrengt. In einem ähnlichen Patentstreit hatte sich HP mit dem Erzrivalen Xerox nach langwierigen Verhandlungen im April 2000 ebenfalls außergerichtlich geeinigt.