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IT-Weiterbildung

Firmen schulen ihre Mitarbeiter nicht auf Vorrat

07.01.2000
von Ingrid Weidner* Für eine erfolgreiche Karriere im technischen Bereich spielen neben den fachlichen Qualifikationen kommunikative Fähigkeiten eine mindestens genauso große Rolle. Microconsult versucht, in seinen Schulungen beide Elemente zu fördern.

"Unser Ziel ist es, dass die Leute mit leuchtenden Augen aus den Kursen nach Hause gehen und es kaum erwarten können, das Gelernte umzusetzen", erklärt Peter Siwon, Manager für Sales und Marketing bei Microconsult (http://www.microconsult.com) in München. Das Schulungs- und Trainingscenter für Mikroelektronik und Informationstechnologie gehörte bis 1994 zu Siemens. Als der Konzern die Schließung des Schulungscenters verfügte, entschieden sich fünf Mitarbeiter, unter einem neuen Namen weiter qualifizierte Schulungen im Elektroniksektor anzubieten. Seit 1995 ist die Mitarbeiterzahl auf 21 angestiegen, ergänzt durch 27 freie Referenten.

Der Schulungsschwerpunkt verteilt sich auf die drei Bereiche Mikroelektronik, Softwareentwicklung und IT-Infrastrukturen. Neben Überblicks- und Informationskursen von einem Tag dauern alle anderen Seminare fünf Tage, die Teilnehmerzahl ist je nach Thema auf zehn bis 16 begrenzt. Die relativ lange Kursdauer ist nach Siwon notwendig, um die komplizierten Inhalte gleich anhand von praktischen Beispielen einzuüben.

"Ich zahle dafür, also bietet mir was"

Dann kommen die sogenannten Soft Skills zum Einsatz, denn ohne Teamarbeit und gute Kommunikationsfähigkeiten geht im technischen Bereich nichts mehr. "Die Teilnehmer überrascht diese Methode oft noch. Manche kommen mit der Konsumentenhaltung zu uns: ,Ich zahle dafür, also bietet mir mal was'', und das wollen wir ändern", so Siwon. Dem Dozenten fällt dabei immer mehr die Rolle eines Moderators zu. "Die Referenten müssen daher flexibler und thematisch sattelfest sein", erläutert Sabine Häring, die bei Microconsult mit Siwon für Marketing und Vertrieb zuständig ist. Die Trainer und Referenten wählt das Schulungsunternehmen sorgfältig aus. Am Anfang stehen immer Probevorträge auf dem Auswahlprogramm. "Es gibt Situationen, bei denen ein Trainer eine Koryphäe in einem Fachgebiet ist, Bücher geschrieben hat, aber trotzdem nicht als Referent für uns geeignet war", so Häring. In speziellen Trainingskursen vermittelt Microconsult den Dozenten die wichtigsten Stilelemente für die Seminare. Die Kursteilnehmer können beispielsweise mit konkreten Problemen aus ihrem eigenen Arbeitsumfeld in den Kursen Lösungsmöglichkeiten erarbeiten. Der entscheidende Unterschied: "Hier dürfen Sie Fehler machen, in der späteren Arbeit sollte das dann nicht mehr passieren", so Häring.

Trotzdem möchte Microconsult seinen Dozenten keine einheitliche Unterrichtsmethode auferlegen. "Es gibt begnadete Redner und Spaßvögel. Gerade lustige Elemente machen ein Seminar wertvoll. Das soll erhalten bleiben", so Siwon. Zur Demonstration holt er plötzlich ein Plastikgehirn aus der Aktentasche: "Wir wollen mit unseren Schulungen verschiedene Sinneskanäle der Teilnehmer ansprechen, denn im Gehirn gibt es verschiedene Wahrnehmungsbereiche." Deshalb sind die Kurse keine reinen Vortragreihen, sondern Theorie und Praxis stehen gleichberechtigt nebeneinander.

Wie sieht es mit der Bereitschaft von Unternehmen aus, die Mitarbeiter zu Schulungen zu schicken und fünf Tage auf die Arbeitsleistung zu verzichten? Diplomingenieur Matthias Klumpp arbeitet bei Marposs in Feldbach bei Stuttgart als Softwareentwickler. Er hatte nicht direkt Probleme, die Genehmigung für die Fortbildung zu bekommen: "Das war eigentlich relativ einfach, denn ich habe mit der Kündigung gedroht." Schließlich war das Unternehmen bereit, ihn zu drei unterschiedlichen Kursen rund um die Windows-Programmierung zu schicken. "Die Firma versucht, meist die Mitarbeiter mit internen Fortbildungen zu locken", sagt Klumpp. Gerade bei kleineren Unternehmen können solche Fortbildungen dann so aussehen, dass ein erfahrener Kollege dem Bildungswilligen neben seiner regulären Arbeit etwas zum neuen Thema erklärt, und das heißt dann meist: In der Freizeit selbstständig Handbücher lesen. "Die Initiative für eine Schulung geht dabei immer vom Mitarbeiter aus", so der Ingenieur, "bei uns ist es noch nie vorgekommen, dass jemand von oben kam und eine Schulung vorschlug." Sein Kurskollege Manfred Kügler, Geschäftsführer von Pixel in Gräfelfing, stimmt zu: "Wir schicken niemand auf Vorrat zu einer Schulung."

Um das Themenspektrum seines Schulungsmarathons abzurunden, hätte Klumpp gern einen weiteren Kurs besucht, aber da war nichts mehr zu machen. Selbst das Angebot, unbezahlten Urlaub zu nehmen, reichte nicht aus. Für dieses Jahr hatte er sein Bildungskontingent ausgeschöpft. "Bei kleineren Firmen müssen die Mitarbeiter wesentlich mehr Kenntnisse mitbringen, da wir die neuen Leute schnell in Projekten einsetzen", so Christian Höfer, Entwicklungs- und Projektleiter bei Datasoft in St. Pölten. Das Unternehmen beschäftigt sich hauptsächlich mit ISDN-Technik. "Wir wissen, dass wir unsere Leute ständig schulen müssen", so Höfer. Trotzdem bucht Datasoft Schulungen immer projektbezogen und ziemlich kurzfristig.

Siwon bekommt immer wieder Anfragen, ob denn die Lerninhalte nicht in kürzerer Zeit vermittelbar seien. "Wir wollen den Teilnehmern Fertigkeiten lernen, und sie sollen ein Gefühl für die neue Technik entwickeln. Wenn wir praktische Situationen nachstellen möchten, sind fünf Tage einfach notwendig." Das führt manchmal auch zu Absagen, wenn ein Firmenchef seinen Mitarbeiter keine fünf Tage entbehren kann, "aber in den meisten Fällen kann ich die Chefs mit meiner Argumentation überzeugen", fügt der geübte Verkaufsexperte Siwon hinzu.

Um als Schulungsanbieter selbst immer auf dem Laufenden zu sein, hat Microconsult ein Expertennetz ins Leben gerufen. In regelmäßigen Abständen treffen sich drei unterschiedliche Arbeitsgruppen mit dem vielsagenden Titel "Brainnet". Dazu gehören verschiedene Hersteller, Firmen aus dem Elektronikbereich und Vertriebsexperten. In dieser Runde sprechen die Teilnehmer über neue Entwicklungen und Trends. Das Team von Microconsult macht sich eifrig Notizen und überlegt sich anschließend, welche Themen für einen Kurs relevant sein könnten. Gleichzeitig berichtet das Trainingscenter über seine Erfahrungen mit den Schulungen, damit die Hersteller eventuell in bestimmten Produktbereichen Anpassungen vornehmen können. Ein geschickter Schachzug, denn mit dieser Strategie erhält der Schulungsträger wertvolle Tips zu den technischen Entwicklungen. Für das Team von Microconsult steht fest: Die neuen Herausforderungen für den Techniker von morgen liegen vor allem im kommunikativen Bereich.

*Ingrid Weidner ist freie Journalistin in München.