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25.03.2013 - 

Trotz Fachkräftemangel

Firmen zahlen nicht jeden Preis für IT-Profis

Tobias Wendehost beschäftigt sich als Volontär aktuell mit verschiedenen Hardwarethemen und stellt täglich ein Gadget des Tages vor. Ansonsten arbeitet er sich thematisch durch die Ressorts Job und Karriere, Software, Netzwerke und Mobile sowie IT-Strategie. Wer möchte, kann Tobias bei Twitter (@tubezweinull) folgen oder bei Xing eine Nachricht schreiben.
Arbeitgeber müssen immer noch für sich werben, um IT-Fachkräfte zu gewinnen. Sie kommen Bewerbern mit flexiblen Arbeitszeiten entgegen, locken sie aber nicht mehr mit üppigen Gehältern.
Kienbaum-Berater Matthias Busold (Mitte) spricht sich für eine "Work-Life-Integration" aus.
Kienbaum-Berater Matthias Busold (Mitte) spricht sich für eine "Work-Life-Integration" aus.

Fast 900.000 Menschen arbeiten in der IT-Branche, die Zeichen stehen weiter auf Wachstum, Fachkräftemangel und Work-Life-Balance prägen den IT-Arbeitsmarkt stärker als neue Trends wie Cloud Computing oder Mobile. Zu dem Ergebnis kamen die Teilnehmer der Auftaktdiskussion im Karrierezentrum der COMPUTERWOCHE auf der CeBIT. „Für Bewerber leben wir aktuell in guten Zeiten, für Unternehmer eher nicht“, sagte Oliver Tuszik, Vorstandsvorsitzender des IT-Dienstleisters Computacenter. Firmen müssten heute für sich werben, um die passenden Bewerber zu bekommen. Die Lage auf dem IT-Arbeitsmarkt bleibt angespannt, auch wenn im letzten Semester rund 50.000 Studienanfänger einen Informatik- oder technischen Studiengang begonnen haben. „Nicht einmal die Hälfte der Studienanfänger schließt am Ende auch das Studium ab. Hier muss etwas verändert werden“, sagte Stephan Pfisterer, beim Branchenverband Bitkom für Bildungspolitik und Arbeitsmarkt zuständig.

Flexible Arbeitszeiten statt übermäßige Gehälter

Da IT zahlreiche Lebensbereiche präge und immer neue Technologien hinzukämen, werde der Bedarf an qualifizierten Fachkräften in den nächsten fünf Jahren weiter ansteigen. „Bewerber müssen hierfür eine Vielzahl von Anforderungen erfüllen. Sie müssen Problemlösungskompetenzen besitzen, gleichzeitig aber auch soziale Fähigkeiten an den Tag legen“, so Mattias Busold, Senior Consultant beim Beratungsunternehmen Kienbaum. Dazu gehöre auch, dass sich Arbeitnehmer mit ihrer Firma identifizieren und nicht nur von neun bis 17 Uhr arbeiten. Der Begriff „Work-Life-Integration“, wie ihn Busold verwendet, spiele eine herausragende Rolle. Flexible Arbeitszeiten und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sind auch für Avanade, einem Joint-Venture von Microsoft und Accenture wichtig, erklärte Yasmine Limberger, Group Manager Personal-Marketing bei Avanade: „Geld ist nicht alles. Die Mitarbeiter dürfen ruhig flexibel in ihrer Arbeitszeitgestaltung sein, gleichzeitig können sich die Unternehmen aber auch keine übermäßigen Gehälter leisten.“

Sehen Sie im Video die Expertendiskussion zum IT-Arbeitsmarkt vom COMPUTERWOCHE Zentrum für Job&Karriere auf der CeBIT.

Hans Joachim Weis von der IG Metall sah diese Entwicklung dagegen kritischer: Flexiblere Arbeitszeiten dürften die Fachkräfte nicht vor sich her treiben. „Automobilhersteller wie VW und Daimler haben das mittlerweile erkannt und schränken den E-Mail-Verkehr nach 19 Uhr oder am Wochenende ein“, erläutert Weis. Die Gewerkschaft sei nicht generell gegen neue Arbeitszeitmodelle, unterstrich Weis: „Wir stellen keine Regeln auf, sondern setzen uns nur für die Arbeitnehmerinteressen ein. Bewerber und Unternehmen müssen auf Augenhöhe verhandeln können.“

Geringere Bezahlung für ältere Mitarbeiter

Angesichts des Fachkräftemangels müssten sich IT-Unternehmen auch für ältere Fachkräfte öffnen, die bislang schlechtere Chancen bei der Jobsuche hatten. „Arbeitnehmer bleiben länger im Beruf, sie müssen am Ball bleiben, um für die Unternehmen attraktiv zu sein“, forderte Pfisterer. Computacenter-Chef Tuszik ergänzte: „Ältere Arbeitnehmer sollten zwar gehalten werden. Ihnen muss aber auch klar sein, dass sie neue Aufgaben bei geringerer Bezahlung übernehmen sollten. Voraussetzung dafür sei, dass beide Seiten, Unternehmen wie ältere Beschäftigte, ihre Einstellung ändern.
In der Vergangenheit sei das Gehaltsgefüge häufig durch zu ungleiche Gehälter zerstört wurden. „Extrem hohe Zahlungen an Spezialisten sind langfristig nicht möglich“, sagte Tuszik. Was aus Anbietersicht nur logisch erschien, war für Gewerkschafter Weis ein Widerspruch: „In den vergangenen Jahren haben große IT-Unternehmen immer stärker beim Personal gespart. Gehälter wurden im Durchschnitt lediglich um zwei Prozent erhöht.“

IT-Fachkräfte sollten sich nicht unter Wert verkaufen, riet Kienbaum-Berater Busold. In Gehaltsverhandlungen sollten Bewerber ruhig hoch pokern. Auch wenn Firmen die Hände bei Gehältern gebunden seien, bestehe immer Luft nach oben. Begünstigt würden die Fachkräfte schließlich durch die Tatsache, dass die Nachfrage nach spezielleren Anforderungsprofilen steige.

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