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20.05.1988 - 

Der Marsch In Richtung auf Standardbetriebssysteme hat begonnen:

Firmeneigene Architekturen am Ende?

FRAMINGHAM (IDG) - Die Flucht vor der firmeneigenen Architektur traditioneller Lieferanten ist eine der bedeutendsten Entwicklungen der letzten Zeit in der Computer-lndustrie. Dies ist ein frühzeitiger Hinweis auf das allmähliche Verschwinden dieser Architekturen und auf die wachsende Bedeutung der Normen.

In den vergangenen 40 Jahren haben die firmeneigenen Architekturen individueller Systemlieferanten den Einsatz von Computern beherrscht. Durch die Wahl des Produktes eines Computerherstellers haben die Benutzer indirekt entschieden, sich an eine einmalige Architektur, die es nur bei diesem Hersteller gibt, zu binden.

Dies hat bedeutet, daß die Benutzer, nachdem sich sich einmal für diesen Hersteller entschieden haben, auch später, sollte eine Erweiterung erforderlich oder das ursprüngliche System ausgetauscht werden, bei diesem Lieferanten kaufen. Die Investition in Schulung und Software für Systemarchitektur, Betriebssystem und Netzarchitektur des ursprünglichen Herstellers hat die Benutzer davon abgehalten, den Lieferanten zu wechseln.

Sowohl in der ursprünglichen Großsystem-Architektur der 50er und 60er Jahre als auch in der sich entwickelnden Welt des Minicomputer-Einsatzes in den 70er Jahren dominierten firmeneigene Architekturen individueller Hersteller.

In letzter Zeit beginnt sich dies jedoch zu ändern. Bei den Personal Computern hat der De-facto-Standard, den IBM unabsichtlich mit dem IBM Personal Computer, dem PC XT und AT gesetzt hat, zum ersten Mal zu einem ausgedehnten kommerziellen Einsatz eines Systems geführt, das praktisch ein nicht-firmeneigenes System ist, das von Hunderten unterschiedlicher Hersteller angeboten wird.

IBM-kompatible Mikros, die unter MS-DOS von Microsoft laufen, haben einen Präzedenzfall geschaffen, der auch für größere und leistungsfähigere Systeme gültig ist. OS/2, von Microsoft und IBM entwickelt, bildet ein noch leistungsfähigeres Betriebssystem für Schreibtischsysteme und Netzdienstprogramme auf der Grundlage der Mikroprozessoren 80286 und 80386 von Intel.

Gleichzeitig reift Unix, das von AT&T entwickelte und geförderte Standard-Betiebssystem, heran und bietet eine echte Alternative zu firmeneigenen Architekturen und Betriebssystemen für größere Mehrplatzsysteme. Unix steht jetzt am Beginn einer wesentlich schnelleren Durchdringung des kommerziellen Bereiches. DOS, OS/2 und Unix besitzen teilweise konkurrierende, aber weitgehend sich ergänzende Optionen zu den firmeneigenen Systemen, die traditionell den Einsatz von Computern beherrscht haben. Sie werden auch zum Sammelpunkt für eine wachsende Anzahl von Herstellern. Der Kampf findet zwischen drei Beteiligten statt. Die firmeneigene Systemarchitektur von IBM, die historisch in der Industrie vorherrschend war und immer noch die großen Zentralsysteme dominiert, ist der erste Bewerber

VAX/VMS von Digital Equipment Corporation ist der zweite Konkurrent. Der enorme Erfolg von DEC in den letzten Jahren hat es zur einzigen anderen firmeneigenen Architektur neben IBM gemacht, die wirklich Aussicht auf weiteren Erfolg hat. Mit wenigen Ausnahmen sind alle anderen firmeneigenen Architekturen und Betriebssysteme von traditionellen Großsystem- und Minicomputer-Lieferanten langfristig keine Mitbewerber. Statt dessen bietet Unix in größeren Mehrplatzsystemen und MS-DOS und OS/2 bei Tischsystemen eine echte Altenative sowohl für Hersteller als auch für Benutzer. Darüber hinaus bilden diese neueren standardisierten Architekturen den am schnellsten wachsenden Sektor im Markt für Informationssysteme.

In dem Maße, in dem eine wachsende Liste von Systemherstellern beginnt, ihre traditionellen firmeneigenen Architekturen durch Systeme zu ersetzen, die mit Unix oder OS/2 laufen, nähern sich diese nichtfirmeneigenen Standardsysteme schnell der kritischen Masse, die nötig ist, um eine Kettenreaktion zu starten, durch die eine lebensfähige Alternative für Benutzer gebildet wird.

Der durch diese Standards gebildete größere Wettbewerb verbindet sich mit kostengünstigeren, aber immer leistungsfähigeren Systemen auf Mikroprozessorbasis und bietet so eine wesentlich kostengünstigere Möglichkeit für Benutzer. Auch sehr große Anwendungen können jetzt mit der preisgünstigen Hardware, die mit diesen Standards arbeitet, aufgebaut werden.

Neuere Produkte auf Mikroprozessorbasis von traditionellen Herstellern wie Unisys, Honeywell-Bull, Prime und anderen, die mit Unix oder OS/2 laufen, sind nur der Anfang. Auch IBM und DEC beginnen, ihre eigenen Produktangebote auf Unix-Basis ernster zu nehmen.

Fachleute für Informationssysteme können es sich nicht leisten, diese neuen nicht-firmeneigenen Alternativen zu traditionellen Systemen zu übersehen. Der Marsch in Richtung auf Standards läuft. Diejenigen, die sich nicht in den nächsten Jahren an ihm beteiligen, bleiben zurück.

*William Zachmann ist Vizepräsident für Forschung bei der International Data Corp.