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27.05.1994

First Look: Eindruecke von Coreldraw 5.0 Grafik-Allrounder schwingt sich mit DTP zu neuen Ufern

Von Peter Schneider*

Das Universalpaket fuer Grafikanwendungen "Coreldraw" treibt es in seiner neuen Version 5.0 noch bunter: Zu den Programmkomponenten fuer Zeichnung, Bildbearbeitung, Praesentation und Charts gesellt sich nun eine modifizierte Version des im vergangenen Jahr von Ventura uebernommenen DTP-Pakets Ventura Publisher. Den Vorwuerfen, dass die in kurzen Update-Zyklen angestrebte Vielseitigkeit der Software mit zahlreichen Schwaechen in den einzelnen Modulen erkauft wurde, will die Corel Corp. mit dem neuen Release 5.0 begegnen.

Erfreulich fuer jeden Corel-Kenner ist die deutlich erhoehte Geschwindigkeit, mit der sich das Grafikpaket praesentiert: Version 5.0 arbeitet in einigen Programmkomponenten wie etwa Photopaint mit einer neuen Grafik-Engine, die den Koprozessor direkt anspricht. In allen Softwaremodulen wurde auch das Farb- Management-System verbessert, so dass die Darstellungen auf dem Bildschirm und dem Ausdruck weitgehend angeglichen sind.

Umfassende Veraenderungen hat Corel bei der Benutzeroberflaeche und beim Datenaustausch zwischen den Programmkomponenten vorgenommen. Statt wie bisher auf die recht umstaendlich zu bedienende Zwischenablage zugreifen zu muessen, kann der Benutzer Objekte nun per Drag and drop zwischen den einzelnen Corel-Anwendungen austauschen.

Ventura-Integration frisst Speicherplatz

Die Oberflaeche des Pakets bietet zusaetzlich zu den senkrechten nun auch waagrechte Symbolleisten fuer die wichtigsten Funktionen. Ein Nachteil: Sie lassen sich nicht konfigurieren. Mit Registereinteilungen wie in Winword 6 oder Excel 5 teilt Coreldraw die zahlreichen Optionen einer Dialogbox in verwandte Themen auf.

Durch die Integration des DTP-Pakets Corel Ventura (urspruenglich Ventura Publisher) ist der erforderliche Speicherbedarf auf der Festplatte nochmals gestiegen. Ohne Cliparts benoetigt eine Gesamtinstallation rund 50 MB. Auch an der uebrigen Rechnerausstattung sollte nicht gespart werden: Ein 486er mit 16 MB Arbeitsspeicher ist - trotz anderslautender Angaben des Herstellers - das absolute Minimum fuer Profianwender.

Eine Neuerung in Coreldraw selbst ist, dass sich Objekte numerisch exakt in einer bestimmten Groesse zeichnen lassen, wobei saemtliche Elemente jetzt auch mit Massfahnen versehen werden koennen. Clipart- Verzeichnisse sind in bis zu sieben verschiedenen Rollup-Fenstern ablegbar, so dass man nicht mehr wie bisher auf den Programmteil Corel Mosaic zugreifen muss.

Die dreidimensionale Funktion Extrude arbeitet im Update mit mehreren einstellbaren Bezugspunkten fuer eine Extrusionsgruppe und beleuchtet Objekte ueber maximal drei Lichtquellen aus frei waehlbaren Richtungen und mit unterschiedlicher Intensitaet. Mit den neuen Linsen-Funktionen sind unter anderem vergroesserte oder durchscheinende Objekte sowie unterschiedliche Helligkeiten innerhalb eines Objekts moeglich.

Coreldraw 5 verfuegt zwar wieder ueber eine Makrofunktion, sie darf allerdings nicht mit professionellen Makrosprachen wie VBA (Visual Basic for Application von Microsoft) verglichen werden. Coreldraw verwendet nur eine reine Aufzeichnungsfunktion, die jedoch den Anwender bei immer wiederkehrenden Ablaeufen sinnvoll unterstuetzen kann. Weitere Features beziehen sich auf automatische Objektkombinationen und -trennungen sowie auf die Angleichung von Kurvenverlaeufen, die dem Anwender den komplizierten Umgang mit Bezierkurven erleichtern sollen.

Corel Photopaint, das Werkzeug zur Bildbearbeitung, wurde gruendlich umgestaltet. Der Programmteil enthaelt zahlreiche neue Effekte, die sich recht elegant ueber Plug-ins integrieren lassen. Masken sind in fast jeder beliebigen Form definierbar, wobei auch spezielle Pinselmasken und Transparenzeffekte nicht fehlen. Die Funktion Colormask schuetzt bestimmte Farben vor einer Veraenderung oder ermoeglicht eine Manipulation nur fuer bestimmte Farben. Darueber hinaus verwendet Photopaint eine Objekttechnologie, mit der sich Bitmap-Objekte beliebig verschieben und veraendern lassen.

Vielfalt bei den Diagrammtypen

Auch Corel Chart hat sich gemausert: Das Werkzeug mit ausgefeilten 3D-Funktionen litt in seiner Akzeptanz bisher unter den reichhaltigen Diagramm-Moeglichkeiten der eigentlichen Spreadsheet- Produkte. Das koennte sich jetzt aendern, denn mit Gantt-, Netz-, Radar- und Blasendiagrammen braucht das Corel-Modul den Vergleich mit dieser Konkurrenz nicht mehr zu scheuen. Dafuer sorgen auch die ueber 300 Tabellenkalkulationsfunktionen, mit denen sich fast alle wichtigen Rechenmodelle aufbauen lassen.

Die Zielrichtung des Herstellers im Bereich Praesentationsgrafik und Kalkulation wird noch deutlicher, wenn man sich den neuen Baustein Corel Query anschaut. Mit diesem Programm koennen SQL- und ODBC-Datenbanken abgefragt werden, um die Ergebnisse direkt in Corel Chart zu verarbeiten.

Das Praesentationsmodul Corel Show war bisher wegen seiner reichlich schlechten Performance und der erheblichen Ressourcenbelastung nicht zu gebrauchen. Mit integrierten Text- Features, einer Verbesserung der OLE-Funktionalitaet, zahlreichen Multimedia-Moeglichkeiten sowie interaktiven Elementen naehert sich Corel Show inzwischen der Leistungsfaehigkeit reiner Praesentationsprogramme und ist fuer nicht allzu komplexe Anwendungen durchaus verwendbar.

Bleibt noch der DTP-Baustein Corel Ventura, der zur Integration in das Gesamtpaket ebenfalls ueberarbeitet wurde und mit einer neuen Benutzeroberflaeche, einem einheitlichen Farbsystem und Verbesserungen bei der Plazierung von Text und Grafiken aufwartet. Ventura empfiehlt sich fuer den professionellen Satz von Dokumenten und Broschueren, waehrend fuer kuenstlerisch gestaltete Anzeigen besser Coreldraw mit seinen weiterhin vorhandenen DTP-Funktionen verwendet wird.

Fazit: Insgesamt macht das Paket einen positiven Eindruck, bei dem sich die Frage stellt, wie andere Anbieter auf diese geballte Ladung Grafik reagieren wollen oder koennen. Coreldraw wird als CD- ROM-Version mit ueber 1000 Schriften und 22 000 Cliparts voraussichtlich 1500 Mark kosten. Fuer Version 6 (Mai 1995) duerften dann echte 3D-Objekte sowie Raytracing und Rendering auf dem Fahrplan stehen.

Peter Schneider ist freier Autor in Koeln