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05.02.1988

Fitness-Effekt durch Informationstechnik

Gerhard Adler, Geschäftsführer der Diebold Deutschland GmbH, Frankfurt

Zwischen den Ausgaben für Informationstechnik (Computer, Software, Telekommunikation) und der Leistungsfähigkeit von Unternehmen gibt es keine Korrelation. Die einen Schritt weitergehende Analyse wird allerdings zeigen - und sie deckt sich mit den Erfahrungen aus der Diebold-Beratungsarbeit -, daß generell als gut geführt geltende Unternehmen ihre Produktivität durch Investitionen in Informationstechnik durchaus weiter verbessern können, während es den weniger leistungsfähigen Betrieben - hart gesagt - um so schlechter geht, je mehr sie für Informations-technik ausgeben.

Dieser Sachverhalt hat etwas damit zu tun, daß sich die Rolle der Informatik verändert hat. Während sie in den vergangenen Jahren fast ausschließlich dazu diente, operative Aufgaben rationeller abzuwickeln, ziehen heute immer mehr Unternehmen strategischen Nutzen aus dem Einsatz informationstechnischer Systeme: Kundennähe, rasches Agieren und Reagieren im Markt, Angebot neuer Produkte und Dienstleistungen.

Hieraus entsteht eine Wechselwirkung zwischen Informatik und allen Feldern unternehmerischen Handelns, angefangen bei Markt- und Wettbewerbsbeobachtung, Produktfindung und Marketing über Organisation und Logistik bis hin zu Finanz- und Personalmanagement. Auch die großflächigen Veränderungen der ökonomischen Landschaft bauen inzwischen auf den Möglichkeiten auf, die die Informatik bietet. Die Globalisierung der Märkte, in der nur noch weltweiter Vertrieb die Konkurrenzfähigkeit sichert, der internationale Produktionsverbund, der Komponenten aus aller Herren Länder bezieht, oder auch das weltweite Finanzgeschäft bedingen globale Informations- und Kommunikationssysteme.

Wer Wettbewerbsvorteile erlangen will, muß sich zunehmend differenzierten Kundenbedürfnissen anpassen. Informatik erlaubt und fördert die Polarisierung: einerseits automatisiertes, kostengünstiges Liefern von Standardleistungen, andererseits Eingehen auf die Wunsche des individuellen Kunden durch besser informierende Beratung, durch intelligentere Produkte, durch schnelle Reaktion auf geänderte Anforderungen.

Informatik betrifft inzwischen alle Managementhorizonte - von der Entwicklung von Geschäftsstrategien über mittelfristiges Leistungs- und Kostenmanagement bis hin zur Steuerung der Geschäftsabwicklung selbst. Worauf es also ankommt, ist die Integration von Management- und Informatikkompetenz.

Isolierte Betrachtung führt geradewegs zu Fehlinvestitionen. Wer überflüssige Arbeitsplätze in einem schlecht organisierten Betrieb informationstechnisch aufrüstet, schafft dadurch keineswegs Wettbewerbsvorteile, sondern bürdet sich nur enorme Kosten auf. So inkonsequent also isolierte informationstechnische Lösungen sind, so problematisch sind andererseits Unternehmensstrategien, die die Informatikkomponente außer acht lassen. Wenn erst nach der Fusion zweier Unternehmen festgestellt wird, daß die EDV-Systeme grundlegend nicht zusammenpassen, ist mit Sicherheit die erhoffte strategische Synergie in Frage gestellt.

Information war schon immer ein Erfolgsfaktor. Schon vor Jahrhunderten war der

Kaufmann im Vorteil, der - auf welchem Wege auch immer - mehr und früher Bescheid wußte als sein Konkurrent. Neu ist heutzutage die immense Beschleunigung der Verarbeitung und des Transports von Informationen durch moderne Informationstechnik. Sie kann rasch Transparenz im Regelkreis zwischen Strategie mittelfristiger Planung und Ausführung herstellen, die Information vom Kunden zur Produktionsplanung und -steuerung, in der Beziehung zum Vorlieferanten, im Liefer- und Zahlungsvorgang können innerhalb weniger Augenblicke, theoretisch sogar ohne Zutun des Menschen, fließen.

Maßstab der strategischen Fitness eines Unternehmens ist daher immer mehr die Geschwindigkeit seines Agierens am Markt. Ein Unternehmen setzt sich von anderen durch das Tempo ab, mit dem es Produkte auf den Markt bringt, Kundenanfragen mit Angeboten beantwortet, flexibel Produktionspläne ändert, Qualitätsprobleme erkennt und beseitigt - und Entscheidungen trifft. Informatik bietet die Chance, rasch und konsequent zu handeln.

Gutes Management wird sich in Zukunft wie in der Vergangenheit durch Initiative auszeichnen, denn unser Hauptproblem ist die Unterlassung, das heißt, die nicht oder zu spät getroffene Entscheidung, die Stillstands- und Rüstzeiten unserer Maschinen, die wiederholte Einarbeitung in Vorgänge, die Zeiten, in denen der Vertrieb nicht das tut, was seine eigentliche Aufgabe ist nämlich mit dem Kunden zu sprechen. Die Kosten versäumter Gelegenheiten sind letztlich vor allem anderen die Ursache enttäuschender Produktivität.

Eine schnelle Entscheidung ist daher besser als die allseits abgesicherte, späte Entscheidung; denn Wettbewerbsvorteile sind flüchtig, hundertprozentige Entscheidungsqualität wird nie zu erreichen sein, ein Restrisiko bleibt immer.

Wenn Informationssysteme Leistungsqualität und Erfolg überwachen, können Probleme rasch erkannt werden. Damit sind - auch ursprünglich falsche - Entscheidungen rasch zu korrigieren. Was hindert uns also, in Zukunft schneller zu entscheiden?

Allerdings wird für den Manager und vor allem für den Topmanager das Leben nicht leichter werden. Mehr Information heißt zwar im allgemeinen bessere Entscheidungen. Ausreichende Information oder gar vollständige Information machen aber im Grunde eine. "Management-Entscheidung" überflüssig. Der Manager wird erneut dort gefordert sein, "wo man nichts Konkretes" weiß. Und dafür wird er ja auch entsprechend bezahlt.

Der Autor hielt das Referat auf dem 2. Diebold-Mansgement-Symposium