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25.06.1995

Flachbildschirme LCD-Entwicklung ist treibende Kraft fuer den Notebook-Markt

Von den Traeumen einiger Visionaere, Flachbildschirme im Posterformat koennten alsbald Wohnungswaende abwechslungsreich und multimedial schmuecken, sind wir offensichtlich weit entfernt. LCDs spielen vornehmlich als Bestandteile von Notebooks eine Rolle in unserer Umgebung. Hersteller von Klein-PCs berichten in einer CW- Kurzumfrage von ihren Erfahrungen mit den Entwicklungen der juengeren Zeit und ihren Hoffnungen auf die Zukunft.

CW-Bericht, Ludger Schmitz

Notebook-Kaeufer haben in den letzten Jahren ein schnelles Sinken der Preise registriert. Dazu hat die Verbilligung fast aller Komponenten in den Kleinrechnern beigetragen, vor allem aber der sinkende Preis der LCD-Monitore. Deren Anteil an den Herstellungskosten eines Notebooks betrug vor wenigen Jahren noch zirka 50 Prozent, heute liegt er bei rund 30 Prozent.

Das hat zwei Gruende: Die steigende Nachfrage nach Notebooks hat jene nach LCDs vorangetrieben. Groessere Fertigungszahlen, umfangreichere Auftraege und die zunehmende Konkurrenz der LCD- Hersteller haben zum einen die Preise fallen lassen. Zum anderen sind die Produktionsmethoden inzwischen soweit verbessert worden, dass nach Auskunft von IBM heute doppelt soviel Monitore wie frueher die Qualitaetskontrolle passieren.

Der Preisverfall duerfte sich fortsetzen. John Medica, als Vice- President von Dell, Austin, fuer deren portable Produkte verantwortlich, prognostiziert: "Die Preise fuer LC-Displays naehern sich allmaehlich denen der Desktop-Monitore an."

Ob die Anwender aber deswegen insgesamt weniger fuer ihren Notebook ausgeben werden, steht auf einem anderen Blatt. Denn sinkende Preise machen hochwertigere Notebooks attraktiv - und die groesste Attraktivitaet geht von besseren Bildschirmen aus. Die Kunden kaufen mit den Augen. Unterm Strich investieren sie also etwa dasselbe Notebook-Budget, nehmen aber einen besseren Monitor. Farbe statt Schwarz-weiss, hoehere Aufloesung, besserer Einblickwinkel, groesserer Bildschirm.

"Der Trend geht ganz klar zum Farbbildschirm", hat Kai Krzisowski, Marketing-Koordinator bei AST, beobachtet. Deswegen hat das Unternehmen kuerzlich ein Notebook mit Monochrom-Darstellung vom Markt genommen. Ab einer gewissen Leistungs- und entsprechenden Preisklasse wollen die Kaeufer, so Krzisowski, "auf jeden Fall Farbe haben".

Der Nachfragetrend geht zu Farbbildschirmen

Das ist nur der Anfang einer Entwicklung, in deren Verlauf bessere Technik immer billiger wird, sagt Ralf Landrock, Produkt-Manager Notebooks bei IBM, voraus: "Es wird noch ein paar Jahre Passiv- Matrix geben, zumindest im unteren Preissegment. Aber die passiven Farb-LCDs werden die monochromen Bildschirme komplett abloesen. In ein paar Jahren werden im Notebook-Bereich so gut wie keine Schwarz-weiss-LCDs mehr auf dem Markt zu finden sein."

In absehbarer Zeit wird also "Otto Normalverbraucher", fuer den ein Farb-Notebook noch suendhaft teuer ist, die monochromen Geraete links liegen lassen. Zugleich werden dann Mitglieder des mittleren und gehobenen Managements sowie Aussendienststaebe von Banken und Versicherungen, derzeit die groesste Kaeuferschicht fuer Notebooks, sichtbar bessere Notebooks mit sich herumtragen: "Die Abloesung der farbigen Dual-Scan-Monitore wird der TFT-Bildschirm sein", prognostiziert IBM-Manager Landrock fuer die gehobene Preisklasse.

Farbige verdraengt schwarz-weisse Darstellung, aktive ersetzt passive Matrix, "Thin-Film-Transistor" (TFT) -Technik loest "Dual Scan Super Twisted Nematic" ab - in dieser Reihenfolge. Mit preisguenstigerer Technik zu sinkenden Preisen sind neue Kaeuferschichten zu gewinnen. IBM hat kuerzlich ein Notebook mit 360- MB-Festplatte und 10,4-Zoll-Dual-Scan-Bildschirm fuer rund 4000 Mark netto auf den Markt gebracht. Landrock: "Wir wollen damit neue Kaeuferschichten erschliessen, mehr in den gehobenen Privatmarkt, den SoHo-Markt, gehen."

In einem zur Zeit wohl noch fuer alle Notebook-Anbieter bedeutenden Marktsegment will Compaq neue Ansprueche an die Monitore festgestellt haben, die die aktuelle technische Spitze darstellen. So bemerkt deren Produkt-Manager Notebooks, Hartmut Woerrlein: "Bei Aussendienstloesungen fuer Versicherungen, Banken und im Multimedia-Bereich wird eher TFT als Muss angesehen."

Noch aber zoegern viele Kunden angesichts der TFT-Preise, obwohl sie die bessere Technik bevorzugen wuerden. So hat AST-Manager Krzisowski festgestellt: "Wegen der Kosten entscheiden sich doch viele fuer Dual Scan." Der Preisunterschied zwischen TFT- und Dual- Scan-LCDs gleicher Groesse und Aufloesung wird langsam kleiner, erstere sind nach Dell-Angaben im Einkauf zur Zeit um mehr als die Haelfte teurer als letztere. Aber das muss nicht unbedingt die Kaeuferwahl entscheiden. Woerrlein: "Viel wichtiger ist, dass der qualitative Unterschied abnehmen und somit stets ein Grund fuer passive Farbdisplays bestehen wird."

In der oberen Notebook-Klasse aber duerfte die TFT-Technik auf absehbare Zeit eindeutig der Sieger sein. Der deutlichste Unterschied zu Dual-Scan-LCDs ist fuer Kundenaugen der Einblickwinkel. Waehrend Dual-Scan-Monitore trotz beachtlicher Verbesserungen in der letzten Zeit nur etwa senkrecht zur Bildschirmoberflaeche ein gutes Bild liefern, ermoeglichen TFT-LCDs einen Einblickwinkel von rund 140 Grad.

Fuer Praesentationen sind Farben ein Muss

Das ist es, was bei Praesentationen - und um nichts anderes geht es beim Notebook-Einsatz im Aussendienst - wichtig ist. Daher die von Compaq festgestellte TFT-Nachfrage aus dieser Kaeuferschicht. Fuer denselben Kundenkreis sind Farben ein wichtiges Argument. Die Zahl der Farben ergibt sich aus der Zahl der Helligkeitsstufen der Grundfarben, die - je feiner abgestuft, desto mehr - fuer menschliche Augen zu Farbtiefen "gemischt" werden. "Die Farbtiefe wird zunehmen", sagt Compaq-Manager Woerrlein.

Die Entwicklung werde "1996, spaetestens 1997 mehrheitlich Richtung 16 777 216 Farben" gehen. Damit aber sind die Hersteller bei einer Farbenzahl angelangt, die sich nach IBM-Angaben ohne unueberwindliche Schwierigkeiten noch erhoehen liesse, aber letztlich nichts anderes als Marketing-Klamauk waere.

Unter einer Bildschirmdiagonale von 10,4 Zoll, darin stimmen Compaq, IBM und AST im wesentlichen ueberein, macht eine hoehere Aufloesung als 640 x 480 Farbkompositionspunkte wenig Sinn. "Aufloesungen von 800 x 600 machen erst bei groesseren Displays Sinn", meint Compaq-Manager Woerrlein. Denn die hohe Aufloesung laesst die Buchstaben und Symbole kleiner wirken, da die Zahl ihrer Bildpunkte gleich bleibt. Fuer IBM ist das Format 11,3 Zoll "absehbar". Dells Portable-Verantwortlicher Medica sieht eine Abloesung des derzeitigen Trends zu den noch teuren 10,4-Zoll- Monitoren voraus: "Etwa 1996 werden 11- und 12-Zoll-Diagonalen Standard."

Der Nachteil von mehr Farben, besserer Aufloesung und groesserer LCDs ist, dass "die Hauptenergiefresser im Notebook" (Landrock) Fortschritte mit stromsparenden Massnahmen bei LCDs und anderen Komponenten im Rechner zunichte machen. "Das Display kann bis zu 40 Prozent des gesamten Stromverbrauchs ausmachen", erlaeutert Woerrlein von Compaq. Eine hoehere Aufloesung verlangt mehr Strom fuer mehr aktive Transistoren, was kleinere Transistoren nur zu einem kleinen Teil ausgleichen.

"Im Endergebnis bedeutet die Aufloesung 800 x 600 gegenueber 640 x 480 bis zu 30 Prozent mehr Energieverbrauch des Displays."

Damit waeren die Notebook-Hersteller wegen der neuen LCDs wieder beim alten Problem der Batterien angekommen. "Bei der Akkutechnologie sind wir noch in der Steinzeit und bei der Notebook-Technologie im 20. Jahrhundert", klagt IBMer Landrock. Wegen der stromfressenden LCDs brauchen gute Notebooks Lithium- Ionen-Batterien, aber fuer die gibt es bisher kein schluessiges Entsorgungskonzept.

Trotz aller stromsparenden Chipsaetze und sonstigen teuren Bauteile machen die neuen Akkus mit zweifacher Kapazitaet in der Realitaet die Notebooks nicht etwa doppelt so lange netzunabhaengig. "Man kommt nur auf einen Faktor 1,4 bis 1,5", erklaert Landrock mit Verweis auf den Energieverbrauch der besseren LCDs.

Das aber koenne auf keinen Fall gegen hoeherwertige Displays sprechen, meint AST-Marketing-Koordinator Krzisowski: "Denn in der Regel gehen die Benutzer doch ueber das Stromnetz." Der Notebook werde nur gebraucht, um auch unterwegs fuer relativ kurze Zeit netzunabhaengig arbeiten zu koennen. Die Farbfaehigkeit habe in der typischen Arbeitsumgebung einen hoeheren Wert: "Viele nutzen diese Notebooks, um Praesentationen laufen zu lassen. Und da spielen Farben doch eine sehr grosse Rolle."

Dass ansprechende Praesentationsfaehigkeiten das wichtigste Verkaufsargument fuer die mobilen Rechner sind, lassen die Antworten auf Wuensche an die Hersteller von LCDs erkennen. Es geht durchweg um bessere Monitorgroesse, Aufloesung und Farbenpracht. Zu einem niedrigen Preis, darf man hinzufuegen.

Nur Dell-Manager Medica aeusserte zwei weitergehende Interessen: Die Firma, die Geraete nach Kundenspezifikationen zusammenbaut (Marketing-Devise: "Build to Order"), haette gerne ein einheitlicheres Aeusseres der Displays, um die Montage zu optimieren. Ausserdem haette Dell gerne duennere LCDs, denn bisher seien Notebooks noch zu dick. Hinter duenneren LCDs liessen sich Chipsaetze unterbringen, was die Waermeabstrahlung in den Kleinrechnern besser verteilen und Modelle von der Dicke eines Ringbuches ermoeglichen wuerde.

Die rapide Entwicklung der Top-LCDs fuer Notebooks sorgt nebenbei fuer Fortschritte in einer Rechnerklasse, die man buchstaeblich leicht uebersieht: bei den Handhelds. Hier bringen die in der Notebook-Klasse ausgebooteten monochromen Passiv-Matrix-Super- Twisted-Dual-Scan-LCDs bessere Darstellungsfaehigkeiten auf kleinstem Raum. Dell-Manager Medica sieht gar eine neue Chance fuer Handheld-Rechner.

LCDs im Grossformat sind "verboten teuer"

Um die Visionen in die andere Richtung sieht es aber schlecht aus. LCD-belebte Poster an der Wand sind noch in den Anfangsstadien ihrer Entwicklung, naemlich bisher so gross wie 17-Zoll- Roehrenmonitore. Auf Ausstellungen erregen sie Aufmerksamkeit, aber auch Raunen ob ihrer Preise. Fuer einen Flachbildschirm mit 17 Zoll Diagonale bewegen sich die Preise laut Gartner Group zur Zeit zwischen 10 000 und 15 000 Dollar. Die Analysten bezeichneten solche Monitore in einer Studie "fuer alle Anwendungen ausser CAD/CAM und Multimedia verboten teuer". Immerhin sagen sie ihnen einen rapiden Preisverfall ab 1988 voraus.