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15.10.1993

Flexibilitaet und Wettbewerbsfaehigkeit sind gefragt Krisengeborene Zauberworte praegen die Messeschwerpunkte Von Martin Weinert*

15.10.1993

Gegen Rezession und Strukturkrise setzen die Verkaeufer der DV- Branche klingende Begriffe: flache Hierarchien, schlanke Produktion, flexible Organisation und Teamarbeit. Entsprechend bescheinigen die Marke- tiers ihren Hard- und Softwareprodukten durch die Bank mehr Flexibilitaet und Wettbewerbsfaehigkeit.

Die Muenchner Messe- und Ausstellungsgesellschaft (MMG) sieht einen deutlichen Schwerpunkt der Systems 1993 im Bereich mobiles Computing. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als der bekannte Trend zur Miniaturisierung der Hardware - in Gestalt von Notebook- oder Subnotebook-Rechnern. Ein weiterer aktueller Hoffnungstraeger fuer Branchenwachstum ist Multimedia. Daneben stehen Netzanwendungen im Vordergrund, die dem Publikum in Verbindung mit dem strapazierten Begriff Workgroup-Computing praesentiert werden. Anwendungsprogramme und Entwicklungswerkzeuge fuer populaere Benutzeroberflaechen sowie Betriebssysteme vervollstaendigen das Repertoire gegen oekonomische Malaisen.

Wenn fuer die Software- hersteller auch die Zeiten jaehrlicher Wachstumsraten von bis zu 30 Prozent vorueber sind, entwickelt sich dieses Marktsegment, verglichen mit anderen Branchen, doch noch immer ueberproportional. Bei den ausgestellten Loesungen hat die MMG einen Trend zu offenen Softwaresystemen ausgemacht, die sich auf unterschiedlichen Hardwareplattformen einsetzen oder im Gegensatz zu frueheren Systemen einfacher mit anderen Anwendungen kombinieren lassen.

Von seiten der Hersteller steht bei solchen Produkten die Unterstuetzung moderner Organisa- tionskonzepte im Vordergrund, die nach Client-Server-Gusto moeglichst viel Rechnerintelligenz an den einzelnen Arbeitsplatz verlegen wollen.

Ein Grund dafuer ist ein Nachteil der bisher zentral eingesetzten Software. Solche Systeme haben zwar hohe Funktionalitaet, sie sind aber sehr komplex, lassen sich nur mit unvertretbarem Zeit- und Kostenaufwand anpassen und unterstuetzen die Benutzer nur duerftig. Die Umsetzung des Zauberwortes Dezentralisierung fordert jedoch kleine funktionale Einheiten mit Teamgeist und viel Entscheidungsspielraum. Dazu bedarf es flexibler und einfach anzuwendender Softwarepakete.

Den Umgang mit Daten erleichtern

Die vor diesem Hintergrund auf der Systems praesentierten Anwendungspakete erstrecken sich von spezialisierten Branchen- und Bereichsloesungen bis hin zu integrierten Paketen fuer unterschiedliche Geschaeftsbereiche. Vielen Loesungen ist dabei gemeinsam, dass relationale Datenbanken, Netzwerksoftware oder grafische Benutzeroberflaechen den Zugriff auf verteilte Rechnerressourcen erleichtern und den Benutzer in die Lage versetzen, aus seiner jeweiligen Anwendung heraus uebergeordnete Daten und Dienste abrufen und mit anderen Benutzern kommunizieren zu koennen.

Die dafuer notwendige Rechenleistung ist durch den Preisverfall bei PCs und Workstations im Gegensatz zu Grossrechner-Zeiten erschwinglich geworden. Der Messebesucher kann sich diesen Sachverhalt an jedem Messestand vorrechnen lassen. Heute ist die in MIPS gemessene Rechenleistung eines PCs rund 250mal preisguenstiger als auf einem Grosssystem alter Schule. Bis zum Jahr 2000 - so jedenfalls zitiert die MMG die Marktforscher der Gartner Group - wird sich das Verhaeltnis von Durchsatz zu Dollar auf den Faktor 700 zugunsten der Arbeitsplatz-Rechner verlagern. Angesichts des Kostendrucks werden viele Unternehmen ihre DV auf kostenguenstige Plattformen portieren.

Wie leistungsfaehig bereits Rechner mit der Standflaeche eines DIN- A4-Blattes sind, zeigen verschiedene Aussteller am Beispiel der Notebook-Rechner. Sie verdauen komplexe Anwendung samt rechenintensiver Benutzeroberflaeche, lassen sich mit diversen Erweiterungen ausbauen und arbeiten in der Regel bis zu vier Stunden ohne Steckdose. Marktforschungsunternehmen wie die Dataquest GmbH, Muenchen, haben Prognosen ueber den Absatz von Notebooks und Laptops veroeffentlicht.

Noch in diesem Jahr sollendemnach in Europa rund 1,2 Millionen Geraete verkauft werden. Bis 1995 soll es weltweit bereits mehr Mobil- als Desktop-PCs geben.

Vor allem im Einsatz in Notebooks, aber auch in noch kleineren, nicht mehr als handballengrossen Palmtop-Rechnern wird auf der Systems eine Erweiterungs-Schnittstelle nach dem Standard Personal Computer Memory Card Interface Association (PCMCIA) gezeigt, auf den sich verschiedene Hersteller geeinigt haben. Ueber das scheckkartengrosse Interface lassen sich die Kleinrechner erweitern.

Obwohl die mobile Datenkommunikation im Hinblick auf eine europaeische Standardisierung noch in den Kinderschuhen steckt, koennen die Messebesucher bereits konkrete Mobil-PC-Loesungen im Modcom-Netz der Telekom sehen. Das derzeit im Probebetrieb laufende Netzwerk dient vor allem zur Abfrage von Datenbanken und soll beispielsweise die Arbeit von Aussendienst-Mitarbeitern unterstuetzen oder Unternehmen bei der Steuerung eines LKW- Fuhrparks helfen. Die Geschwindigkeit bei der Uebertragung von Daten betraegt derzeit 9,6 KB pro Sekunde.

Einen eigenen Schwerpunkt bei der Darstellung der Anwendungsmoeglichkeiten von Hard- und Softwareprodukten bildet der Multimedia-Bereich. Vor allem Marketing-, Schulungs- und Dienstleistungsunternehmen wie Banken, Versicherungen und Anbieter aus dem Medienbereich versprechen sich neue Moeglichkeiten von der Kombination verschiedener medialer Elemente. Auf der Messe werden Loesungen aus der Apple- und DOS-Welt gezeigt, innerhalb derer mit Audio- und Videosequenzen sowie PC-Daten analoge und digitale Techniken zusammenkommen.

Die auf der Messe ausgestellten Multimedia-Systeme sind groesstenteils mit optischen Laufwerken und speziellen Software- Erweiterungen ausgeruestet. Vor allem bei der Speichertechnologie ist bei den Herstellern Kreativitaet gefragt; eine Minute Videospass auf dem PC-Bildschirm wuerde ohne ausgefeilte Kompressionsverfahren ein Speichervolumen zwischen 18 und 22 MB beanspruchen.

Nach Aussagen des Marktforschungsinstituts IDC soll sich der installierte Bestand Multimedia-faehiger PCs in den kommenden zwoelf Monaten verdreifachen; Mitte dieses Jahres betrug er weltweit erst fuenf Prozent. Eine entsprechende Langfristprognose des Unternehmens schaetzt das Marktvolumen an Hard- und Software sowie Serviceleistungen im Multimedia-Bereich auf rund 3,5 Milliarden Mark.

Workgroup-Computing ist weiter en vogue

Das Messethema Netze und Workgroup-Computing wird in erster Linie im Zusammenhang mit Peer-to-peer-Netzwerken aufgerollt. Die Aussteller zeigen, wie einzelne Rechner gleichberechtigt miteinander verbunden werden und die Benutzer in Dialog treten koennen, ohne dass es eines eigenen Fileservers oder Netzwerk- Administrators bedarf. Da das Teilen von teurer Peripherie, Rechnerressourcen und Datenbestaenden beim Workgroup-Computing im Vordergrund steht, zeigen die Aussteller, wie sich Laserdrucker, CD-ROM-Laufwerke oder Festplattenverzeichnisse verschiedener Rechner beliebig vielen Benutzern zur Verfuegung stellen lassen.

Ebenso demonstrieren die Aussteller, wie sich einzelne Anwendungen bei Workgroup-Com- puting auf Peer-to-peer-Basis zusammen mit vollstaendigen Netzwerk-Betriebssystemen inklusive Server auf ein und derselben Kabelstrecke betreiben lassen. Neue Perspektiven bei dieser Art der Nutzung von Rechnern und verschiedenen Netzwerktypen ergeben sich fuer die Software-Entwicklung. Es geht darum, die Anwendungen selber unter Inanspruchnahme aller Hardware-ressourcen im Netz zu verteilen. Am 19. und 20. Oktober ergaenzt ein "Kommunikations-Kongress" den Ausstellungsschwerpunkt Netzwerke.

Einen weiteren Schwerpunkt der Messe stellt das Angebot an Hard- und Softwareloesungen fuer Betriebssysteme und Benutzeroberflaechen dar. Der Arbeitsplatz des einzelnen Anwenders ist heute umkaempft wie nie zuvor. Betriebssysteme und grafische Interfaces verschiedener Hersteller und mit unvereinbaren Grundkonzepten streiten um die Vorherrschaft. Wer selber Anwendungen mit komfortabler Benutzerfuehrung entwickeln muss, tut gut daran, sich fuer systemunabhaengige Software, ein Topthema der Systems, zu entscheiden.

Im Vordergrund der Exponate steht gleichwohl der nicht gerade offene Betriebssystem-Zusatz MS-Windows, das seit Version 3 mit Unterstuetzung des Leistungsvermoegens der Prozessoren 80386 und 80486 die anfaenglichen Akzeptanzbarrieren durchbrechen konnte. Ausserdem werden IBM und ihre Partner den Presenta- tion Manager im Zusammenspiel mit dem Betriebssystem OS/2 propagieren, das urspruenglich das betagte DOS abloesen und zudem zur dominierenden grafischen Benutzerfuehrung fuer PCs avancieren sollte.

Schliesslich sind Anwendungen unter OSF/Motif als Benutzer- Oberflaeche fuer Unix-Systeme zu sehen. Das von Hardware und Systemsoftware weitgehend unabhaengige Interface basiert auf der X- Window-Technologie.

Gute Aussichten fuer Kommunikationstechnik

Im Bereich der Kommunikationstechnik zeigt eine Reihe von Herstellern vor allem Mobiltelefone. Nach einer Studie der SAS soll die Stueckzahl verkaufter schnurloser Telefone in Europa von 4,5 Millionen in diesem Jahr auf 5,9 Millionen 1994 und 7,5 Millionen im Jahr darauf steigen. Bereits 1995 soll jedes fuenfte Telefon mobil sein. Die Hersteller wollen von Wachstumsimpulsen profitieren, die sie sich von der Digitalisierung des deutschen Telefonnetzes erhoffen.

Auch anderen Herstellern von Kommunikationssystemen winken in diesem Zusammenhang steigende Absatzzahlen. Die Prognos AG in Basel schaetzt, dass sich allein die Zahl der Datenkommunikations- Endgeraete in Westeuropa, Japan und den USA von 13,2 Millionen 1992 um rund 50 Prozent auf 20 Millionen im Jahr 1994 erhoehen soll. Gruende dafuer sehen die Schweizer Experten in der dann moeglichen simultanen Sprach- und Datenkommunika- tion, in erhoehter Geschwindigkeit und Zuverlaessigkeit sowie in guenstigeren Telekommunikationsdiensten.

Als wichtigsten Wachstumsmarkt nennt die Studie jedoch ISDN- Komponenten fuer die geschaeftliche Kommunikation, die digitalen Mobilfunknetze, private Faxgeraete und Datenkommunikations- Terminals. Was fuer ISDN spricht, wollen nach Angaben der Messegesellschaft die Aussteller anhand einer Reihe von Anwendungsloesungen zeigen. Sie sollen sich unter anderem durch rauschfreie Sprachuebertragung sowie sehr schnelle Text- und Datenuebertragung auszeichnen. Vorgefuehrt wird unter anderem, wie sich ein Textdokument erstellen, mit einer Sprach- und einer Videodatei versehen und schliesslich ueber ein lokales Netzwerk verschicken laesst. Der Empfaenger des Dokuments kann die Nachricht veraendern und erneut abschicken. Diese Kommunikationsvariante ist mit Hilfe des elektronischen Datenaustausches moeglich.

Nach Angaben der Messegesellschaft soll ein Blick hinter die Kulissen einiger Aussteller zeigen, dass mehrere Telefongesellschaften und Hersteller privater Nebenstellenanlagen an der Uebertragung von PC-Audio- und Video-Daten in Echtzeit arbeiten. Das Gesamtvolumen fuer Produkte der Telekommunikationstechnik soll sich laut Prognos in den USA, Japan und Westeuropa von 133 Milliarden Mark 1991 in zwei Jahren auf 235 Milliarden Mark erhoehen. u