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10.02.1995

Flexible Vertragsgestaltung als Marketing-Instrument User sind mit der Ueberwachung der Lizenzvertraege ueberfordert

MUENCHEN (CW) - Auf den Wunsch der Kunden nach Preisnachlaessen reagieren die Software-Anbieter mit immer mehr Vertragsvarianten. In den Anwenderunternehmen fuehrt diese Vielfalt der Lizenzbestimmungen jedoch vor allem dazu, dass die Verwaltung der Software immer schwieriger wird.

Selbst die Anbieter ueberblicken inzwischen nicht mehr alle Moeglichkeiten der Softwarelizenzierung. So berichtet die Software Publishers Association (SPA) von einer ueberraschend grossen Nachfrage nach ihrem in den USA herausgegebenen Modellkatalog von Lizenzvereinbarungen fuer PC-Software. Diesen Erfolg wolle man nun mit einer europaeischen Version der Publikation wiederholen. Das Interesse an dem Katalog fuehrt SPA darauf zurueck, dass Lizenzbestimmungen immer mehr zu einem Marketing-Werkzeug wuerden, mit dem man sich ebenso vom Mitbewerb abheben koenne wie durch Produkt-Features.

Dass die Organisation der Software-Anbieter mit dieser Deutung richtig liegt, demonstrieren zur Zeit die Klagen einiger Sybase- Kunden. Sie haben nach Informationen der CW-Schwesterpublikation "Infoworld" herausgefunden, dass die Kaeufer aehnlicher Datenbankprodukte von anderen Herstellern auf bestimmte Serviceleistungen, die bei Sybase-Kunden Vertragsbestandteil sind, verzichten koennen. Da der Service bis zu 30 Prozent des Preises ausmacht, verlangen die Sybase-Anwender nun ebenfalls diese Option.

Verstaerkt wird der Trend zu unterschiedlichen Vertragsvarianten durch neue Netztechniken, mit deren Hilfe es zum Beispiel moeglich ist, die jeweils in Gebrauch befindlichen Anwendungskopien zu zaehlen. Das gilt keineswegs nur fuer den PC-Bereich. So enthaelt die OSF-Management-Software Distributed Computing Environment (DCE) eine Funktion, mit der sich unternehmensweit die tatsaechliche Nutzung eines Programmes dokumentieren laesst.

Zur Zeit scheinen die technischen Schwierigkeiten einer solcher Loesung noch nicht ganz ausgeraeumt. So kommen Softwaredistributionssysteme in Schwierigkeiten, wenn ein User eine neue, etwa von einer USA-Reise mitgebrachte Programmversion bereits individuell im Netz installiert hat. Dann muss der Supportverantwortliche bei dem Betreffenden vor Ort nach dem Rechten sehen.

Der Trend zu einer an der tatsaechlichen Nutzung orientierten Lizenzierung setzt ein Mass an Koordination in den Anwenderunternehmen voraus, das dort nur selten existiert. In grossen Organisationen ist es schon jetzt nicht einfach, den Ueberblick zu behalten, wie viele Kopien eines Produkts in welcher Version in Gebrauch sind. Laesst nun ein Hersteller mehrere Lizenzvarianten zu, wird es noch komplizierter. Dies gilt vor allem, wenn der Anbieter Preisnachlaesse mit einer Verringerung des Supports verbindet oder mit einer Einschraenkung der Kopierrechte.

"Wer weiss heute noch", nennt Graham Hay, IS-Manager bei Swire Beverages in Hongkong, ein Beispiel fuer schwer zu ueberblickende Altregelungen, "dass die fruehen Dbase-Vertraege von Ashton Tate die Lizenz auf 25 Jahre beschraenkten? Nach Ablauf dieser Frist muss der Kunde Handbuecher und Orginaldisketten an den Hersteller zurueckschicken."

Diese Probleme bedeuten nicht, dass die Anwender keine guenstigeren Vertragsoptionen wollen. Ihnen geht es vor allem um Preisnachlaesse. Grossanwender wie die Telecom Hongkong wuenschen sich etwa einen produktuebergreifenden Mengenrabatt, bei dem die Anzahl aller bei einem Hersteller erworbenen Programme ins Gewicht faellt.

Kleinere Unternehmen wie die Hongkong-Niederlassung der British- American Tobacco Co. sind mit der Abrechnung nach Lizenz pro User im Prinzip zufrieden. Als Alternative sieht man dort allenfalls die Moeglichkeit des Erwerbs von zum Beispiel 50 Lizenzen fuer 100 Mitarbeiter, sofern die betroffenen Produkte nicht gleichzeitig von allen benutzt werden. Hier stellt sich jedoch wieder das Problem der technischen Kontrolle. Ausserdem wird das vereinbarte Limit nicht selten kurzfristig ueberschritten.

Zur Loesung all dieser Probleme schlagen Microsoft und andere Hersteller eine datenbankbasierte Lizenz-Schnittstelle vor. Beim Erwerb einer Software sollen die Vertragsbedingungen in der Datenbank abgelegt und deren Einhaltung ueber die Schnittstelle garantiert werden. So wird zum Beispiel der Aufruf eines Programmes verhindert, wenn die in der Datenbank festgeschriebene Nutzerzahl ueberschritten wird.