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26.08.1983 - 

Der kleine und mittlere Anwender hat die Qual der Wahl:

Flexibler mit dem eigenen externen Rechner

Viele große Unternehmen haben ihre Bildschirmtext-Feuerprobe schon im Feldversuch überstanden und gehen den bundesweiten Dienst mit sehr konkreten Konzepten an. Dagegen herrscht auf Seiten der kleinen und mittleren Unternehmen teilweise noch Unsicherheit darüber, welche Form des Angebots für ihre Belange am günstigsten ist. Gleichwohl ist das Thema gerade für diesen Wirtschaftssektor aktuell. Lothar Witte, Geschäftsführer der Münchener Telenet GmbH, stellt die verschiedenen Einstiegsmöglichkeiten gegeneinander.

Eine wichtige Basis für das Herausfinden der am besten geeigneten Einstiegslösung sind die Zielvorstellungen, die ein kleinerer Btx-Newcomer mit seinem Engagement verknüpft. Das Verbreiten von allgemeiner Werbung für Waren und Dienstleistungen erfordert beispielsweise einen geringeren Aufwand bezüglich individueller Dialoggestaltung und Flexibilität als das Verkaufen von Waren und Dienstleistungen über Btx-Bestellformulare.

Wer Bildschirmtext gar als Dispositionsinstrument für seine Außendienststeuerung einsetzen möchte, fordert im Sinne einer effizienten Abwicklung individuelle Datenverarbeitungsleistungen im interaktiven Dialog.

Aus der Vielzahl der Einstiegsmöglichkeiten sollen einmal die drei wichtigsten herausgegriffen und durchleuchtet werden (Bild 1):

- Einstieg 1

Anbieten von Informationen und Dienstleistungen über ein Service-Rechenzentrum durch Anmieten von Seiten in der Btx-Datenbank eines externen Rechners.

- Einstieg 2

Anbieten von Informationen und Dienstleistungen über die Datenbank in der Bildschirmtext-Vermittlungsstelle (Btx-Vst) der Deutschen Bundespost.

- Einstieg 3

Anbieten von Informationen und Dienstleistungen durch Einsatz eines eigenen kleinen externen Rechners.

Für die Bewertung dieser Varianten wurden folgende Maßstäbe zugrunde gelegt:

- Einstiegskosten für die Teilnahme als Informationsanbieter

- Softwareaufwand für den Anschluß an den Btx-Dienst

- Zeitaufwand, um an aktuelle Informationen zu gelangen

- Flexible Gestaltung der Dialogabläufe

- Flexibilität und Effizienz bei der Weiterbearbeitung der Vorgänge

- Aktualität des Informations- und Dienstleistungsangebots

- Flexibilität bei Erweiterung beziehungsweise Einschränkung des Angebots

- Kostenrisiko bei "Ladenhüter"-Diensten und Informationen

- Möglichkeiten für logisches Suchen ohne Kenntnis der Seitenstruktur

- Angebot von aktuellen Daten und Informationen, deren Ursprung nicht aus dem Bildschirmtext-Rechnerverbund resultiert

- Aktuelle Auskünfte über Akzeptanz des Informations- und Dienstleistungsangebots

Variante 1: Die Service-RZ-Lösung

Zu Beginn einer Entscheidung für einen möglichst risikoarmen Btx-Einstieg steht sicherlich die Erwägung, diesen Schritt mit Hilfe eines entsprechend ausgestatteten Service-Rechenzentrums anzugehen. Ein solcher Einstieg ist auf den ersten Blick mit dem geringsten Aufwand verbunden: Im einfachsten Fall trägt man seine Vorstellungen und Ideen den dortigen Btx-Fachleuten vor und diese setzen anschließend die Ideen in Btx-Seiten und in ein EDV-Konzept um, das auf dem externen Rechner ablauffähig ist. Mit dem Einbringen der Btx-Seiten in die Datenbank des externen Rechners und dem Anbieten im Rahmen des Bildschirmtext-Rechnerverbunds ist dieser Einstieg bereits vollzogen.

Die Kosten lassen sich relativ scharf eingrenzen: Im wesentlichen handelt es sich dabei um die Dienstleistungen für das Erstellen von Seiten sowie möglicherweise für Anpassungen oder Erweiterungen im Benutzerteil der Btx-Software. Für den laufenden Betrieb erhebt das RZ in der Regel Gebühren für jede Seite, die der Kleinanbieter in der Datenbank des externen Rechners deponiert. Das gesamte Kosten- und Betriebsrisiko für

- die Btx-Grundsoftware (X.25, EHKP4, EHKP6, Btx-Dialogprotokoll),

- den Datex-P 10-Anschluß und Betrieb,

- die Btx-Gebührenabrechnung mit der Post sowie das

- Einbringen von Gateway- und Übergabeseiten in die Btx-Datenbank der Post

liegt beim Betreiber des Service-RZs. Je mehr kleinere und mittlere Unternehmen er für seine Dienste gewinnen kann, desto günstiger wird sich für den einzelnen die Umlage für diese allgemeinen Kosten gestalten.

Auf den ersten Blick eine recht bequeme Einstiegslösung für jemanden, der nicht groß genug ist, um sich mit einer eigenen EDV-Anlage in die Btx-Welt zu wagen, und dem die angebotenen Btx-Basisdienste eines Service-Rechenzentrums wie Abrufen von Informationen, Mitteilungsdienst und Sammeln von Eingabedaten ausreichen. Bei genauerem Hinsehen kann diese Einstiegslösung jedoch in eine Sackgasse führen. Stehen nämlich Anforderungen auf der Prioritätsliste, die ein Rechenzentrum nicht oder nur unzureichend erfüllen kann, so bleibt der erhoffte Werbungs- und Umsatzeffekt im Wettbewerb mit flexibleren Btx-Konkurrenten aus. Bei einer Entscheidung für diese Lösung sollte ein Kleinanbieter deshalb die in der Tabelle aufgelisteten Kriterien genau prüfen.

Variante 2: Die Datenbank der Post

Mit diesem geht ein Kleinanbieter den konsequenten Weg in Richtung Eigenständigkeit. Als Grundausstattung benötigt er ein professionelles Btx-Terminal mit Farbbildschirm, alphanumerischer Tastatur, Massenspeicher (Magnetbandkassette oder Mini-Diskette), CEPT-Decoder und Modern für den Anschluß an das Btx-Verbundsystem. Es empfiehlt sich weiterhin, ein solches Terminal mit einem Softwarebaustein zum Editieren von Btx-Seiten auszustatten, weil die Online-Editierhilfen der Postrechner nur äußerst magere Funktionen zur Unterstützung des Entwurfs bieten. Die Einstandskosten für diesen Einstieg liegen sicherlich etwas höher als bei der zuvor dargestellten Lösung.

Neben dieser Grundausstattung empfiehlt es sich, einen speziellen Fernsprechanschluß für Bildschirmtext zu benutzen, der nicht durch normale Telefongespräche belegt wird. Dadurch läßt sich eine gegenseitige Blockade von Bildschirmtext- und Fernsprechbetrieb vermeiden. Geht man bei einem Kleinanbieter davon aus, daß täglich etwa 50 bis 100 Seiten mit durchschnittlich 2500 Bytes pro Seite zu transferieren sind, so ist ein Fernsprechanschluß bei einer Übertragungsgeschwindigkeit von 1200 Bit pro Sekunde zwischen Btx-Vst und Terminal allein für die Seitenübertragung einige Stunden belegt.

Die Dienste der Post beschränken sich exakt auf die Basisdienste eines Service-Rechenzentrums, wie sie bereits im Zusammenhang mit der Einstiegslösung 1 dargestellt wurden.

Dienste, die darüber hinausgehen, wird ein Btx-Einsteiger vergeblich suchen. Die Vorteile gegenüber der Service-Rechenzentrum-Lösung liegen darin, daß ein Kleinanbieter einen direkteren Zugriff auf seine angebotenen Btx-Seiten sowie auf eingegangene Mitteilungen und Bestellungen erhält. Dennoch erweist sich dieser Einstieg - wie die Tabelle zeigt - bei speziellen Anforderungen als zu wenig leistungsfähig.

Variante 3: Der eigene externe Rechner

Diese Lösung ist von allen dargestellten Möglichkeiten diejenige, die eine umfassende Freizügigkeit und Flexibilität bietet. Auf den ersten Blick erscheint die Investitionsschwelle recht hoch, benötigt ein kleiner Btx-Einsteiger doch bereits einen vollwertigen externen Rechner für diese Lösung. Dennoch überwiegen die Argumente für einen solchen Einstieg, wenn Anforderungen zu erfüllen sind, die mit den beiden anderen Wegen unmöglich zu erfüllen sind (siehe Tabelle).

Der technische Aufwand, den ein mittlerer Btx-Einsteiger treiben muß, um diese professionelle Lösung anzugehen: Kern ist ein Mini- beziehungsweise Mikrocomputersystem mit Massenspeicher für die Bildschirmtext-Datenbank, einer Bedienungskonsole und einem Editierplatz für Btx-Seiten. Eine weitere Voraussetzung ist der Anschluß an das Datex-P-Netz. Das ist je nach System entweder mit einem handelsüblichen X.25-Protokollkonverter oder mit einer integrierten X.25-Steuerung zu erreichen. Diese Basiskonfiguration ist zu ergänzen mit einem Bildschirmtext-Paket für Dialoganwendungen.

Jeder, der an einen Einstieg in die Btx-Welt denkt, sollte sorgfältig zwischen den weniger flexiblen und leistungsfähigen Einstiegslösungen 1 und 2 und der bezüglich Individualität und Flexibilität optimalen Einstiegslösung 3 abwägen. Die ersten beiden Lösungen bieten nur dann Vorteile, wenn ein relativ kleines Informationsangebot vorliegt, das zudem selten Änderungen unterliegt.