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17.03.2000 - 

Kolumne

Fliesenleger statt Inder?

Hans Königes, Redakteur CW

Über vier Millionen Arbeitslose, davon 30 000 jobsuchende IT-Spezialisten - die Zahlen sprechen eigentlich für sich. Das meinen zumindest die Gewerkschaften, die Opposition und Deutschlands Stammtische. Sie wettern gegen des Bundeskanzlers Green-Card-Vorschlag und fordern "Kinder statt Inder an den PC" (O-Ton Rüttgers), mehr Ausbildungsplätze, oder, so eine jüngste Emnid-Umfrage, gar keine Joberlaubnis für Ausländer.

Tatsache ist, dass ein akuter Mangel an hochqualifizierten IT-Spezialisten herrscht - auch wenn viele Leserbriefschreiber in diesen Tagen als Reaktion auf das Schröder-Vorhaben das Gegenteil suggerieren. Fakt ist auch, dass sich trotz Umschulungen, steigender Azubi- und Informatikstudenten-Zahlen der Mangel so schnell nicht beseitigen lässt. Nach einer aktuellen Berechnung der Bundesanstalt für Arbeit können die Firmen in diesem Jahr mit etwa 34000 IT-Absolventen rechnen (unter anderem 7000 Azubis, 6000 Hochschulinformatiker, 11000 Umschüler, 8000 Hochschulabsolventen IT-verwandter Studiengänge) - viel zu wenig, um den Bedarf von rund 75000 zu decken.

Wenn jetzt die Forderung laut wird, man solle doch stärker Arbeitslose fortbilden, wird die Situation völlig verkannt. Denn nicht aus jedem arbeitslosen Ägyptologen oder Fliesenleger lässt sich ein IT-Profi machen - auch wenn natürlich Ausnahmen die Regel bestätigen. IT-Spezialist ist nicht gleich IT-Spezialist. Selbst mancher arbeitslose Cobol-Experte fürchtet die objektorientierte Programmierung wie der Teufel das Weihwasser.

Es geht aber um viel mehr als um die Frage, ob und wieviel IT-Fachleute wir ins Land lassen. Wer A zur Globalisierung sagt, muss auch B sagen und die Konsequenzen tragen. Der weltweite Wettbewerb um Produkte und Dienstleistungen ist auch ein Kampf um die besten Spezialisten. Nur wer ihnen attraktive Angebote machen kann und entsprechende Rahmenbedingungen schafft, hat eine Chance, sie zu engagieren.

Durch jeden Arbeitsplatz, den diese Profis besetzen, entstehen drei weitere, etwa im Support, in der Programmierung oder in Vertrieb und Marketing. Im Internet-Zeitalter taugt die klassische deutsche Lösung, erst das Problem zerreden und dann hoffen, dass es in Vergessenheit gerät, nicht mehr.