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Verteilte Datenverarbeitung


12.08.1983 - 

"Flottes Separatistendasein" in den einzelnen Abteilungen:DDP mit Mikros ist immer noch Zukunftsmusik

Nicht sehr gut bestellt ist es vorläufig In der Praxis um den Einsatz von Mikrocomputern in der verteilten Datenverarbeitung (DDP). Neben wirtschaftlichen Überlegungen spielen nach wie vor auch technische Probleme eine Rolle. Noch können die Anwender nicht absehen, wie sich der Markt entwickeln wird und verhalten sich deshalb zum großen Teil zurückhaltend.

Eine Kostenersparnis darf sich der Anwender heute noch nicht erhoffen, wenn er Mikrocomputer statt "dummer" Terminals vor Ort einsetzt. Der Nutzen eines solchen Rechnerverbundes läßt sich objektiv nur schwer bewerten. Als Anhaltspunkt für die Rentabilität sehen viele Anwender die Unternehmensgröße an, wobei Umsatz und Mitarbeiterzahl neben Fragen der Infrastruktur und Datensicherheit die größte Rolle spielen. Zur "handfesten Fehlinvestition" wird der Mikrocomputer nach Ansicht von Peter Brentle, Org./DVLeiter bei der Panavia Aircraft GmbH, München, wenn der Sachbearbeiter in der Fachabteilung das Interesse an seiner neuen Maschine verliere, beispielsweise wenn Fehler auftreten und sie dann nicht mehr benütze. Die grundlegende Frage für den Mikro-Einsatz in DDP-Anwendungen lautet deshalb: Wieviel lokale Intelligenz ist vor Ort überhaupt notwendig?

Kein einheitlicher Trend in der Technik

Betrachtet man das Angebotsspektrum vom technischen Blickwinkel aus, so zeichnet sich noch kein einheitlicher Trend ab, welche Netzwerke und Gateways sich auf Dauer behaupten. Der Markt wird sich aber vermutlich in den nächsten Jahren konsolidieren. Fachleute vermuten daß etwa fünf bis sechs Hersteller überleben und dann die Konkurrenten dazu zwingen können, sich anzupassen.

IBM soll "gordischen Knoten" zerschlagen

Ein "großes Loch" sieht der DV-Leiter der Panavia bei der Abspeicherung von Faksimiles und beim Voice-Mailing. Er ist der Meinung, auch deutsche Anbieter könnten hier Erfolge verzeichnen, IBM dürfte jedoch nachziehen. Brentle: "Ich erwarte daß die IBM diesen gordischen Knoten zerschlagen wird, indem sie ihrerseits ein praktikables Netz herausbringt." Seiner Ansicht nach öffnet sich "Big Blue" einem Markt steckerkompatibler Hersteller und wird sich immer mehr behaupten, "um dann wieder dicht zu machen".

Trotz aller Kritik am Personal Computer ist Heinz Rau, Ressortleiter DV der Nestle-Gruppe Deutschland GmbH, Frankfurt, davon über zeugt, daß "Produkte wie Apple, Commodore und sicher auch der PC von IBM ohne Probleme mit einem IBM-Hostrechner zusammenarbeiten können". Ein typisches Szenario sieht für ihn folgendermaßen aus: Der Sachbearbeiter holt sich in der Fachabteilung über seinen Rechner eine Datei vom Host in seinen Mikro und arbeitet dann damit an seinem Platz. Er kann dabei die Daten im Großcomputer nur lesen, nicht jedoch verändern. Zu diesem Zweck steht dem Benutzer lediglich eine Kopie zur Verfügung, mit der er "machen kann, was er will". Der Host wird davon nicht betroffen.

Mikros sind noch zu eigenwillig

Trotz aller Behauptungen der Hersteller, mit normierten Schnittstellen zu arbeiten, gibt es vor allem auf der Großrechnerseite noch erhebliche Probleme bei der Übertragung: Die zum Teil eigenwillig programmierten Mikros und Textprozessoren geben oft Signale ab, die falsch oder gar nicht interpretiert werden. Schon die verschiedenen Programmiersprachen können Ärger machen, je nachdem, ob ein Compiler oder Interpreter im Einsatz war und gegebenenfalls die Umsetzroutine richtig funktionierte.

Brentle plädiert deshalb für die Vernetzung der Rechner in den einzelnen Abteilungen per LAN mit einem genau ausgetesteten Gateway zum Großcomputer, das vom lokalen Datenverkehr nicht belastet wird. Sternförmige Anschlüsse von Mikros an einen Host hält er als Einzellösung für nicht geeignet.

Die alte Weisheit scheint sich auch hier zu bewahrheiten: nach Möglichkeit Produkte desselben Anbieters miteinander kombinieren und die Hersteller weiter dazu animieren, sich über einheitliche Schnittstellen zu verständigen.

Dienste der Bundespost richtig einsetzen

Nicht zu vernachlässigen ist nach Meinung der Befragten die Gebührenpolitik der Deutschen Bundespost. Der Nestlé-Ressortleiter sieht hierin eine rein wirtschaftliche Überlegung, da heute vom technischen Standpunkt her beides machbar sei: die "Vor-Ort-Intelligenz" und die Verbindung zum Zentralrechner mit unintelligenten Terminals.

Zwei Dienste kommen hier in Frage: Datex-L hat die Eigenschaft, daß die Einschaltzeit die Höhe der Gebühren bestimmt, während bei Datex-P die übertragene Datenmenge ausschlaggebend ist. So könnte das Abrufen der monatlichen Umsatzstatistik in einem Verkaufsbüro eine typische Datex-P-Anwendung sein, da die Sachbearbeiter meist lediglich einen Bruchteil des gesamten Zahlenmaterials benötigen. Eine andere Überlegung wäre, die gesamte Statistik mittels Datex-L auf den Mikro am Arbeitsplatz zu übernehmen und sie dann vor Ort zu verwenden, ohne für jede Datenmanipulation Postgebühren bezahlen zu müssen. Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung über einen längeren Zeitraum hinweg kann hier oft als Entscheidungshilfe dienen.

Unterschiedlich beurteilen die Anwender den Einfluß der DDP mit Mikros auf die innerbetriebliche Kommunikation: Einerseits scheint sich ein Trend abzuzeichnen, daß die Mitarbeiter aufgeschlossener sind und anderen Fachabteilungen oder der DV mehr Verständnis entgegenbringen als früher. Sie haben jedoch fast immer nur einen kleinen, persönlich geprägten Einblick und überschauen das Gesamtkonzept nicht. Stellt man einem solchen User nun einen Mikrocomputer an den Arbeitsplatz, so muß er selbst die Initiative ergreifen und sich in das für ihn fremde Gebiet der DV hineindenken. Die Voraussetzungen dafür sind bei den einzelnen Benutzern denkbar unterschiedlich, so daß sich eine allgemeingültige Aussage über die Akzeptanz nicht treffen läßt.

Separatismus macht DV zum Sündenbock

Eine Gefahr sieht Peter Brentle von der Panavia im "flotten Separatistendasein", zu dem die DDP die einzelnen Abteilungen oft ermuntert: Der Mikro am Arbeitsplatz kann schnell zu einem Instrument werden, das die "kleine, persönliche Firmenpolitik" des einzelnen Mitarbeiters begünstigt, der seinem Nachbarn beweisen will, um wieviel schlauer er doch ist. Wirft die Datenverarbeitung nun über alle ein gemeinsames Netz und deckt so diese Graubereiche zwischen den einzelnen Zuständigkeitsbereichen auf, ist es oft die billigste Lösung, die DV-Verantwortlichen zum Sündenbock für alles zu machen. Da die Fachabteilungen in den meisten Betrieben am längeren Hebel sitzen, steht im Konfliktfall der Gewinner meist von vorneherein fest. Nur eine genaue Kontrolle durch das Management und mehr unternehmensinterner Einfluß für den DV-Leiter können hier nach Meinung einiger Anwender negative Auswüchse unterbinden.