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06.10.1989 - 

Inkompatibilität in Europa verursacht Schäden in Milliardenhöhe:

Flugsicherungssystem auf Warteschleife geschickt

FRANKFURT (pg) - Die Flugsicherung in Europa ist TK- lahm. Die Inkompatibilität der nationalen Systeme wird in einer Studie, die vom Planungsbüro Luftraumnutzer (PL) initiiert wurde, für das Chaos in Europas Lüften verantwortlich gemacht. Als Zwischenlösung wird jetzt die "Harmonisierung" der Systeme mit OSI-Protokollen vorgeschlagen.

Die von der Anwaltssozietät Wilmer, Cutler & Pickering, London, erstellte Studie mit dem Titel "Die Krise der europäischen Flugsicherung, Kosten und Lösungen" hat an die Öffentlichkeit gebracht, was viele Insider längst wissen: Nationale System-Eigenbrötlerei zwingt die Fluglotsen zur Weitergabe der Flugdaten mit Mitteln der TK-Steinzeit. So müssen zum Beispiel die Flugplan-, Radar und Flugverlaufsdaten nach Auskunft von Hans-Jürgen Morscheck, stellvertretender Leiter des PL, von dem Lotsen der Kontrollzentrale München telefonisch an die Kollegen in Italien übergeben werden.

Das ist kein Einzelfall. Die "Inkompatibilitätslücke" klafft in Europa zwischen fast allen Ländern. Folge: Telefon und Telex müssen als Lückenbüßer dienen. Um auf die katastrophalen Zustände aufmerksam zu machen, wurde von der Lufthansa AG, der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) und Deutscher Luftfahrtunternehmer (ADL) im März 1988 das PL gegründet. Ziel war es, so Morscheck, "mit dem Papier Forderungen im politischen Raum aufzustellen."

Gefordert sind jetzt die Politiker. In der Studie heißt es: "Der

europäische Rat der Staats- und Regierungschefs muß die Initiative für die Überwindung der europäischen Flugsicherungskrise ergreifen." Ehe jedoch ein europaweiter Standard für die Flugsicherung gefunden werden kann, an dessen Ende, so die Studie, ein vollintegriertes Sicherungssystem für Europa stehen sollte, müssen Zwischenlösungen geschaffen werden. Immerhin entstehen laut Studie jährlich 10 Milliarden Mark Schaden und Verspätungen von rund 330000 Stunden.

"Black Boxes" sollen Daten konvertieren

Als Übergangslösung schlagen die Experten daher die Harmonisierung der bestehenden 22 Systeme vor. Im ersten Schritt wäre dann die Anschaffung zusätzlicher Rechner geplant, die als "Black Box" die Daten von einem System in das andere konvertieren. Der zweite Schritt sieht die Herstellung der Kompatibilität bei allen Anlagen durch eine Modifizierung der Software und einheitliche Standards vor. In diesem Zusammenhang sei, so Morscheck, der Einsatz von OSI-Protokollen

gut vorstellbar.

Letzte Maßnahme bei der Realisierung einer Zwischenlösung wäre laut Studie die Installation eines Datenkommunikationssystems, das sämtliche Flugsicherungszentralen miteinander vernetzt. Jeder Lotse würde dann die gleichen Daten und Bilder einer Verkehrslage erhalten, Rechner die Flüge automatisch identifizieren und weiterreichen. Die Kosten einer solchen Notlösung schätzen Experten auf nur zwei bis vier Milliarden Mark, weil die Hälfte des nötigen Equipments und 75 Prozent der Datenverbindungen bereits installiert sei.

Selbst die veranschlagte Summe von zehn bis 20 Milliarden Mark für die längerfristige, optimale Lösung - ein vollintegriertes Flugsicherungssystem für Europa - würde sich, so die Studie, rasch rechnen, da bei Kostensenkung die doppelte Kapazität von nur 12 regionalen Kontrollzentren bewältigt werden könnte.

Jede dieser Kontrollstellen müßte dann, so kalkulieren Fachleute, mit einem zentralen Großrechner und 2200 Sichtgeräten zur Abwicklung der Kontrollaufgaben ausgestattet werden. Die Datenübertragung zu den anderen elf Großrechnern der übrigen Kontrollzentren würde in Echtzeit erfolgen. Die Software für ein solch umfangreiches Rechnersystem müßte aber, wie in der Studie eingeräumt wird, erst noch entwickelt werden.