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24.04.1998 - 

Fokus auf spezifische Märkte

Fokus auf spezifische Märkte Neues Geschäftsmodell führt SGI in Richtung Intel

"Es gibt ab sofort ein anderes Unternehmen und eine andere Strategie", verkündete CEO Rick Beluzzo optimistisch, "bislang waren wir im High-end; jetzt nehmen wir unsere Technologie, bringen sie in den Mainstream und verdoppeln damit den adressierbaren Markt, den wir bedienen."Dabei will der Hersteller sich vor allem auf sechs Kernsegmente konzentrieren: Kommunikation, Energie, Unterhaltung, öffentliche Verwaltung sowie verarbeitende Industrie und Wissenschaft.

Dazu plant SGI ein ganzes Paket von Maßnahmen.Noch in diesem Jahr sollen erste Workstations mit Intel-Prozessoren (IA-32) und Windows NT auf den Markt kommen.Jerry Sheridan von Dataquest bemerkt dazu: "Das ist schon eine echte Revolution für SGI, das so lange an Mips festgehalten und sich gegen Windows NT und Intel gesträubt hat."

Die Chipsparte Mips Technologies Inc. wird mit einem Börsengang (Initial Public Offering = IPO) von 20 Prozent des Stammkapitals wieder ausgegründet. Ähnliches blüht möglicherweise auch Cosmo Software, das entweder durch Verkauf der Technologie oder Gründung eines Spin-offs aus dem operativen Geschäft herausgenommen werden soll.

Weiterhin ist eine Portierung des hauseigenen Unix-Derivats Irix auf Intels IA-64-Architektur ("Merced") im Laufe der kommenden zwei bis drei Jahre vorgesehen.Eine Verringerung der gesamten operativen Kosten möchte SGI durch weniger Geschäftsbereiche, die Aufgabe unrentabler Aktivitäten sowie eine Verkleinerung des Personalstammes um zirka 1000 Beschäftigte (durch Einstellungsstopp und Entlassungen) erreichen.

Die Neuausrichtung kommt nicht von ungefähr.Hersteller wie Intergraph, Hewlett-Packard und Netpower drängen mit leistungsfähigen Grafik-Workstations schon seit längerem in die einstige Domäne von SGI.Die Wasseroberflächen im erfolgreichsten Film aller Zeiten, "Titanic", wurden mit Alpha-Servern unter Linux statt auf SGI-Systemen (wie einst die Saurier im Spielberg-Epos "Jurassic Park") berechnet.Bei den Supercomputern bedarf der Hersteller der Protektion durch die US-Kartellbehörden gegen die Niedrigpreisangebote der japanischen Konkurrenz.

Der Kurs des SGI-Papiers ist nach einer Reihe verlustreicher Quartale inzwischen auf ein Drittel des Wertes von 1995 abgerutscht.Unter dem Druck des Marktes bleibt der Company somit kaum eine andere Wahl, als mit dem Strom zu schwimmen und zu versuchen, ihren - zweifellos in manchen Bereichen noch vorhandenen - technologischen Vorsprung vor der neuen Konkurrenz zu retten.

Gedämpfter Optimismus bei den Analysten

Grundsätzlich sind die Analysten geteilter Meinung über die Chancen von SGI. Offen ist vor allem die Frage, ob in der Wintel-Welt überhaupt Platz für die High-end-Grafikeigenschaften ist, mit denen sich der Hersteller vom Wettbewerb absetzen will.

Obwohl Robert Ewald, SGIs Executive Vice-President für Computersysteme, für sein Unternehmen energisch den Schritt "in Richtung 1000-Dollar-Home- oder 500-Dollar-PC-Markt" von sich gewiesen hat, meint Mark Hardie von Forrester Research: "Wenn sie bei SGI nicht bemerkt haben, daß sie gegen PCs antreten, dann sollten sie noch einmal neu nachdenken."Zwar könne man den Anbieter nicht mit Dell, Gateway oder Compaq vergleichen, aber "die Gateways dieser Welt wollen alle ihre Systeme in Richtung High-end trimmen."

Rob Enderle von der Giga Information Group sieht keine andere Möglichkeit für Silicon Graphics: "Der jetzt eingeschlagene Weg, die Wintel-Fähigkeiten auszubauen und sich gleichzeitig mit herausragender Grafikleistung abzuheben, ist nicht nur der beste, sondern der einzig gangbare, um das Ruder überhaupt herumzureißen."Als Risikofaktoren nennt er die möglicherweise nicht ausreichenden Unternehmenskenntnisse des neuen Chefs Beluzzo (seit Januar 1998 im Amt) und die Zeitspanne, die es bis zum Erscheinen des Merced und dessen Integration zu überbrücken gelte.Deshalb rechnet er nicht vor Mitte des Jahres 2000 mit einem entscheidenden Turnaround.

Forrester-Analyst Hardie glaubt ebenfalls, daß Beluzzo angesichts des massenhaften Vordringens von NT in den Grafik- und Multimedia-Bereich den richtigen Schritt getan hat: "Nicht nur SGI hat solche Probleme - es ist einfach ein enormer Aufwand, seine Systeme kompatibel mit anderen zu halten, und es verschlingt Ressourcen."

Positiv sieht die jüngste Entwicklung auch Tom Copeland von der International Data Corp.(IDC)."SGI hat viel Erfahrung in den Bereichen Animation und Engineering", bestätigt er und führt als weiteren Pluspunkt an: "Sie können bei Bedarf gleichzeitig auch Hochleistungs-Server anbieten, mit denen Compaq oder Dell nicht aufwarten können - die meisten Kunden brauchen beides."

SNI und Mips

In Deutschland sind neben den Produkten von SGI vor allem zahlreiche Mips-Systeme ("RM") von der Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG (SNI) installiert.Der Hersteller hält sich allerdings bis zur Ankündigung seiner langfristigen Unix-Strategie am 27.April bedeckt.Herbert Schweikl, Chef Marketing Communications für die Server-Systeme, meinte vorab lediglich: "Wir müssen unseren Kunden zukunftssichere Unix-Lösungen für das nächste Jahrzehnt anbieten und haben dazu natürlich die Kombination der besten Prozessor- und Betriebssystem-Technologie gesucht."

Michael Wiemers, Leiter des Arbeitskreises High-end-Server der SNI-Anwendervereinigung SAVE e.V., weiß derzeit auch nur, daß bis Ende 1999 die Mips-Zukunft bei SNI noch gesichert ist."Für uns geht es vor allem um den Schutz unserer Investitionen.Wir verfolgen die Angelegenheit kritisch und wollen das Thema in keinem Fall unter den Tisch fallen lassen."

Auswirkungen auf das Produktportfolio

Die stärkere Ausrichtung in Richtung der Wintel-Allianz schlägt sich auch in den Roadmaps für SGIs verschiedene Produktlinien nieder.

Für die Unix-Workstations der Modellreihen "O2", "Octane" und "Onyx 2" stehen zunächst Prozessor-Upgrades und neue Grafiksubsysteme auf dem Programm.In der zweiten Jahreshälfte 1998 debütieren dann die ersten Intel-basierten Systeme unter Windows NT, allerdings noch mit 32-Bit-Prozessoren.Mit dem Erscheinen der 64-Bit-Merced-Prozessoren (vermutlich Ende 1999) sollen dann unter einem an die neue Architektur angepaßten 64-Bit-Irix ganz neue Unix-Maschinen folgen.

Die Palette der Server steht zunächst weiterhin ganz im Zeichen der cc:Numa-Architektur (Cache-coherent Non-uniform memory access).Hier erfolgt die Weiterentwicklung zunächst auf Basis der Mips-Prozessoren, als Betriebssystem dient wie gehabt Irix.Für die nähere Zukunft stehen Skalierung bis auf 128 Prozessoren, echte 64-Bit-Adressierung, Echtzeit-Eigenschaften sowie die Verarbeitung großer Datenmengen im Mittelpunkt.Die IA-32-Familie kommt bei den Servern nicht zum Einsatz.Erst mit dem Sprung auf 64 Bit sind neue Maschinen geplant, ohne daß die bisherigen Linien deswegen eingestellt werden sollen.

Für die von Cray geerbten Supercomputer ("T3E", "J90" sowie "T90") sowie die "Origin-2000"-Serie ist langfristig eine Vereinheitlichung von jetzt vier auf nur noch zwei Modellinien angedacht, eine Familie von Vektorrechnern und eine mit massiv-paralleler Architektur (MPP).Dabei soll für die bisherigen Anwender die Abwärtskompatibilität gewährleistet sein.Kerntechniken, die künftig zum Einsatz kommen sollen, sind cc:Numa, ein hochskalierendes Irix mit Windows-NT-Interoperabilität sowie kostengünstige CMOS-Prozessoren (sowohl Intel-Massenware als auch Spezialentwicklungen).