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19.07.2007

FOKUS: Der Premiere-arena-Deal: Teuer aber strategisch sinnvoll

Von Archibald Preuschat

Von Archibald Preuschat

Dow Jones Newswires

DÜSSELDORF (Dow Jones)--Die Bundesliga ist zurück bei Premiere, dank der Sublizenz vom Wettbewerber arena, der seinerseits das Bundesliga-Pay-TV-Feld verlässt. Der börsennotierte Bezahlfernsehsender sieht seine Kundenzahlen nach dem einjährigen Aufenthalt im Abseits bei der Bundesliga-Übertragung allerdings nicht schnell wachsen. Analysten sehen Vorteile für den Bezahlfernsehsender aus Unterföhring, sie brechen aber nicht in Jubel aus.

"Die Aktionäre bezahlen den Deal relativ teuer, aber strategisch macht er jeden Sinn der Welt", sagte ein in London ansässiger Analyst eines deutschen Hauses, der aus Compliance-Gründen namentlich nicht genannt werden wollte.

Gut 18 Monate ist es her, dass Premiere im Bieterwettstreit mit arena um die Bundesliga-Live-TV-Rechte der Saison 2006/07 unterlag. Doch arena sendete nur eine Spielzeit lang alle Spiele des deutschen Profifußballs. Der Tochter des Kabelnetzbetreibers Unitymedia, hinter dem die Finanzinvestoren BC Partners und Apollo stehen, wuchsen wohl die Kosten über den Kopf.

Lieber wäre es Parm Sandhu, dem CEO der arena-Muttergesellschaft Unitymedia, gewesen, das Bundeskartellamt hätte der im Februar geschlossenen Kooperation von Premiere mit arena zugestimmt. Aber die Wettbewerbshüter lehnten entschieden ab. Der Reiz der jetzigen Vereinbarung liegt für Sandhu im Finanziellen. Premiere zahle jetzt 100 Mio EUR mehr als im Zuge der ursprünglich angedachten Kooperation. Der CEO ist sich sicher, am Ende nicht nur alle Investitionen in arena zurückbekommen, sondern auch einen Gewinn einzustreichen.

Rechnet man die Investitionen zusammen, die arena nun zurückerhalten will, müsste sich Premiere die Rückkehr in die Bundesliga rund 700 Mio EUR kosten lassen, in bar sowie in den im Zuge der Kapitalerhöhung ausgegebenen eigenen Aktien. arena hatte sich verpflichtet, über drei Spielzeiten 220 Mio EUR pro Saison an die Deutsche Fußball-Liga zu zahlen. Rund 50 Mio EUR kostete wohl der Aufbau der Satellitenplattform. Die Zahlen sind offiziell nie bestätigt aber auch nicht bestritten worden.

Georg Kofler macht eine ganz andere Rechnung auf: Gerade mal rund 100 Mio EUR pro Saison zahle der Bezahlfernsehsender für die Bundesliga-Rechte, wenn man die Sublizenz von arena mit der Rücklizenz an arena verrechne. Die Kunden von Unity Media und arena werden künftig mit dem Bundesliga-Angebot von Premiere bedient. Das muss der Kabelnetzbetreiber entsprechend bezahlen. Koflers Rechnung berücksichtigt freilich nicht den 16,7%-Anteil, den Premiere an arena hält und in den nächsten zwei Jahren verkaufen muss.

Die Rückgewinnung der Bundesliga-Rechte nannte WestLB-Analystin Gepa Tiemann "positiv, aber es ist ein hoher Preis". Tiemann stuft das Papier mit "Add" bei einem Kursziel von 22 EUR ein. Und es gibt viele Experten, die die Zukunft von Premiere jetzt rosiger sehen. Der Bezahlsender habe nach dem Erwerb der Bundesligarechte nun gute Aussichten, die Kundenzahl zu erhöhen. Einige der Experten wollen ihre Einschätzungen jetzt noch einmal überdenken. So auch die Analysten von M.M. Warburg, die Premiere mit "Buy" bewerten und sich mit ihrem Kursziel von 20 EUR in der Nähe des aktuellen Kurses bewegen.

UBS rechnet mit einem Kurs von 24 EUR. "Die Bewertung von Premiere hängt eng damit zusammen, wie stark der Bezahlsender seine Kundenzahl erhöhen kann", betonen die Experten. Auch sie sind zuversichtlich und behalten ihre Kaufempfehlung bei.

Kofler selbst gibt sich zurückhaltender. Er hält zunächst an der Kundenentwicklung fest, die er bereits im Februar vorhergesagt hatte. 3,7 Millionen Abonnenten sollen es Ende dieses Jahr sein, Ende 2008 dann 4 Millionen. Hinzu kommen jeweils die Kunden von arena, Unitymedia und der Deutschen Telekom, deren Umsätze aber nicht voll umfänglich in die Premiere-Kassen fließen: 700.000 in diesem und 750.000 im kommenden Jahr. Kofler spricht von "Bremsspuren" nach dem Verlust der Bundesliga-Rechte und der vom Kartellamt auf Eis gelegten Kooperation mit arena, an deren Ende die Sublizenz für den Bezahlfernsehsender heraussprang.

Der Verlust der Bundesligarechte: Ein solcher Fehler wird Kofler wohl nicht mehr passieren, ist der in London ansässigen Analysten eines deutschen Hauses überzeugt. Die Chancen, dass sich Premiere die Bundesliga-Rechte bei der nächsten Auktion sichert, sind für ihn nach dem Rückzug von arena deutlich gestiegen. Und auch der Premiere-Vorstandsvorsitzende selbst gibt sich geläutert: "Ich spiele nicht mehr alles oder nichts."

Das macht Premiere zu einer festen Größe im deutschen Pay-TV-Geschäft, an der andere erst einmal vorbei müssen. Kofler weiß das und gibt sich entsprechend selbstbewusst: "Wenn jemand nach einem weißen Ritter ruft, sollte er darauf achten, dass der auf einem Pferd sitzt und nicht auf einem Esel."

Das Papier des im MDAX gelisteten Konzerns, das bereits vor Tagen, als der Deal durchsickerte, stark zugelegt hatte, gab am Donnerstag mit der Vollzugsmeldung und den unterm Strich negativen mit 33 Mio EUR negativen Zweitquartalszahlen erst einmal nach und notierte zum Handelsschluss bei 19,15 EUR, ein Minus von 3,6%.

Webseite: http://www.premiere.de

-Von Archibald Preuschat, Dow Jones Newswires, +49 (0) 211 138 72 18,

archibald.preuschat@dowjones.com

DJG/apr/jhe

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