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06.06.2008

FOKUS: Deutsche Industriekonzerne profitieren vom hohen Ölpreis

Von Alexander Becker und Roman Kessler

DOW JONES NEWSWIRES

MÜNCHEN (Dow Jones)--Allen Krisenszenarien zum Trotz werden einige deutsche Industrieunternehmen vom zuletzt deutlich gestiegenen Ölpreis profitieren. Denn die rasant steigenden Einnahmen der Ölförderländer stimulieren die Nachfrage nach Maschinen, Anlagentechnik und Investitionsgütern in der Infrastruktur und im Energiebereich. Die Petro-Dollar dürften auch deutschen Technologieunternehmen Wachstumsimpulse geben. Dafür gibt es bereits klare Anzeichen.

Die Volkswirtschaften der arabischen Länder, Russlands und Südamerikas haben vom Rohstoff-Boom direkt profitiert. Sie entwickelten sich zuletzt deutlich stabiler, urteilt Chefvolkswirt Jörg Krämer von der Commerzbank. Die Folge sind zunehmend Aufträge für die Ölverbraucher. "Die deutschen Exporte in Öl exportierende Länder wachsen derzeit getrieben von Investitionsgütern deutlich", so Krämer weiter.

Bei der Siemens AG rechnet man deutlich mit einem Rückfluss der Petro-Dollar aus den Ölexportländern. Das spiegele sich im Auftragseingang aus der Region Naher Osten, Afrika und Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) wider, sagte eine Konzern-Sprecherin. In den Monaten Januar bis März bekam Siemens von dort 46% mehr Neugeschäft herein als im Vorjahr. Nach Geschäftsregionen verzeichnete der Infrastrukturausrüster von dort das mit Abstand größte Wachstum, wobei Energieprojekte einen Großteil des Geschäfts ausmachen.

Die Verteuerung von Energie fördert aber auch die Modernisierung von Anlagen auf gesättigten Märkten: "Durch den Ölpreisanstieg stellen wir eine verstärkte Nachfrage nach energieeffzienten Lösungen wie Gasturbinen mit hohem Wirkungsgrad oder energieeffiziente Gebäudetechnik fest, weil unsere Kunden dadurch Kostenvorteile gegenüber ihren Wettbewerbern erzielen können", so die Sprecherin.

Der Bochumer Anlagenbauer GEA wertet den Anstieg der Öl-Notierungen ebenfalls als langfristig belebendes Element für das eigene Geschäft. Vor allem das GEA-Segment Prozesstechnik und die Division Prozesskühlung dürften in den nächsten Jahren von direkten Investitionen aus der Energiebranche profitieren, sagte der designierte GEA-Finanzvorstand Helmut Schmale.

Der MDAX-Konzern hat sich mit seinen Aktivitäten langfristig wichtigen Fragen wie Lebensmittelversorgung, Energie-, Klima- und Umwelttechnik gewidmet und sein Konzernportfolio damit nach eigener Einschätzung weitgehend unabhängig von den Mikrozyklen einzelner Branchen aufgestellt. Entsprechend rechnet das Unternehmen auch mittelfristig mit einem Wachstum von 5% bis 10%.

Eine wichtige Rolle werden auch künftig Investitionen aus der Energiebranche spielen, schätzt Manager Schmale. Derzeit kämen rund 25% des GEA-Geschäfts aus den Petro- und Energiemärkten. Impulse für das künftige Geschäft kommen vor allem von technischen Weiterentwicklungen.

Bei anhaltend hohen Ölpreisen sind nach Darstellung des Managers aufwändigere Fördertechniken etwa bei Ölsanden wirtschaftlich rentabel zu betreiben. Mehrere GEA-Sparten liefern die für die Trennung des Öls vom Sand wichtigen Prozesskomponenten.

Als weiteres Beispiel führte Schmale Verflüssigungstechniken für Erdgas (Liquefied Natural Gas - LNG) an, die den Energieträger Gas verschiffbar machen. Derzeit werden vor allem in den arabischen Emiraten, aber auch in Südamerika und Asien große Kapazitäten für LNG-Transporte aufgebaut. GEA-Sparten lieferten auch in diesem Fall Teile der vergleichsweise komplexen Verflüssigungstechnik.

Der Abbau von Ölsanden und die Verflüssigung von Gas ist nach Angaben Schmales ab einem Ölpreis von 40 bis 50 USD je Barrel wirtschaftlich sinnvoll. Die aktuellen Notierungen liegen weit höher. Auch wenn Schmale sie für überteuert hält, ist ein drastischer Preisverfall aus seiner Sicht dennoch unwahrscheinlich. Am Freitag notierte der Kontrakt in Nymex Light Sweet Crude zur Lieferung im Juli bei 130,23 USD je Barrel. Vergangene Woche hat die Benchmark-Notierung für den Ölpreis bei 135,09 USD gar ein Allzeithoch erklommen.

Nicht zuletzt bei den Endverbrauchern führen die gestiegenen Energiepreise zu einem Umdenken. Auf dem US-Automobilmarkt zieht deshalb seit Monaten die Nachfrage nach kleineren und kraftstoffsparenden Fahrzeugen an, während schwere Spritfresser zunehmend weniger Kunden finden.

Von dieser Trendwende im Automobilgeschäft will etwa der Roboter- und Anlagenbauer Kuka AG profitieren. Denn die US-Hersteller müssen ihre Fahrzeugproduktion auf kleinere und kraftstoffsparende Modelle umstellen. Das dürfte sich positiv auf das Geschäft des Augsburger MDAX-Konzerns auswirken, der unter anderem Roboter- und Anlagentechnik für die Fertigungsstraßen von Automobilherstellern liefert.

Auch in der Breite zeigt sich das Geschäft der deutschen Anlagen- und Maschinenbauer noch immer als äußerst robust. Im April legten die Auftragseingänge nach der Statistik des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) zum Vorjahresmonat um real 35% zu. Vor allem die Auslandsnachfrage mit 44% Wachstum verschafft der Industrie Schwung. Das Inlandsgeschäft zog um 19% an.

Auch die Deutsche Bundesbank glaubt an die Wirkung der Petro-Dollar. In ihrem jüngsten Bericht zur deutschen Wirtschaft nennt sie einen Rückfluss von Öleinnahmen nach Deutschland wahrscheinlich. Die Zentralbank geht davon aus, dass "grüne Technologien" davon überproportional profitieren werden. Hier haben ebenfalls deutsche Unternehmen wie der Windkraftanlagenbauer Nordex oder die Solarunternehmen Ersol und Solarworld eine gute Wettbewerbsposition.

Webseiten: http://www.vdma.org http://www.siemens.com http://www.geagroup.com http://www.kuka-ag.de http://www.bundesbank.de -Von Alexander Becker und Roman Kessler; Dow Jones Newswires, +49 (0)89 - 5521 4030, industry.de@dowjones.com DJG/abe/rio/nas

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