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30.05.2007

FOKUS: Polnische Telekom-Tochter PTC sucht nach ihrer Zukunft

Von Joon Knapen und David McQuaid

Von Joon Knapen und David McQuaid

Dow Jones Newswires

WARSCHAU (Dow Jones)--Der Streit um die Kontrolle des polnischen Mobilfunkbetreibers PTC geht inzwischen in das siebte Jahr und hat vor allem ein Opfer: PTC selbst. Während sich Deutsche Telekom und Vivendi vor den verschiedensten Gerichten darüber streiten, wer denn nun eigentlich PTC besitzt, verlor das Unternehmen seine Spitzenposition und ist nur noch der drittgrößte Mobilfunkanbieter in Polen.

Lachende Dritte sind die Telekom-Konkurrenten. France Telecom hält eine Mehrheit an der Telekomunikacja Polska SA (TPS), Vodafone besitzt einen Anteil an Polkomtel. Die beiden polnischen Konkurrenten sind an PTC vorbeigezogen und Analysten erwarten auch im weiteren Verlauf des Jahres 2007 noch Marktanteilsverluste für PTC, die Polska Telefonia Cyfrowa.

"Lange Zeit haben PTC und die Deutsche Telekom abgestritten, dass der Eigentumsstreit irgendeine Auswirkung auf das operative Geschäft hat", sagt Eva Bakowicz, Analystin für europäische Telekomwerte bei Global Insight in London. "Schaut man sich die Zahlen an, wird klar, dass sie es nicht mehr abstreiten können."

Im Streit zwischen der Deutschen Telekom und Vivendi geht es um einen 48%-igen Anteil an PTC. Beide Seiten bestehen darauf, dass ihnen das Eigentum an diesem Anteil zusteht; und beide Seiten verweisen auf Vereinbarungen mit dem ehemaligen PTC-Eigner Elektrim. Seit dem ersten gerichtlichen Aufeinandertreffen im Jahr 2000 haben sich bereits Gerichte in Österreich, Deutschland, Frankreich, Polen und in den USA mit dem Fall beschäftigt.

Beobachter sehen durch den Streit seit 2005 ein Machtvakuum bei PTC. Damals waren die Vertreter von Vivendi aus dem PTC-Verwaltungsrat gedrängt worden. Unklar sei aber bislang, ob dabei alles legal zugegangen ist.

In der Folge wurden die ambitionierten, von Vivendi begonnenen Expansionspläne für das "Heyah" genannte Prepaid-Programm und das "Era" genannte Vertragsprogramm auf Eis gelegt. Es gelang der Deutschen Telekom aber auch nicht, PTC unter dem Markennamen T-Mobile neu zu positionieren.

Nicht genug damit nahm zugleich der Wettbewerb in Polen zu. Und seit März 2007 gibt es einen neuen, vierten Mobilfunkanbieter in Polen, P4, der sich mich mit einer ungewöhnlichen Marketingstrategie zu positionieren sucht. Das P4-Personal rekrutiert sich zu einem guten Teil aus früheren Heyah-Mitarbeitern.

Diese Entwicklungen haben ihre Spuren bei PTC hinterlassen - mit einem kontinuierlichen Marktanteilsschwund. Im Jahr 2004 hatte PTC einen Marktanteil von nahezu 38%, 2006 war der Anteil bereits auf 32,4% gesunken und im ersten Quartal des laufenden Jahres lag er noch bei 31,9%.

Zwar stieg der PTC-Umsatz im ersten Quartal um rund 2% auf 1,73 Mrd PLN (rund 450 Mio EUR), doch legten die Konkurrenten im gleichen Zeitraum deutlich stärker zu: Das Mobilfunkgeschäft von TPS wuchs um 7% auf 1,86 Mrd PLN, Polkomtel steigerte den Umsatz um ebenfalls 7% auf 1,83 Mrd PLN.

Für die Deutsche Telekom steht eine ganze Menge auf dem Spiel, immerhin stellt PTC inzwischen das viertgrößte Mobilfunkgeschäft des Bonner Konzerns dar. Ein größeres Geschäftsvolumen haben von insgesamt 12 Mobilfunktöchtern nur die in Deutschland, den USA und in Großbritannien.

Seit November 2006 konsolidiert die Telekom die PTC vollständig, nachdem ein Telekom-Management das Ruder übernommen hatte. Neben dem unbestrittenen Eigentum von 49% an PTC geht der deutsche Telekommunikationskonzern davon aus, dass ihm die umstrittenen 48% von Rechts wegen ebenfalls zustehen.

Sollte sich diese Annahme letztlich aber als unhaltbar herausstellen, würde dies negative Auswirkungen auf den Gewinn der Telekom haben, denn PTC müsste rückwirkend dekonsolidiert werden. Genau das passierte kürzlich der norwegischen Telenor, die die ukrainische Kyistar dekonsolidieren musste. Telenor hält 56,5% an Kyistar, befindet sich aber in einem Rechtsstreit mit der russischen Alfa Group.

Aber auch für Vivendi steht Einiges auf dem Spiel, genau genommen geht es um 2 Mrd EUR, die der französische Konzern seit der PTC-Gründung 1999 in das Unternehmen investierte, damals als Partner des angeschlagenen polnischen Konglomerats Elektrim.

Vivendi gibt an, dass die Deutsche Telekom mehrere Lösungsvorschläge zurückgewiesen hat. Und eine mit der Materie vertraute Person beschreibt die gegenwärtige Situation als so weit auseinander wie zu Beginn des Streits. Die Deutsche Telekom wollte hierzu keine Stellung nehmen.

"Die Schwierigkeiten von PTC sind allesamt Folgen des Eigentümerstreits", sagt auch Krzysztof Kaczmarczyk, Telekom-Analyst bei Deutsche Bank Securities in Warschau. "Niemand weiß, wer das Sagen hat und wer die Strategie festlegt."

Die Deutsche Telekom dagegen hofft, das Führungsproblem bei PTC mit der Ernennung von Klaus Hartmann zum CEO gelöst zu haben. Hartmann war vor seinen Antritt bei PTC im September 2006 Finanzvorstand der Ungarntochter der Deutschen Telekom.

In den ersten Monaten nach seinem Amtsantritt blieb es aber still um PTC - in dieser Zeit kümmerte sich Hartmann um die Neuaufstellung seines Managementteams. Zudem musste er einige Feuer löschen, so zum Beispiel den Wechsel des wichtigsten polnischen Einzelhandelspartners Germanos zum Konkurrenten P4.

Anfang Mai ging Hartmann dann in die Offensive und kündigte an, PTC bis zum Jahr 2009 wieder zur Nummer 1 auf dem polnischen Markt zu machen. In einem ersten Schritt verzichtete Hartmann auf das Vorhaben, PTC in T-Mobile umzubenennen. Stattdessen will er die von Vivendi favorisierten Marken Heyah und era wiederbeleben. Konzentrieren will sich PTC vor allem darauf, Kunden in den höhermargigen Festverträgen zu binden.

"Die Position unserer Eigentümer ist, dass die Umbenennung so ein entscheidender Schritt ist, dass er nicht umgekehrt werden kann", sagte Hartmann. Daher wolle die Telekom warten, bis von den polnischen Gerichten eine endgültige Entscheidung getroffen worden ist. "Anders vorzugehen würde als unglaublich arrogant interpretiert werden", so Hartmann weiter.

Bis Ende 2006 schien die Deutsche Telekom auf dem besten Weg zu sein, gegen Vivendi zu gewinnen, nachdem es einige Entscheidungen internationaler und polnischer Gerichte zugunsten des DAX-Konzerns gegeben hatte. Im Januar erfolgte aber ein Rückschlag mit der Entscheidung des obersten polnischen Gerichts, welches das Urteil der Vorinstanz kassierte und den Fall zurückverwies.

Global Insight-Analystin Bakowicz sieht in diesem Urteil den Grund für Entscheidung von PTC, die Neupositionierung auf Eis zu legen. "Seit diesem Urteil ist zudem vollkommen unklar, wer als Gewinner aus dem Streit hervorgehen wird."

Hartmann selbst räumt ein, dass es dauern wird, bist PTC den Abwärtstrend der vergangenen drei Jahre nachhaltig umdrehen kann, vor allem, weil es allein bis zum Jahresende dauern wird, die durch den Germanos-Wechsel weggefallenen Vertriebspunkte durch eigene Läden zu ersetzen. Insgesamt will PTC bis zu 120 eigene Niederlassungen eröffnen.

"Wir ändern unseren Fokus auf Postpaid-Kunden", kündigte Hartmann an. "In einem saturierten Markt geht es vor allem um Kundenzufriedenheit. Daher brauchen wir im Markt unsere eigenen Vertriebsleute und Geschäfte."

PTC steht Analysten zufolge noch ein langer und harter Weg ins Haus, aber wenigstens habe das Management nun wieder ein Lebenszeichen von sich gegeben. "Bemerkenswert ist vor allem, dass sie endlich aufgewacht sind", so Telekom-Analyst Pawel Puchalski von der Bank Zachodni WBK in Warsaw.

Philippe Houdouin, der PTC vor dem Staatsstreich im Management 2005 führte, sieht das anders. Der jetzige CEO des Telekommunikationsnunternehmens Telco sieht bei PTC vor allem Schwierigkeiten im mittleren Management. "Sie ernennen ganz einfach deutsche Manager auf der Top-Ebene und die Polen, die das eigentliche Geschäft führen, sehen keine Zukunftsperspektiven."

Analystin Bakowicz begrüßt dagegen das Geschäftsmodell der Deutschen Telekom, sieht aber keine Lösung des Streits in absehbarer Zeit. "Ich denke, PTC passt besser zur Deutschen Telekom, die auch Mobilfunktöchter in den Nachbarländern von Polen hat. Da gibt es offensichtliche Synergien und Skaleneffekte, während Vivendi in Mitteleuropa nicht wirklich präsent ist", so Bakowicz. "Im Moment herrscht bei der Klärung der Eigentümerfrage aber völliger Stillstand."

-Von Joon Knapen und David McQuaid, Dow Jones Newswires; +49-30-28884127;

joon.knapen@dowjones.com

DJG/DJN/mim/jhe

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