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13.03.1981 - 

Informationsanalyse statt Organisations-Strukturuntersuchung

Folge 19

Bei der anerkennenswerten Einführung von Plandaten wird oft nicht von allen Stellen verstanden, daß Planwerte nicht als absolute Handlungsmaxime gelten. Daher kommt ein Ausrichten der zu meldenden Istwerte in die Nähe der Sollvorgaben einer Datenmanipulation sehr nahe und macht selbst die bestgemeinten Plan-/Ist-Vergleiche wertlos für eine reale Wiedergabe des tatsächlichen Betriebsgeschehens. Das führt zum Beispiel dazu, daß größere Störungen im Betrieb - von kleinern ganz zu schweigen - gar nicht erst gemeldet werden, sondern in mehrere kleinere (nicht zu melden unter 10 Minuten Dauer) aufgelöst werden. Es kommt auch vor, daß unter Verlaß auf Plandaten, welche die "Normalstörungen"' bereits berücksichtigt haben, in einem zeitweise störungsfreien Betrieb die ausgebrachten Produktionseinheiten künstlich niedrig gehalten werden, als Reserve für eventuelle Störungen, um die Ergebnisbewertung nicht zu verderben. In den Betrieben wurden demzufolge Plan-/Ist-Vergleiche freimütig als "Lügenblättchen"' abgewertet, zumal echte Abweichungen vom Soll auch keine einigermaßen plausible Erklärung mehr finden konnten.

Die potenzierte Information

Normaluntersuchungen des Berichtswesens gliederten nach Inhalten und Aussagewerten von Berichten sowie nach Ein- und Ausgängen. Wenn es in einer Großverwaltung zu einem derartigen Untersuchungsauftrag kommt, dann sind dort bereits die Mengen der anfallenden Berichte besorgniserregend. Die Klagen der Führungsmannschaften über zuwenig Information bei zuviel Papier treffen auf ebensolche Klagen aus den unteren Rängen. Es liest sich in der Tat schauerlich, wenn zum Beispiel eine Werksdirektion in einem Monat nur aus der betriebswirtschaftlichen Zentralabteilung 8200 Blatt EDV-Auswertungen erhält, zusätzlich 25 manuelle Berichte mit zirka 1 1700 Zahlen. Die Zentralabteilung ihrerseits verteilt monatlich über 40 000 Blätter, und in der vorerwähnten Berichtsmappe "Führungsinformationen" sind nicht weniger als 10.000 Zahlen enthalten. Der Verdacht, daß lediglich Neulinge versuchen, die Zahlenwerke zu lesen ohne sie zu verstehen, und die anderen alles verstehen, ohne es gelesen zu haben, wird von den graduierten Betroffenen angesichts solcher Mengengerüste gern als Schutzbehauptung vorgetragen. Statistiken über Statistiken zu variablen Sachverhalten geraten bei solcher Potenzierung leicht vom zugrunde liegenden Sachverhalt weg und werden analog zu einer Auszählung von Fliegenbeinen in einem Schwarm von Insekten.

Die übersteigerten Anzahlen von Berichten, die auf den betrieblichen Basisdaten aufbauen, wären auf wenige originäre Statistiken zurückzuführen. Jedoch Eigennutz und der ständige Antrieb zur Selbstdarstellung lassen die Statistiker das Ausgangsmaterial mehrfach mit sich selbst vervielfältigen. Wo die Bearbeitungsstellen solches nicht über die Datenverarbeitung abrufen können, entsteht ein unnötiger manueller Rangieraufwand von Zahlen. Manches sieht scheinbar nach Bearbeitung aus und ist doch nur kopiert. In Großverwaltungen wird erschreckend viel kopiert. Zwei Hauptgründe sind dafür bestimmend, einmal zur Beweissicherung und zweitens weil man keine Zeit hat, den Eingangsbericht sogleich zu lesen. Aber ein Bericht, der zur Zeit, als er noch aktuell war, zur Sicherung oder eben nur als Monitum für die Schublade kopiert worden ist, erfahrt nur ein scheinbare Verarbeitung: Die Kopien werden vergessen, wohingegen der Eingangsbericht abgeworfen worden ist. Ein weiteres Phänomen in der Überschußproduktion von Statistiken, die kaum jemand ernsthaft liest, ist die Prestigefrage der Verantwortlichen. Haltung und Zurschaustellung der gelegentlich schön eingebundenen Führungsmappen wird zum Statussymbol. Und die " Verantwortlichen" würden laut Klage führen, falls sie aus dem Verteiler gestrichen werden. Firmen- und Geschäftsberichte haben in ihren Auflagen stets diese Prestige-Redundanz zu berücksichtigen.

Bei so viel quantitativem Überschuß stößt man schon selbstverständlich auf die qualitativen Mängel des Berichtswesens. Jedoch führt auch die Auszählung von offenbaren Falschzuordnungen nicht zur unmittelbaren Qualitätsverbesserung der Berichtsinhalte. Die Mengengerüst-Untersuchungen können nicht vollständig durch verbale Beschreibungen von Schwachstellen ergänzt werden, um zu einer neuen Systemplanung zu kommen. Solange aktualisierte Zuordnungen Informationsverknüpfungen bei wandelnden Sachverhalten nicht klar erkannt und beschrieben werden können, kommt man auch nicht zu neuen Programmablaufsystemen. Wie vorher erläutert, sind mit Organisations-Strukturuntersuchungen ebenfalls kaum neue Ablaufsysteme zu erzielen, da tradierte Werthaltungen oft blindlings in die Feststellung einer "gewachsenen Struktur" eingehen.