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27.06.1980 - 

Priorität den Großanlagen

Folge 2Unter den Großstädten liegt eine Kupfermine

Sie haben sicherlich alle schon über Glasfasern gelesen. Auf jedem Kontinent, in Südafrika, in Lateinamerika, und besonders in Nordamerika, Europa und Japan, gibt es praktischen Fernsprechbetrieb, normalerweise in Form von Verbindungen zwischen Zentralen innerhalb einer Stadt, bei dem Sprache und in manchen Fällen sogar Fernsehsignale über haardünne Spezialglasfasern statt über Kupferdraht, oder, bei Fernsehübertragung, über Koaxialkabel oder Mikrowellenlängen übertragen werden. Das ist jetzt schon Wirklichkeit und kein Laborversuch, der erst in fünf oder zehn Jahren zu Ergebnissen führen wird. Telefongesellschaften um die ganze Welt verwenden heute schon diese Technologie und haben vor, sie in noch größerem Umfang einzusetzen. Was für ein paar von Ihnen interessant sein wird, ist die Tatsache, daß Glasfasern absolut unanzapfbar sind. Das heißt natürlich nicht, daß Papierausdrücke nicht aus dem Papierkorb gestohlen, daß ein Operator nicht bestochen, oder daß Informationen nicht an einer Schnittstelle geklaut werden können. Doch das Kabel selbst ist absolut unanzapfbar sind. Es liegt in der Natur des physikalischen Phänomens, daß kein Signal dem Kabel entweichen kann. Unter den Straßen unserer Großstädte liegt eine Kupfermine, die ihresgleichen sucht, und dazu noch ist das Kupfer schon verarbeitet. Wenn wir diese Kupferkabel herausreißen und sie durch Glasfasern ersetzen, macht sich das nicht nur durch die Rückgewinnung des Kupfers bezahlt, sondern die Kabelschächte, die immer wieder aufgemacht und vergrößert werden müssen, werden fast leer. Diese Kabelschächte, in denen ein Mensch fast stehen kann, werden nur ein paar Bleistift-dünne Kabel auf dem Boden liegen haben, die die gleiche Menge von Informationen bewältigen, wie früher die vielen Kubikmeter Kupfer. Glasfasern werden auch andere Verwendung finden, zum Beispiel in Autos oder in Computeranlagen, um die Bauelemente eines Computers zu verbinden. Sie werden nicht nur für die Datenübertragung über große Entfernungen eingesetzt, obwohl dies im Moment das Haupteinsatzgebiet darstellt. In Japan sind sogar Versuche im Gange, ein Unterseekabel mit Relaissendern aus Glasfasern herzustellen. Es ist jetzt schon leicht, ein solches Kabel mit einer Länge von zehn Kilometern herzustellen. Das bedeutet, daß eine haardünne Faser mit hochspezialisierten optischen Merkmalen in einer Länge von zehn Kilometer gezogen wird, ohne Bruch. Solche Kabel werden schon hergestellt. Die Herstellung ist im Moment noch teuer, aber läuft schon.

Nehmen wir aber an, Sie wollen nicht darauf warten, bis die Japaner Unterseekabel aus Glasfasern haben. Die Entfernungen, mit denen Sie es zu tun haben, liegen weit über zehn oder 100 Kilometern. Angenommen, Sie wollen ein Banknetz in der Bundesrepublik haben. Sie brauchen also entfernungsunabhängige Datenübertragung. Sie soll nach Möglichkeit unabhängig sein von der Bundespost, obwohl die Bundespost sehr fortschrittliche, sehr ermutigende Dinge in Hannover ausstellt.

Satellit als Lösung für Übertragung

Aber die Lösung, glaube ich, für die entfernungsunabhängige Übertragung von Daten in den verschiedensten Formen ist der Satellit. Mit Mikroprozessoren und anderen Computern ist es möglich, die Antennen eines Satellitenübertragungssystems zu steuern, damit man sich nicht auf die kleine Anzahl von stationären Positionen in einer Äquatorial-Umlaufbahn beschränken muß, um die drei Monate lang Ende letzten Jahres Anfang dieses Jahres in Genf gekämpft wurde. Es ist möglich, viel mehr Satelliten in eine Umlaufbahn zu bringen, vorausgesetzt, man ist bereit, sie ständig zu orten, während sie sich bewegen. Sie werden nicht stationär sein. Und das bedeutet, daß wir so viel über Satellit übertragen können, wie wir wollen, einschließlich Sprache, Fernsehprogramme, Nachrichten und natürlich die eigene Datenübertragung, die zwar entfernungsunabhängig jedoch nicht billig sein wird. Das alles hängt von verschiedenen Faktoren ab. Es hängt zunächst einmal vom europäischen Raumfahrtprogramm und auch der Raumfähre in den Vereinigten Staaten ab. Mit der Raumfähre können immer größere und immer billigere Lasten in eine Umlaufbahn gebracht werden. Wie Sie wissen, kann die Raumfähre immer wieder verwendet werden und man rechnet damit, daß der Preis pro Kilogramm Last erheblich niedriger wird als im Augenblick. Doch besteht ein Hauptproblem darin, daß das technische Niveau der Geräte, die hochgeschickt werden, auch immer mehr steigt. Die Chip-Technologie wird eingesetzt. Die Geräte werden viele, viele Mikroprozessoren enthalten. Redundanz wird Reparaturen überflüssig machen, man wird sie durch Fernlenkung vom Boden aus durchführen, um im Weltraum Reparaturen durchzuführen.

Wenn man noch fortgeschrittenere Geräte im Weltraum hat und die Gesamtlast, die in eine Umlaufbahn gebracht und gewartet werden kann, größer ist, braucht man weniger Ausrüstung auf dem Boden. Das bedeutet, daß jede Bank- oder Geschäftsfiliale eine preisgünstige Antenne auf dem Dach haben kann, und zwar für bedeutend weniger als Terminals und Verkaufspunkt-Erfassungsgeräte kosten. Eine Antenne mit ein bis anderthalb Meter Durchmesser, mit einfacher, eingebauter Mikroprozessorsteuerung, würde um die 20 000 bis 30 000 Mark kosten. Auf dem Dach des Hauptquartiers hätte man eine viel größere, viel teuerere Antenne ein paar hunderttausend bis maximal eine Million Mark -, die aber trotzdem viel billiger wäre, als die Zentraleinheit unten im Gebäude. Noch in diesem Jahrzehnt wird dies finanziell machbar sein. Die Schwierigkeiten werden natürlich bei den Postgebühren, den gesetzlichen Einschränkungen, der Politik und den Einschränkungen bezüglich der nationalen und internationalen Übertragung von persönlichen Daten liegen. Wenn diese Probleme gelöst werden können! ist die Technologie bereits vorhanden. In den Vereinigten Staaten werden sie gelöst werden, weil es weniger Einschränkungen dieser Art gibt.

Es gibt ein drittes Element, das zum Einsatz kommen muß, wenn wir auch in Zukunft große Arbeit leisten wollen. Ich habe Ihnen gesagt, daß wir wunderbare Prozessoren und Speicher haben werden, daß es zwar keine spektakulären aber immerhin erhebliche Verbesserungen in der Datenkommunikation geben wird. Doch man braucht auch Software - und das bringt mich zum entmutigenden Teil meines Vortrags.

Kaum Verbesserung im Software-Bereich

Ich bin ehrlich der Meinung, daß es in absehbarer Zeit überhaupt gar keine Verbesserung bei der -Lösung von Software-Problemen geben wird. Ich glaube nicht, daß es automatisches Programmieren geben wird, ich glaube nicht, daß man es wird vermeiden können, viele teuere junge Kräfte einzustellen. Ich meine auch, daß es weiterhin schwierig sein wird, mit diesen Kräften zurechtzukommen. Da man bei immer schnelleren und - leistungsfähigeren Anlagen immer mehr solche Kräfte benötigen wird, bleibt die Rekrutierung ein Problem. Hochschulen, private Institutionen und Hersteller haben ohnehin noch nicht genügend junge Leute ausgebildet und in den nächsten paar Jahren werden immer mehr gebraucht. Nachdem ich Ihnen von der wunderbaren Hardware und Kommunikationsgeräten erzählt habe, die uns bevorstehen, muß ich Ihnen jetzt sagen, daß meiner Meinung nach das Geschäft weiterhin schwierig bleiben wird. Aber es wird wegen der Menschen und der auf den Menschen bezogenen Probleme schwierig sein - nicht wegen der Hardware.

Ich will damit nicht sagen, daß es gar keine Verbesserung gegeben hat. Wir haben etwas bessere Werkzeuge wir haben bessere Software- und Hardware-Werkzeuge, Kontroll- und Fehlersuchprogramme, viel Redundanz in der Hardware und viel höhere Zuverlässigkeit in unseren Kommunikationsanlagen. Das ist aber alles sehr wenig, verglichen mit den Dingen von denen ich bis jetzt erzählt habe. Es kommt auch noch dazu, daß die Durchschnittskraft, die jetzt auf dem Gebiet arbeitet, nicht so fähig ist, wie zu der Zeit noch, als ich mit meiner ersten Großanlage gearbeitet habe. Als ich in den 50er Jahren mit Anlagen mit Vakuumröhren arbeitete konnten nur sehr, sehr helle junge Leute einen Computer überhaupt finden, geschweige denn mit einem arbeiten. Es war ein Geheimnis, allerdings ein schlecht gehütetes Geheimnis. Wir haben es vom Dach geschrien, daß wir dieses neue Werkzeug hatten, aber es haben nur wenige zugehört. An meiner ersten IBM-701 arbeiteten unter mir solche Leute wie Dan McCrackin, derzeit Präsident des ACM und Autor von vielen Büchern übers Programmieren; Don Shell, Erfinder des Shell-Sortierverfahrens und Jack Hughes, der jetzt für das Software-Ressort bei Procter & Gamble zuständig ist. Das waren hervorragende Kräfte in einer Gruppe von vielleicht hundert sehr, sehr hellen jungen Männern und Frauen. Es verlassen auch heute noch sehr intelligente junge Menschen die Hochschulen, Leute, die genauso intelligent sind, wie die der 50er Jahre. Es gibt aber auch Tausende von Durchschnittsmenschen, die im Computer eine interessante Möglichkeit zum Geldverdienen sehen. Sie haben merkwürdige Arbeitszeiten, sie können sich ungewöhnlich anziehen, sie können merkwürdige Bärte tragen uns sie bekommen absurde Gehälter, das heißt, absurd hoch. Also werden sie vom Computer angezogen. Doch der Durchschnittsbeitrag dieser Leute ist jetzt weniger als vor ein paar Jahren. Das gleichen die verbesserten Werkzeuge aus. Wir haben zwar bessere Werkzeuge, die brauchen wir aber auch. Die Probleme sind auch schwieriger geworden. Die einfachen Aufgaben haben Sie schon erledigt. Sie haben schon die erste Generation von Reservierungssystemen. Sie haben schon die ersten zwei Generationen von Gehaltsbuchhaltungssystemen. Sie sind schon ziemlich weit mit der Datenverwaltung, obwohl vielleicht nicht ganz so weit wie es den Anschein hat. Die Probleme werden schwieriger und die Menschen sind nicht viel besser, wenn überhaupt besser, obwohl sie neue Werkzeuge in der Hand haben. Das Ergebnis ist, daß Sie herausfinden müssen, wie Sie Ihre Leute so effektiv wie möglich einsetzen können.

Die großen Computer werden am meisten profitieren

Damit komme ich zum Hauptpunkt meines Arguments. Sie haben wahrscheinlich gedacht, ich würde Ihnen raten, eine Großanlage zu verwenden, weil sie aus wunderbaren wissenschaftlichen Geräten besteht und von den größten, leistungsfähigsten Firmen hergestellt wird, die viel eher bereit sind, Sie zu unterstützen und mit Ihnen zusammenzuarbeiten als die sehr kleinen Firmen. Das werde ich aber überhaupt nicht sagen. In der Tat ist es so, daß alle Kategorien von Computern - kleine, mittlere und große - von den fortgeschrittenen Technologien profitieren werden, die ich erwähnt habe. Die großen, glaube ich, werden am meisten profitieren. Die kleinen profitieren auch davon. Die mittelgroßen - so in der Größe der IBM-370/158 - werden auch davon profitieren, aber nicht so viel. Womit ich nicht sagen will, daß die mittelgroße Anlage an Bedeutung verlieren wird im Vergleich zu jetzt. Doch ihre Bedeutung wächst nicht so schnell wie die der sehr kleinen und besonders der sehr großen Anlage.

Wir stehen auf der Schwelle einer ganzen neuen Kategorie von Datenbank-Software und -Firmware, die noch lange Zeit nicht in die kleinen Maschinen hineinpassen wird. Sie sollten aber vor allem bedenken, daß wenn Sie Ihre Organisation um eine leistungsfähige Großanlage aufbauen, die Organisation so angelegt werden kann, daß die Menschen am effektivsten eingesetzt werden. Das ist meine Überraschung. Wenn Sie einen Mikroprozessor in der Schublade Ihres Schreibtisches haben wollen, macht Ihnen das die Chip-Technologie möglich. Wenn Sie viele Mikroprozessoren haben wollen, die miteinander in einem Netzwerk verbunden sind, können Sie dies auch haben, obwohl ich glaube, daß es noch zehn bis 20 Jahre dauern wird, bevor ein solches Netzwerk effektiv arbeiten kann. Also können Sie es einplanen - aber erst in zehn bis 20 Jahren damit arbeiten. Um diese Kategorie von Anlage schart sich, nach meiner Meinung, nur die kleine, isolierte Gruppe von Begeisterten - derjenige, der nur ein einziges geschäftliches Problem hat; oder der wissenschaftliche Typ, der ein Dissertationsproblem oder ein Forschungsproblem zu lösen hat und vom großen Rechenzentrum ein paar Türen weiter, im nächsten Gebäude oder gar am anderen Ende des Landes, unabhängig sein möchte. Wird fortgesetzt