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Informationsanalyse statt Organisations-Strukturuntersuchung

Folge 3

07.11.1980

Eine einheitliche methodische Vorgehensweise ist in allen Phasen der Systementwicklung unabdingbar. Aus den verschiedenen Verfahren sollten für diese Phasen die geeignetsten ausgewählt werden. Unter den bekanntesten Beschreibungsmitteln gibt es eine Gruppe, die nur Abläufe beschreibt, aber den Systemzusammenhang nicht deutlich hervortreten läßt. Eine andere Gruppe beginnt mit der Bildung eines Modelles, das man nach Bedarf verfeinern kann. Wieder andere sind speziell auf die Generierung von Datenverarbeitungsprogrammen zugeschnitten. Demgegenüber ist eine Informationsanalyse, die überkommene Organisations- und Strukturuntersuchungen ablösen kann, alles andere als ein Modell. Um das deutlich zu machen, vorab das Mengen- und Anspruchsgerüst des Kölner Integrationsmodells (KIM).

Die Vorgehensweise:

1. Formulieren der Zielsetzung der Modellgestaltung

2. Festlegen der Determinationsmerkmale

3. Erfassen der konkreten Merkmalsausprägung (Untersuchungsobjekt)

4. Synthese der konkreten Merkmalsausprägung zu einem Gesamtmodell

5. Durchführung von Diagnoseprozessen

6. Ableitung von organisatorischen Handlungen.

Das erste Teilmodell des KIM umfaßt 215 DV-Prozesse, in Verknüpfung mit 630 Datenkanälen, 10 Stammdateien für über 100 System-Ein- und -Ausgänge.

Dieses Modell stellt in der Reihe der Management-lnformationssysteme (MIS) den wohl umfassendsten Versuch dar, mit deutscher Gründlichkeit einen Teil des unternehmerischen Handelns formalisiert zu beschreiben. Durch das Modell sollten die unternehmerischen Aufgaben in Form informationeller Beziehungen erfaßt und systematisch an der betrieblichen Realität überprüft und ausgewertet werden. Eine allgemeine Lehre zum pragmatischen Vorgehen ist jedoch nicht daraus abzuleiten, denn die Verwendung in der Realität ist nur ein Studienobjekt geblieben.

Die MIS krankten sämtlich an einer "Überschätzung des Aggregats", wie Dieter S. Koreimann der selbst mal ein MIS konzipiert hat, bekannte. Aggregation ist das Fremdwort für Verdichtung (von Informationen). Geschichtlich erwuchs so der erste Widerspruch zu der selektiven Informationsweitergabe (Verdünnung), sofern sie noch von Menschen gehandhabt wird. Die Automaten generieren von sich aus keine Vorschläge, was als relevant gelten soll, und wie und wem die Informationen sinnvoll verknüpft zu servieren sind. Die MIS erwuchsen aus der Überschätzung der Automaten, die zumindest damals keine informationsverarbeitenden Maschinen waren, sondern allenfalls data crunchers. Sie offenbarten ferner die Unterschätzung der humanen Leistung, die darin besteht, aus einer irren Vielfalt von realen Geschehnissen vernünftige Zuordnungen zu treffen. Nachdem die MIS-Euphorie abebbte, da sich die zu schaffenden Systeme doch als zu komplex und mit den damaligen Rechnerfacilitäten auch als zu aufwendig herausgestellt hatten, besann man sich auf pragmatische Zielsetzungen zur notwendigen Information. Koreimann stellte fest, daß der Informationsbedarf der eigentliche, neuralgische Punkt sei, den man zu untersuchen habe. Ich selbst, der ich über hundert Organisationsanalysen für Klein- und Mittelbetriebe in 15jähriger Beratertätigkeit abgeleistet habe und mich dann zunehmend von dem Informationsgeschehen in Großverwaltungen angezogen und abgestoßen fühlte, erachtete die realen Kommunikationsbahnen für wichtiger als die formale Beschreibung von Instanzen. Trotzdem meine ich, daß man sich mit den Beschreibungsmitteln für die Verwaltungsorganisation einerseits und für die Betriebsorganisation einschließlich der Datenverarbeitung andererseits auseinandersetzen muß. Dies betrifft in erster Linie diejenigen Umstellungsvorhaben, von denen man einen Neubeginn mit Hilfe der Datenverarbeitung erwartet.

Prototypen der Informationstechnik

Die zukünftige Forschungs- und Entwicklungsarbeit im Bereich "Informationstechnologie für Organisationen" muß theoretisch fundiert und praxisorientiert angegangen werden. Es sollen Rolle und Funktion, Einsatz und Wirkung von Informationstechnik in Organisationen untersucht, Konzepte zur Gestaltung entwickelt und prototypisch realisiert werden. Allerdings kann sich dadurch die bisherige Hauptausrichtung der Erforschung von Technologie ändern.

Wird fortgesetzt