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23.05.1980 - 

Hoffnungen und Grenzen der Informationsverarbeitung

Folge 4

Heinz Zemanek, Professor an der Technischen Universität Wien und IBM-Fellow, hielt diesen Vortrag als Einführung zum 6. Internationalen ADV-Kongreß in Wien vom 17. bis 21. März. Der Nachdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung.

Die enorme Aufhäufung von klaren, perfekten Teilelementen in der Hard- und Software unterstützt die Undurchsichtigkeit. Mephisto hat es zuwegegebracht, daß die logischen Zeichen der Programmtexte mitunter nicht weniger mystisch sind als Goethes Hexeneinmaleins.

Im Grunde aber - Goethes Faust ließe sich hier ad libitum auswalzen - ist der Programmierer in seinem dunklen Drang sich doch des rechten Weges bewußt: Professionelle Arbeit befriedigt nur dann, wenn der sachliche Erfolg manifest wird .Und so sind trotz aller teuflischen Gefahren und Einflüsse die Computerprogramme und Computerprogrammiersysteme im Großen gesehen zweckmäßig und zielführend. Der Teufel steckt wie immer im Detail.

Es würde zu weit führen, hier die Hoffnungen der Spezialisten zu diskutieren, wir wenden uns der Hoffnung der gewöhnlichen Erdenbürger zu, daß die Programmierung aufhören möge, ein Spezialgebiet von Logik und Algebra zu sein, eine Funktion langer schwieriger Spezialausbildung. Denn wenn der Computer unser Diener sein soll, dann müßte er doch wie ein Dienstbote hören, gehorchen und berichten können.

Natürlich ist damit nicht gemeint, daß eine derart bequeme Befehlsgabe bereits in den elementaren Schaltkreisen im tiefen Inneren des Computers stattfindet. Auch ein Kraftfahrzeug darf im unsichtbaren Inneren beliebig kompliziert sein, wenn die eigentliche Bedienung durch den Laien erfolgen kann. Gemeint ist also die einfache Bedienung von außen: Der Endverbraucher sollte zum Computer reden dürfen, wie ihm der Sehnabel gewachsen ist.

Besteht solche Hoffnung auf die Informationsverarbeitung zurecht?

Nun, zuerst einmal kann die Forderung sogar noch weiter gemacht werden. Der Computer als automatisierter Diener sollte arbeiten, ohne daß man ihm überhaupt etwas befehlen, ohne daß man reden muß. Ich möchte das die versteckte Programmierung nennen: Der Computer ist hinter Sensoren und Effektoren verborgen, die entweder alles vollautomatisch erledigen oder nur die vertrauten mechanischen Einrichtungen wie Tasten, Leuchtschriften und dergleichen sichtbar machen, ohne den dahinter wirkenden Computer auch nur ahnen zu lassen. Hier kann noch vieles erreicht werden und ist schon vieles im Gang.

Zweitens darf dem Benutzer allgemein mehr zugemutet werden als die Pessimisten im Zusammenhang mit einer neuen Technik allgemein annehmen. Es steigen ja auch sonst die Anforderungen an unser Wissen und eine Einrichtung nach der anderen wird auf neue Funktionen umgestellt, die man erst erlernen muß. Ein Universalgerät wie der Computer wird beanspruchen dürfen, in der Schulausbildung erheblichen Raum zu bekommen, weil ein entsprechender allgemeiner Effekt und Nutzen gewährleistet ist. Für die Nachschulung im Berufs- und Privatleben gilt ganz Ähnliches. Die ganze Kette von Folgen - es sei nur das Problem der entsprechenden Lehrerausbildung erwähnt - bedarf freilich des Überdenkens und Planens sowie zahlreicher Maßnahmen, die manchmal gar nicht einfach sein werden. Andererseits hilft ein sehr elementarer Effekt: Zum Unterschied von der älteren Generation wächst die jüngere bereits mit dem Computer auf gewöhnt sich an ihn und seine Anforderungen, und steht ihm daher wesentlich weniger hilflos gegenüber.

Drittens können die formalen Ansprüche, die von der Programmierung heute gestellt werden, sicher reduziert werden. Insbesondere können die Möglichkeiten des Computers selbst, beim Programmieren Hilfe zu leisten, noch viel weiter ausgebaut werden. Das ist eine technische Entwicklung, die voll im Gang ist, und wenn erst einmal eine Reihe von vorläufig isolierten Bemühungen zur Koordination und Ausgeglichenheit gelangt sein werden, mag das Programmierproblem wesentlich anders aussehen als heute, obwohl sich im Grundsätzlichen nicht viel geändert haben wird.

Aber für die Grenzen all dieser Bemühungen gilt in noch viel stärkerem Maß alles, was zur Sprachein- und -ausgabe ausgeführt worden ist: Der Computer ist nun einmal ein logisches Gerät, in welchem ein einziges Bit echt umwerfende Wirkungen haben kann, ein mächtiger Verstärker aller erteilten Befehle - und je größer die Macht, um so katastrophaler ist die Fehlwirkung, wenn sie einmal passiert. Niemand, der sich in einer kritischen Position befindet, kann sich leisten zu reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Und wer einem Computer Befehle erteilt, ist leicht in kritischer Position: Dann nämlich, wenn seine Befehle nicht für Spiel und Experiment, sondern zur Umsetzung in die Wirklichkeit zum Tragen kommen. Da muß man genau wissen, was erleichtert werden kann und was eher erschwert werden sollte.

Natürlich hängt dies alles von der Art der Anwendung ab, die man im Auge hat. Und daher wenden wir uns nun ein wenig den Anwendungen zu.

Die Hoffnungen der Computeranwendung

Der Computer hat nach wie vor eine glänzende Zukunft, denn es ist erst ein ganz geringer Teil dessen gelöst, was mit seiner Hilfe lösbar ist.

In grober Näherung kann man Computeranwendungen in drei Gruppen teilen

1. Was sich von selbst versteht: alle Arten numerischer Rechnung, wissenschaftlich und wirtschaftlich, organisatorisch komplizierte oder umfangreiche Berechnungen, aber auch einfache Prozesse, die in größter Zahl ablaufen müssen - das ist die vollformale Informationsverarbeitung;

2. was durch einfache Verarbeitung von Text und Zeichnung dazu kommt - das ist die halbformale Informationsverarbeitung die Textverarbeitung im beschränkten Sinn;

3. was große Schwierigkeiten macht: nichtformale Informationsverarbeitung, die Text- und Bildverarbeitung mit voller Semantik.

4. Dazu kommt die Gruppe der Fragestellungen, die sich mit dem Computer nicht lösen lassen: all das, was sich nicht als logischer Prozeß vorherdenken läßt.

Man ist nicht zur Annahme berechtigt, daß das Verschwinden der Gruppe (4) bloß eine Frage der Zeit ist. Denn selbst in der Gruppe (1) wissenschaftlich gesprochen in perfekt-formalen Systemen - gibt es grundsätzlich unlösbare, unentscheidbare Aufgaben, Fragestellungen also, zu denen wir den Nachweis besitzen, daß es keine Lösungsalgorithmen geben kann. Es wäre eine tief unwissenschaftliche Einstellung, die grundsätzliche Lösbarkeit aller Fragestellungen anzunehmen.

Dazu muß man ein wenig näher betrachten, was ein Algorithmus ist. Es gibt verschiedene Spielarten der Algorithmentheorie, von denen aber bewiesen ist, daß sie alle äquivalent sind, das heißt, verschiedene Beschreibungsformen desselben Sachverhalts.

Wird fortgesetzt