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19.12.1980 - 

Informationsanalyse statt Organisations-Strukturuntersuchung

Folge 9

Sogenannte Sachzwänge schieben sich bei den Untersuchungen zur Reorganisation mit Hilfe von technischen Systemen ein, desgleichen unerwünschte Nebenwirkungen quasi automatisierter Abläufe. Im zweiten Durchgang von Organisationsuntersuchungen wird meisten erst deutlich, daß die Informationstechnik nicht trifft. Die Auguren in der Beurteilungsebene wußten es bereits besser: Die IT kann gar nicht helfen, weil sie unseren Komplexitätsgrad nie erreichen kann.

Das heißt, das für die Systemanalytiker nur, das Umstellungsthema wechseln und das nächste Mal einen unkritischen Bereich wählen, bei dem keine solchen unerwünschten Nebenwirkungen auftreten können. Solches sind zum Beispiel Terminkontrollen, bei denen sich keine automatischen Mahnverfahren anschließen oder Sachbearbeiter in ihren Routinefunktionen bloßgestellt werden können. Darum frage man sie bitte vorher.

In diesem Diskurs über die Vorgehensweise klassischer Untersuchungen zwecks Umstellung auf eine integrierte Informationsverarbeitung soll deutlich werden:

1. Es geht nicht ohne den Dialog auf der Sachbearbeiter-Ebene.

2. Die Information ist wichtiger als die Organisation.

3. Nebensächlichkeiten abzufragen, ist sinnlos sofern zur Hauptsache, nämlich zu den realen Kommunikationsbeziehungen, noch keine Klarheit besteht.

Diese Thesen sprechen nicht für eine Modellbildung, schon gar nicht, wenn die Konservierung des Stellenplans zur Hauptsache auch für das künftige Kommunikationsgeschehen in den Verwaltungen erklärt worden ist.

Die wenigsten Konflikte bei gewohnten Kompromissen

Eingangs wurde gesagt, daß Organisationsuntersuchungen bei öffentlichen Verwaltungen mit Sicherheit in die "bedarfsgerechte Stellenausstattung" hineinlaufen, da dieses Ergebnis sicherlich die wenigsten Konflikte bei gewohnten Kompromissen bringt. Außen vor bleibt der Auftrag einer Verwaltung, die vorgibt, bürgernah für die Öffentlichkeit da zu sein. Sieht man von dem Kompromiß ab, das Altbewährte reicht bei einigen Verbesserungen aus, so würden die Alternativen neue Konflikte ergeben:

- Um bürgernah zu sein, braucht man mehr Stellen (örtlich wie personell) in der Verwaltung.

- Die vielen Stellen in der Verwaltung hemmen sich selbst. Erst die Abschaffung unnötiger Instanzen führt zur Bürgernähe.

Der Ablauf der Organisationsuntersuchung jedoch, die durch Marketingumfragen die Untersuchungsobjekte nach außen trägt, wäre wahrscheinlich angesichts der anfallenden Kosten und der nicht mehr verifizierbaren (politischen) Ergebnisse nicht gangbar. Also ist der Kompromiß - Status quo mit Verbesserungen für Forscher und Auftraggeber gar nicht so abwegig. Es bleibt aber der fade Geschmack, wenn in solchen Untersuchungen der Begriff "Bürgernähe" lediglich aus den verbalen Beteuerungen der Amtsleitung und ihrer Sachbearbeiter herausgeholt wird.

Nicht die Öffentlichkeit klagt über die unzureichende Anlayse von Kommunikationsvorgängen sondern die Forschung. Also bleibt es die Aufgabe der Forschung, die Analyseverfahren zur Erforschung der Kommunikation zu verbessern und bewährte anzuwenden.

Sogenannte Verrechtlichung

In den vorangegangenen Folgen dieser Serie wurde versucht, den Einstieg in die formale Beschreibungstheorie pragmatisch aufzuhellen. Wenn nämlich nach dem Vorbild der exakt mathematischen Systemvorstellungen auch die gesellschaftspolitischen Bezüge - Interessen, Rechte und Pflichten von einzelnen und Instanzen mit zur Beurteilung von Entscheidungsaktivitäten einbezogen werden sollen, würde sich bei vordem hoher Komplexität der Entscheidungsspielraum jedes einzelnen kleiner werden. Denn durch Logistik werden ähnlich wie bei der Rationalisierung die Handlungsspielräume formal eingeengt. Ein gegenläufiger Prozeß ist in der sogenannten Verrechtlichung unserer Handlungsspielräume zu sehen. Wird fortgesetzt