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31.05.1985 - 

Anhörung des Forschungsausschusses im Bundestag:

Folgen der Elektronisierung bleiben umstritten

BONN (lo) - Über die gesellschaftlichen Auswirkungen einer "Elektronisierung" aller Lebensbereiche sind Experten aus Wirtschaft. Gewerkschaften und Wissenschaft uneins. Die jüngste Anhörung des Forschungsausschusses im Bundestag zeigte zudem unterschiedliche Auffassungen der Parteien über den technischen Fortschritt.

Die Anhörung "Gesellschaftliche Folgen der Informations- und Kommunikationstechniken" (I- und K-Techniken) setzte die Veranstaltung vom Frühjahr 1984 mit dem Thema Entwicklung der Technik und Konkurrenzfähigkeit auf dem internationalen Markt fort. Die Fragen lauteten:

- Wie und in welchem Umfang dient die neue Technik dem Menschen, welche Gefahren sind mit ihrem Einsatz verbunden?

- Auf welche individuelle Konstitution und Bewußtseinslage, auf welche soziale Strukturen trifft die explosionsartige Verbreitung der I- und K-Technik in den Bereichen Arbeit, Freizeit und Familie?

- Welche Möglichkeiten und Notwendigkeiten der stattlichen Einflußnahme auf diese Prozesse müssen in Betracht gezogen werden?

Positive Einstellung zur modernen Technik

Mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik verbinden sich für die SPD-Fraktion und die Grünen das Risiko der technischen Entwicklung, Gefahren für die Arbeitsplätze, eine in Frage gestellte Mitbestimmung sowie die Bedrohung durch Zentralisierung von Macht.

Wenn man die I- und K-Technik (...)hindere, setze man sich schwerwiegenden volkswirtschaftlichen sowie gesellschaftlichen Bedrohungen aus, unterstrich die CDU/CSU-Fraktion. Sie nannte die neue I- und K-Technik als notwendig für eine Humanisierung des Arbeitslebens sowie für die Leistungsfähigkeit deutscher Forschung und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft.

Die CDU/CSU warnte, spekulative und ideologisch verbrämte Vermutungen dürften nicht dazu führen, daß diese Technik als Ganzes unzulässig behindert werde. Christian Lenzer, forschungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, betonte, die Umsetzung der neuen Schlüsseltechniken verändere das Leben bis weit in den privaten Bereich hinein. Es könne jedoch nicht auf die moderne Technik verzichtet werden, selbst wenn Arbeitsplätze durch Rationalisierungseffekte kurzfristig gefährdet seien. "Die größere Bedrohung liegt nicht bei den neuen Techniken, sondern geht von denjenigen Bereichen aus, in denen man nicht verstanden hat, rechtzeitig moderne Strukturen herbeizuführen -

Beispiel: Stahl, Kohle, Schiffsbau." Dort seien größte Verwerfungen und schmerzliche Anpassungen der Kapazität zu beobachten.

"Wir haben eine positive Einstellung zum Einsatz der modernen Technik in der Wirtschaft", machte Jürgen Vahlberg, Obmann der SPD-Fraktion in der Enquete- Kommission Technologiefolgen- Abschätzung den Standpunkt seiner Partei deutlich. Unterschiede zu den Unionsparteien zeigten sich bei der SPD auf der politischen Ebene. Dort müsse, so die SPD, der Gestaltungsspielraum für gesellschaftliche und soziale Auswirkungen ausgeschöpft werden, um nachteilige Entwicklungen "in Richtung Orwell-Staat" zu verhindern.

Die SPD nannte flankierende Maßnahmen wie Verkürzung der Arbeitszeit unerläßlich, um Massenarbeitslosigkeit zu verhindern. Gleichzeitig müßten Maßnahmen ergriffen werden, um die Vision vom "gläsernen Menschen" zu bannen.

In der Anhörung betonten Sprecher der Wirtschaft, für die Zukunftssicherung der Bundesrepublik sei die moderne Informations- und Kommunikationstechnik unentbehrlich. Die aktuellen Probleme auf dem Arbeitsmarkt, so der Bundesverband der Deutschen Industrie in Köln (BDI) in seiner Stellungnahme, wären ohne Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnik und ohne die durch ihn erreichten Produktivitätsfortschritte noch gravierender.

Die I- und K-Techniken strahlten auf alle Bereiche in Industrie und Dienstleistung aus, erklärte der BDI. Hier liege eine Chance, die Elektronik wirkungsvoll gegen die Arbeitslosigkeit einzusetzen. "Beschäftigungsprobleme finden sich nicht in produktivitätsstarken, sondern in schwachen Branchen", so Dr. Eckart John von Freyend, Hauptabteilungsleiter Infrastruktur und Forschung des BDI. Ein Wachstum sei vor allem in den Dienstleistungsumfeld der Industrieproduktion möglich. Die Voraussetzungen dazu wären allerdings verstärkte Investitionen, eine gute Infrastruktur sowie ein leistungsfähiges Bildungswesen.