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01.08.1986

Ford: Ein Argument aus der Mottenkiste

Wenn man den Teufel an die Wand malt: Da hatten wir am 13. Juni (CW Nr. 24) dezent angedeutet, daß "der Wunsch nach Portabilität bei den Anwendern manifest wird" (Kolumne "Unix - Lage besser als die Stimmung") - und nun legt sich Ford Amerika im Office-Automation-Bereich für die nächsten fünf Jahre auf IBM fest (Seite 1). Begründung: Durch eine "Alles-aus-einer-Hand-Politik" wolle man sich, erstens, das leidige Kompatibilitätsproblem vom Halse halten. Und dann habe man sich eben auch für die beste aller Möglichkeiten entschieden, was die Produktseite betrifft (O-Ton Ford: "leading-edge technology").

Ford hat eine merkwürdige Form der Konfliktaustragung gewählt. Die Kuh ist nämlich nicht vom Eis. Es bleibt völlig unerfindlich, wie "Kompatibilität" in diesen Zusammenhang gerückt werden kann. Tatsache ist doch, daß der mittlere Rechnerbereich - und damit auch die Bürokommunikation auf Abteilungsebene - für Big Blue zum Risikogeschäft geworden ist, seitdem der Mainframe-Marktführer den zur /370-Welt inkompatiblen PC als Preisbrecher und Workstation-Speerspitze forciert. Vor allem aber: IBMs Distributed Office Support System (Disoss) ist, über die verschiedenen Maschinen hinweg (PC, Serie /1, 8100, 4300, /36, /38), kein Brückenprodukt. Mehr noch: Man kann Anzeichen von blauer Konzeptschwäche darin erkennen, daß sich IBM auch bei den jüngsten Schrägstrich-Ankündigungen um eine Klärung der Abteilungsrechnerfrage herumgedrückt hat (CW Nr. 26 vom 27. Juni 1986, Kolumne: "Zwischen den zwei IBM-Welten").

Dies dürfte freilich kein Grund sein, den Detroiter OA-Pakt pauschal als Fehlentscheidung abzutun. Solch einseitige Kritik hilft letztlich nur IBM. Sich darüber aufzuregen, heißt wiederum nicht, DEC und Wang, die bei Ford in den Auspuff gucken, um jeden Preis in Schutz zu nehmen. Man weiß aber um die Bemühungen aller IBM-Konkurrenten, in Sachen "Portabilitäts- und Kommunikations-Standards" nunmehr voranzukommen. Wir sagen nur: Open Systems Interconnection und Unix.

Das Ford-Argument verfängt nicht, man könne OA-Integrationsproblemen durch elegantes Wegtauchen in eine vermeintlich heile IBM-Welt aus dem Wege gehen. Die Konfrontation steht unweigerlich bevor. Die IBM-Strategen werden, auch dem User Ford gegenüber, Farbe bekennen müssen, wie sie es denn angesichts zunehmender Standardisierung (OSI kommt bestimmt!) mit der SNA- und Disoss-Treue halten.

Die Lieferantenbeziehung einem gewissen "Vogel Strauß" zuzuschreiben, ist gewiß noch eine höfliche Untertreibung. Dabei vergeht kein Tag, ohne daß Horror-Meldungen von der PC-Front (Wildwuchs! Rationalisierungs-Denkmäler!) eintreffen. Wäre das also der eigentliche Hintergrund für die "IBM-Schwäche" der Autobauer?

Typisch für die derzeitige Situation ist, daß die deutsche Ford-Organisation abwiegelt: Das Kompatibilitäts-Kriterium stehe auf schwachen Füßen. Man wird auch aufmerksam verfolgen müssen, was das OSI-Kompetenzzentrum der IBM ausbrütet. Schadet sich Ford am Ende nur selbst?