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Textverarbeitung für Wissenschaftler ist noch ein hartes Brot:

Formeln, Fonts und Fußnoten

14.11.1986

Textverarbeitung: Darunter stellt sich der PC-Anwender in erster Näherung das Erstellen von Textdokumenten vor, namentlich Briefen, eventuell Kettenbriefen, möglicherweise auch mit eingebauter Grafik und automatischer Adressierung. Dies sind Anwendungen, assoziiert mit einer kaufmännischen oder verwalterischen Büroumgebung. Aber derartige Standard-Büros sind nicht der einzige Platz, an dem sich Autoren eines Computers bedienen, um ihre Gedanken zu Papier - oder zu Diskette - zu bringen.

Technische Büros, Labors, Universitätsinstitute und Einzelpersonen wie Diplomanden, Doktoranden und sonstige wissenschaftliche Textproduzenten haben längst die Vorteile des Personal Computing für ihre Aufgabe erkannt und sind bestrebt, sie bei der Erstellung ihrer Laborberichte, Handbücher und wissenschaftlichen Arbeiten zu nutzen.

Zwar ist gängige Textverarbeitungssoftware mittlerweile in der Regel schon recht komfortabel. Die meisten Programme beherrschen Hoch- und Tiefstellung, Fettdruck und Unterstreichen ebenso wie die Verwaltung von Fußnoten oder die automatische Zeilennumerierung. Mit dem selbsttätigen Einfügen von Kopf- und Fußzeilen kann das Normal-Textverarbeitungsprogramm auch noch dienen.

Die Probleme beginnen in dem Moment, wo eine mathematische Formel auftaucht, die mehr oder anderes als die vier Grundrechnungsarten enthält. Was macht also der wissenschaftliche Autor, will er derartige Formeln in den Text einbauen? Manche Programme können auch das, aber meist auf recht umständliche Art.

Bei dem für den PC konzipierten IBM-Programm "PCText 3" lassen sich Sonderzeichensätze schaffen, indem man Zeichensätze umdefiniert und die Sonderzeichen in den Bereich legt, der mit Drücken der Control-Taste erreicht wird. Dieser Bereich enthält übrigens ohnehin bereits einige griechische Buchstaben und semigrafische Zeichen. Die mit dem Programm geladene Datei Assistant. Pro enthält die Definition der mit jeder Taste verbundenen Bildschirm-Zeichenmuster.

Deren Änderung dürfte allerdings recht umständlich sein, da ein Font Editor nicht zur Verfügung steht. Damit nicht genug, auch die Hardware bedarf erst noch einer Ergänzung. Um den Personal Computer für diese Art von Textverarbeitung tauglich zu machen, ist eine hochauflösende Grafikkarte vonnöten, etwa die Hercules- oder EGA-Karte, und diese muß wiederum hinsichtlich des Speicherausbaues den Maximalumfang erreichen.

Ferner ist die Anschaffung eines BGC-Bildschirmes erforderlich. Hat der betreffende Dulder dann seinen Computer endlich soweit, Wurzelzeichen und Integrale auf dem Screen darzustellen, ist allerdings ein Ende der Mühe keineswegs in Sicht: Er muß erst einmal, um sich die neue Tastaturbelegung zu verinnerlichen, eine Tastenbelegungsschablone anfertigen und üben, danach zu arbeiten.

Diese Möglichkeit des Eigenbaues von Sonderzeichen gibt es bei einigen Programmen, aber nicht bei allen. Tex-Ass-Window beispielsweise ist laut Auskunft eines Firmensprechers für die Anforderungen technisch-wissenschaftlicher Textverarbeitung "so gut wie gar nicht" gerüstet. Zwar benutzt es den vollen Zeichensatz mit 256 Characters, der auch einige Sonderzeichen enthält - griechische Buchstaben etwa oder ein Wurzelzeichen.

Auch die Hardware muß passen

Größere, mehrere Zeilen umfassende Wurzeln lassen sich damit jedoch ebenso wenig schreiben wie chemische Formelzeichen. Auch der oftmals bei wissenschaftlichen Arbeiten verlangte Fußnotenapparat ist nicht Sache von Tex-Ass-Window. Ähnlich bei Wordstar, dem Klassiker der Textverarbeitungssoftware. Wordstar unterstützt den vollen IBM-Zeichensatz. Damit hat es sich dann aber auch schon, weitergehende Möglichkeiten sind nicht vorgesehen.

Früher oder später ist der Wissenschaftsautor daher gezwungen, auf ein speziell für seine Zwecke konzipiertes Programm zurückzugreifen. Die Auswahl ist nicht gerade überwältigend, denn des Markt ist im Vergleich zu demjenigen für Standardprogramme recht bescheiden. Das schlägt sich auch im Preis nieder.

Für das Paket ScienTEX zum Beispiel sind fast 1600 Mark anzulegen. Dafür enthält der Zeichenvorrat denn aber auch acht Zeichensätze, von denen sich jeweils fünf zur Laufzeit im Hauptspeicher befinden, so daß der Bediener zwischen diesen wählen kann. Unter anderem ist je ein kompletter Satz für Zwecke der Mathematik und der Chemie implementiert.

Außerdem gibt es, für Fremdsprachen-Übersetzer, einen "multilingualen" Character Set, der mit kyrillischen Buchstaben vorbesetzt ist. Eigene Tastaturcodes lassen sich per Font Editor anlegen. Zur Erzeugung weiterer, kombinierter, Zeichen gibt es die Möglichkeit des "Übereinanderschreibens" von verschiedenen Symbolen, das Resultat ist dann die Summe der einzelnen Bildpunkte im betreffenden Bildschirmraster.

Die Umschaltung zwischen den einzelnen Sätzen erfolgt per Funktionstaste. Zwar ist auch bei einem solchen Programm eine Einarbeitung zur Gewöhnung an die zusätzlichen Zeichen erforderlich, aber per Tastendruck läßt sich die jeweils aktuelle Tastaturbelegung auf dem Schirm anzeigen. Features wie Halbzeilenschaltung, Fußnotenverwaltung, Fettschrift et cetera sind ebenfalls vorhanden.

Der Komfort muß allerdings mit einem Nachteil erkauft werden, den Verfasser umfangreicherer Werke besonders zu spüren bekommen: Die Maximalgröße der Arbeitsdatei beträgt 64 Kilobyte. Für die meisten Zwecke wird das allerdings genügen. Der Einsatz des Programms setzt eine hochauflösende Grafikkarte und einen ebensolchen Bildschirm voraus. Der Hauptspeicher des verwendeten PC muß mindestens 512 Kilobyte fassen.

Ähnlich ist der Leistungsumfang von T3, einem weiteren Programm dieser Kategorie. Es kostet 2450 Mark und erlaubt die Auswahl von sechs Zeichensätzen aus acht mitgelieferten. Weitere Sätze lassen sich editieren. Im Gegensatz zu ScienTEX enthält T3 einen Paßwortschutz, der die Schriftstücke gegen unbefugten Zugriff absichert. Verzichtet wurde dagegen auf eine Help-Funktion.

Im Gegensatz zu Maschinen des MS-DOS-"Industriestandards" für derartige Arbeiten geradezu prädestiniert ist der Macintosh von Apple. Das liegt daran, daß sein Bildschirm ohnehin pixelorientiert, also einzelpunktweise verwaltet wird, im Gegensatz zur Blockorientierung bei den IBM-Kompatiblen. Apple bietet denn auch ein Programm für diesen Zweck an, MacTex.

Dabei handelt es sich Apple zufolge um eine Macintosh-Implementation des Mainframe-Programmes Tex. Mit 1250 Mark ist es das preiswerteste in dieser Betrachtung, enthält aber laut Anbieter zumindest für mathematische Zwecke den erforderlichen Funktionsumfang. Chemische Formeln enthält das Programm nicht, und soweit bekannt ist, besteht auch nicht die Möglichkeit, eigene Formelzeichen zu editieren.