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01.11.1996 - 

Das Internet sorgt für technologische Neuorientierung

Forrester: Objekte als Komponenten für jedermann

Objektorientierung ist derzeit ein Gesprächsthema, aber keine Handlungsmaxime, so die Quintessenz der Forrester-Studie. Von den befragten 50 US-Top-1000-Unternehmen gaben nur 38 Prozent an, objektorientiert zu entwickeln. 28 Prozent stehen vor der Entscheidung und 24 Prozent befinden sich in der Evaluationsphase. Für eine Vertagung haben sich zwölf Prozent entschieden (Mehrfachnennungen waren erlaubt).

Dabei gibt es die Objekttechnologie schon seit Jahrzehnten. Objekte bilden die anerkannte Basis für einen zum Teil enormen Produktivitätsgewinn bei Softwareherstellern und in Firmen mit Vorreiterrollen etwa in der Telekommunikation, Finanzdienstleistung und High-Tech-Produktion. Trotzdem empfanden die Interview-Partner von Forrester die Technologie noch immer als zu komplex und gegenüber dem Management schwer zu vertreten. Die Marktforscher fragten sich: Warum?

"Objektorientierung ist schlichtweg eine Zumutung: Die Sprachen und Object Request Broker sind bestenfalls etwas für Wissenschaftler und Objekt-Druiden. Diese elaborierte Technologie ist nicht annähernd auf das Durchschnittsvermögen und -können der breiten Masse von Entwicklern abgestimmt", schreiben die Autoren der Studie.

Aber auch die schnellen Wechsel in der Objekttechnologie haben laut Forrester zur Zurückhaltung beigetragen. In wenigen Jahren hat sich die Diskussion von der Frage "Wie ist C++-Code zu implementieren, so daß er wiederverwendet werden kann?" hin zu zu Fragen über dynamische Komponenten verschoben. Das habe dazu geführt, daß die Objekttechnik sich zwar weiterentwickelte, aber nicht reifen konnte.

Bei Mehrfachnennungen kritisierten rund 38 Prozent der befragten IT-Manager den hohen Aufwand für das Erlernen objektorientierter Methoden (1995 bemängelten dieses noch die Hälfte der Befragten), 20 Prozent vermißten Standards (1995: 35 Prozent) und 14 Prozent (1995: 24 Prozent) fanden die Tools zu unreif.

Dennoch, so die Studie, gehört die Softwarezukunft der Objekttechnologie. Zum Motor dafür wird das Internet - und zugleich zum strengen Prüfer. "Das Internet macht den elitären Objekttechniken wie Smalltalk, Opendoc, DSOM und Corba den Garaus", freuen sich die Analysten. An die Stelle dieser Techniken treten Komponenten für jedermann: sich selbst beschreibende Bauelemente, die unabhängig von der Sprache, Netzprotokollen und Betriebssystemen einsetzbar sind. Das Internet definiert Objekte neu.

Eine Schlüsselrolle dabei nehme neben der Active-X-Technik von Microsoft die von Sun entwickelte Programmiersprache Java ein. Für 42 Prozent der von Forrester befragten Firmen steht bereits fest, daß Java zumindest bei ihren Internet-Aktivitäten eine strategische Rolle spielen wird (siehe Kasten).

Letztlich führe die Entwicklung dazu, daß Komponenten auf den Markt kommen, die mit dem Stempel "Ready for Java and Active X" versehen und gebrauchsfertig sind. Damit reduziere sich auch die Anzahl der Plattformen, für die entwickelt werden muß, auf OLE/COM und Javabeans. Das aber bedeute, daß die Entwicklung wesentlich kreativer und effektiver vonstatten gehen könne: "Die Programmierer müssen sich nicht mehr entscheiden, ob sie entweder schnell, schön oder robust entwickeln wollen."

Auf der Client-Seite findet laut Forrester die Hinwendung zur Komponente für jedermann bereits statt. Ab 1998 jedoch holt diese Bewegung auch die Server-Seite ein. Hersteller elitärer Entwicklungs-Tools wie Forté oder Seer werden sich dem Trend nicht verschließen und ihn außerdem um Funktionen wie Transaktions- und Inhalts-Management sowie Kurierdienste erweitern. Das Internet wird auf diese Weise zur Komponenten-Pipeline.

Zu welchem Lager - Microsoft oder dem Rest der Welt - die Anwendungsfirmen sich auch bekannt haben mögen, spätestens jetzt wird das unerheblich, so Forrester. Programmierer werden Transaktionen schreiben können, die in der einen Technik beginnen (Corba/IIOP) und in der anderen (Active X) aufhören. Außerdem werde das viel einfacher sein als mit einem Transaktionsmonitor. Beispielsweise soll Microsofts "Active Server" ab 1998 Transaktions- und Kurierdienste zu jeder COM-Komponente ermöglichen, einschließlich Java-Applets.

Außerdem werde es bald "ORBlets" geben, Request Broker, die einfacher zu bedienen sind, ohne statische Schnittstellen auskommen und trotzdem den Zugriff auf verschiedenste Back-end-Funktionen ermöglichen.

Die Prognosen von Forrester sehen zudem eine Art Gütesiegel für die Komponenten vor. Dieses schaffe Standards, bürge für die Qualität, nenne die Herstellerquelle und ermögliche somit, Software von verschiedenen Anbietern zu mixen.

Was diese Trends für Anwender und Softwarehersteller bedeuten, faßt die Studie in einer Liste mit Empfehlungen zusammen.

- Spätestens ab 1999 solle man nicht mehr in Elitetechnologien ê la "Orbix-MQ-Series-Tuxedo-DCE-Amalgam" investieren.

- Obwohl Objekte nicht mehr ausschließlich Technikfutter für Freaks und Gurus sind, bedürfen Unternehmen solcher Spezialisten. Sie müssen in Zukunft entscheiden, welche Komponenten gekauft und wie sie eingesetzt werden.

- Außerdem sollten die Entwickler so geschult sein, daß sie zwar objektorientierte Softwarebausteine programmieren und verwenden können, aber trotzdem den Blick für den Zusammenhang nicht verlieren.

- "Überlassen Sie die Cobol- und IMS-Anwendungen getrost den Outsourcing-Firmen", so der Forrester-Ratgeber. "Doch erweitern Sie den Vertrag um eine neue Klausel: Alles, was angepackt wird, ist mit Internet-fähigen Schnittstellen zu versehen", zum Beispiel in "Javascript" oder "Denali".

Aber auch die Hersteller, egal ob aus dem Bereich Datenbanken, Entwicklungs-Tools, Applikationen oder Systemintegration, müssen sich gemäß den Auguren auf diese neue Form der Objekttechnologie einstellen. Schwer werden es laut Forrester Anbieter von Anwendungspaketen wie SAP, Peoplesoft und Oracle haben. Zwar würden auch diese Firmen mit der Zeit ihren antiquierten Code modularisieren, schließlich kapseln und mit COM- und Javabeans-Interfaces versehen, doch seien andere Anbieter, die neu anfangen und direkt Komponenten auf den Markt bringen könnten, schneller und deshalb im Vorteil.

Zahlenspiele

Zuverlässige Angaben über den Erfolg der Objektorientierung gibt es wenig, zudem weichen sie erheblich voneinander ab, wie die Beispiele zeigen:

Die IBM Deutschland Informationssysteme GmbH schätzt, daß rund 70 Prozent aller Entwicklungsprojekte, in die das Unternehmen involviert ist, objektorientiert sind. Dagegen geht Alex Bojanowsky, Geschäftsführer des Bundesverbands Informationstechnologien e.V. (BVIT) davon aus, daß derzeit etwa ein Drittel der deutschen Neuentwicklungen auf objektorientierten Paradigmen beruht. Die Gartner Group kommt sogar nur auf 13 Prozent. Weltweit sollen allerdings 44 Prozent aller Entwicklungsprojekte objektorientierten Paradigmen folgen. Chris Stone, President der Object Management Group (OMG), schätzt, daß Ende 1997 weltweit die Hälfte aller Projekte auf "objektorientierten Methoden" basieren wird.