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28.09.1984 - 

Uni Dortmund realisiert Smalltalk-Projekt:

Forschung erarbeitet Window- und Menükonzepte

DORTMUND (CW) - Zunehmend beschäftigen sich auch die Universitäten mit den Sorgen und Nöten nicht speziell ausgebildeter DV-Anwender. Unter dieser Zielsetzung hat die Universität Dortmund mit einem Projekt zur Implementierung der Programmiersprache Smalltalk unter Unix begonnen. Zielrechner ist ein Cadmus 900 der PCS Periphere Computer Systeme GmbH aus München. Das Projekt steht unter Leitung von Professor Dr. Harald Ganzinger, der in einer weiteren Projekt-Ausbaustufe Möglichkeiten des Smalltalk-Einsatzes in Anwendungen künstlicher Intelligenz - verbesserte grafische Peripherie erforschen will.

Smalltalk ist ein System, welches in einem Zeitraum von mehr als zehn Jahren am Xerox Palo Alto Research Center entwickelt worden ist und nun in der Version Smalltalk 80 einen vorläufigen Abschluß erhalten hat.

Die Forschungen bei der Entwicklung von Smalltalk haben sich konzentriert auf die Verbesserung der Unterstützung für die Nichtinformatiker unter den Benutzern von Computersystemen. Damit wurde die Betonung gelegt auf den visuellen Aspekt (Bitmustergrafik), hochgradig interaktive Benutzeroberfläche und erhöhte Flexibilität bei der Programmierung durch den Benutzer.

Unter den Ergebnissen dieser Forschung finden sich grundlegende Konzepte für "Windows" und Menüs (textuell oder durch "Icons" ). Bei deren Implementierung liegt der Schwerpunkt auf dem Einsatz von Zeigevorrichtungen ("mouse") zur Auswahl sowohl von Objekten wie Operationen auf Objekten.

Smalltalk ist aufgebaut und implementiert in einer gleichnahmigen Programmiersprache, die auf dem Prinzip des objektorientierten Programmierens basiert. Strukturierungsmittel für Programme sind so gennante Klassen (ähnlich zu Simula). Klassenhierarchien definieren die "Botschaften", die Objekte "verstehen" und ausführen können.

Wie bei Lisp wird die Lebensdauer von Objekten automatisch aus der internen Verweisstruktur bestimmt, so daß der Programmierer kein explizites Anfordern, Freigeben und Kompaktifizieren von Speichern zu programmieren braucht.

Das Smalltalk-System besteht aus einer Hierarchie von allgemeinen Datentypen (Mengen, Abbildungen, Adreßbücher, Listen), "Streams", Dateiverwaltung, Prozeßverwaltung und Bitmustergrafik. Der Smalltalk-Programmierer findet eine Umgebung vor, in der er durch den

"System-brouser" diese Hierarchie durchwandern und seine neuen Klassen an geeigneter Stelle einsetzen kann.

Smalltalk-Anweisungen können (wie in Prolog-Systemen) einzeln in einem "Workspace" aufgeschrieben und direkt ausgeführt werden, wobei das Ergebnis der Ausführung im Workspace abgelegt wird. Testhilfen umfassen das gleichzeitige Anbieten von Programm, Fehlerstelle, Objektzuständen und Botschaftenaufrufhierarchien in verschiedenen Fenstern auf dem Bildschirm.

Um die Portabilität vom Smalltalk zu unterstützen, wurde wie beim P-Code für Pascal, der Weg über eine standardisierte virtuelle Maschine (v-Maschine) auf der konkreten Hardware gewählt. Aus Erfahrungen mit bisherigen Implementierungen weiß man, daß ein erheblicher Optimierungsaufwand zu treiben ist, damit ein genügend schnelles Reaktionsverhalten des Systems erreicht werden kann.

Hardwareanforderungen an die konkrete Maschine sind ein schneller Prozessor, ein 2 MB großer Hauptspeicher und ein Bitmap-Terminal mit genügend hoher Pixelzahl und lokalem Pixelprozessor.

Das auf dem MC68000 basierte Cadmus-System erfüllt diese Anforderungen. Bei Benchmark-Tests mit C-Prolog erwies sich dies System unter den vergleichbaren Unix-Maschinen als das schnellste.

Das Bitmap-Terminal hat neben dem Pixelprozessor einen eigenen MC68000-Prozessor, der, parallel zum Hauptprozessor laufend, I/O-Prozesse selbständig ausführen kann.

Die Entwicklung der Smalltalk-Implementierung wird entscheidend unterstützt durch die Unix-Programmierumgebung. Geplant ist die Erstellung einer durchlässigen Schnittstelle zwischen Smalltalk und Unix.