Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

05.12.1980 - 

CUU: Blütenträume der sechziger Jahre

Forschungs- und Entwicklungszentrum für objektivierte

Mit Dr. Gerhard E. Ortner, Direktor des Instituts für Bildungsbetriebslehre am

Lehr- und Lernverfahren GmbH (Feoll), Paderborn, sprach CW- Mitarbeiter Franz Fischbach

- Die GPI hat vor über zehn Jahren mit sehr viel Euphorie ihre Arbeit aufgenommen. Wie hat sich diese Gesellschaft entwickelt?

Es ist richtig, daß die GPI mit einiger bildungstechnischer Euphorie begonnen hat, allerdings nicht vor zehn Jahren, sondern schon früher. Wir haben in diesem Jahr bereits das achtzehnte große Symposium in Paderborn veranstaltet. Das nächste große Symposium findet vom 26. bis 28. März 1981 anläßlich der Eurodidakta in Basel statt.

- Was tut sich jetzt in Neuß?

Diesmal hat eine der fünfzehn Arbeitsgruppen zu einer Jahrestagung eingeladen, und zwar die neu organisierte Arbeitsgruppe "Bildungsplanung und Schulorganisation", die sich mit dem hochaktuellen Thema "Computersysteme im Schulbetrieb" befaßt.

- Was bedeutet die Abkürzung GPI?

Die GPI versteht sich heute als "Gesellschaft für Pädagogik und Information". Der erste Vorsitzende ist Professor Hans-Eberhard Piepho, Universität Gießen. Früher hieß GPI "Gesellschaft für programmierte Instruktion". Wir haben aber mittlerweile unser Angebot wesentlich erweitert. Wir meinen heute das Gesamtprogramm von Pädagogik, sofern es sich um Informationsprozesse handelt, also wenn es mehr um das Faßbare von Pädagogik und weniger um das Philosophische geht. Die GPI ist heute eine pädagogische Gesellschaft mit einem vornehmlich praxisorientierten Schwerpunkt.

- Welche Hauptziele verfolgt die GPI?

Die GPI hat es sich als wissenschaftliche Gesellschaft zum Ziel gesetzt, ein Forum für praxisorientierte Bildungsforscher und für nicht ganz theorielose Bildungspraktiker zu sein, um den notwendigen Gedankenaustausch zwischen allen Beteiligten zu fördern. Dazu zählt unter anderem das Bemühen, die Gespräche über die Wirtschaftlichkeit in der Schulverwaltung dort wieder in Gang zu bringen, wo aufgrund von ideologischen Barrieren eigentlich die Erziehungswissenschaftler mit der Wirtschaft in vielen Bereichen nicht mehr reden.

- Können Sie die Schwerpunkte der Neußer Tagung am 20. und 21. November kurz umreißen?

Die Neußer Tagung wird als Jahrestagung von der Arbeitsgruppe "Bildungsplanung und Schulorganisation" veranstaltet. Der erste Sprecher ist Dipl.-Psychologe Christoph Seidel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Bildungs-Betriebslehre am Feoll, Paderborn. Der zweite Sprecher ist Oberstudienrat Ludgerus Sareyka, Kaufmännische Schule, Neuß. Also auch hier ergänzen sich die Erfahrungen des Bildungsforschers und des Schulpraktikers. Das Thema lautet "Computersysteme im Schulbetrieb", wobei im Zentrum die Unterstützung der Schulverwaltung mit Hilfe von in der Schule befindlichen EDV-Anlagen steht.

- Computer in die Schule! Diese Forderung ist schon alt, aber bislang an den hohen Kosten gescheitert. Wirkt sich die Kostendegression im Hardware-Bereich auch günstig auf eine wachsende Anzahl der Computerinstallationen im Bildungs- und Ausbildungsbereich aus?

Es ist ganz klar, daß die Kostenabnahme, die ja innerhalb einer Dekade praktisch im Hardware-Bereich in etwa 90 Prozent beträgt, die ökonomische Situation in den Schulen positiv verändert hat. Es ist heute so, daß größere und große Schulsysteme zunehmend mit Anlagen in einem Kaufpreisrahmen von rund 150 000 Mark ausgestattet werden, um das gesamte Spektrum von Verwaltungsarbeiten, also Personal-, Finanz- und Materialverwaltung wirksam zu unterstützen.

- Ganz allgemein ist eine Verlagerung der zentralen Computerbenutzung auf dezentrale Systeme oder Subsysteme unverkennbar. Kommt dieser Trend auch den Auszubildenden zugute, indem es mehr programmierte Unterweisungen am Bildschirm gibt oder um den direkten Dialog mit dem Computer zu lernen?

Bevor ich diese Frage beantworte, noch einen Hinweis auf die Neußer Tagung, die sich nicht so sehr mit dem Einsatz des Computers im Unterricht befaßt, sondern mit dem Einsatz von EDV- und ADV-Systemen zur Unterstützung der Schulverwaltung. Dennoch möchte ich die Frage nach der Dezentralisierung der EDV im Schulbereich gerne beantworten. Im Informatik- und Wirtschaftsunterricht, vielleicht auch in der Mathematik, ist es ganz sicher so, daß die dezentralisierten Konzepte entweder über Mehrplatzsysteme oder als eine größere Anzahl von Einzelplatzsystemen arbeiten. Dadurch, daß solche Installationen in vernünftigen ökonomischen Relationen geschehen, meine ich, daß die Dialogsysteme auch den Computereinsatz insbesondere im Informatikunterricht fördern.

- Wie ist der Ausbildungsstand der jungen Lehrer-Generation, die jetzt nachrückt? Setzen die Junglehrer moderne Unterrichtsmittel, unter anderem auch den Computer, gezielter und gekonnter ein?

Das ist eine Frage mit einem hohen Schwierigkeitsgrad. Ich habe noch nicht den Eindruck, daß die Lehrerausbildung, sei es an den Universitäten oder Hochschulen, sei es in den Seminaren, die Angebote der mediendidaktischen und computerdidaktischen Natur in dem Maße wahrnehmen, wie es möglich wäre. Dort scheint die entscheidende Schwachstelle zu liegen. Wir haben nämlich mediendidaktische Erkenntnisse und Informatikerfahrungen, die weit über das hinausgehen, was die Lehrer in ihrer Ausbildung mit auf den Weg bekommen. Etwas besser ist es in der Fortbildung der Lehrer.

Das wirkt sich auch wiederum bis hin zur Schulverwaltung mit dem Computer aus, die ja letzten Endes durch die Lehrer selbst initiiert, programmiert und durchgeführt wird. Es

gibt weder computererfahrene Schulbetriebsassistenten noch Schulbetriebsleiter. Das waren Blütenträume der sechziger Jahre.

- Computerunterstützter Unterricht, ist das heute noch ein aktuelles Thema? Oder arbeiten nur noch einige wenige "Unverbesserliche" an dieser Problemstellung?

Das ist ganz gut, daß Sie das so fragen. Der computerunterstützte Unterricht war die Hoffnung der späten sechziger Jahre, als es darum ging, den damaligen großen Lehrermangel abzubauen. Abgesehen davon, daß die Wissenschaftler zumindest in Europa nicht soweit gekommen sind, wie sie hofften, haben wir es ja heute mit völlig anderen Personalbedingungen bei den Lehrkräften zu tun. Über das Pädagogische und Didaktische kann man noch lange diskutieren. Aber es geht heute nicht mehr darum, durch einen computerunterstützten Unterricht den Lehrermangel zu überbrücken. Eines ist aber klar, die pädagogischen Elemente in den Überlegungen zum computerunterstützten Unterricht (CUU) werden erst jetzt, nach dem Preisverfall der Hardware und mit der Dialogisierung der Kommunikation mit dem Computer, denkbar und vielleicht eines Tages auch machbar. Wie Sie so sagen, die Unverbesserlichen erlaubten sich den Luxus, schon vor zehn Jahren mit diesen Gedanken zu spielen, andere meinen "zu spinnen". Vielleicht spinnen auch heute noch manche in Richtungen, die irgendwann einmal konkret werden. Heute ist es mit Sicherheit in nennenswertem Umfang noch nicht so weit.

- Kommt eigentlich der Medienassistent, der auch Operatorfunktionen für den gesamten Schulbetrieb wahrnimmt?

Daran ist in der gegenwärtigen ökonomischen Situation, die ja ihre Finanzkonsequenzen auch im Bildungsbereich hat, überhaupt nicht zu denken. Wir müssen die Schulverwaltung ebenso mit den Lehrern machen wie den Unterricht.

- Damit sind wir im Bereich der Schulverwaltung, Ihrem Spezialgebiet im Feoll. Können sie zu diesem Problemkreis einen kurzen Überblick geben?

Ähnlich wie beim computerunterstützten Unterricht begann man in den siebziger Jahren mit Überlegunge, die vielfältigen Aufgaben in der Schulverwaltung mit Computern zu unterstützen. Damals war das Denken in Großsystemen Mode und auch Realität, zum Beispiel in kommunalen Rechenzentren. Deshalb hat man damals Organisationsformen bevorzugt, die mehrere Schulträger in mehreren Orten in das System einbezogen. Man versuchte damals nicht nur im Bildungssystem megalomanische Informationssysteme aufzubauen, die sich über ganze Regionen, zum Teil sogar über Länder erstrecken sollten. Es gibt viele Gründe, warum sich diese Konzepte nicht realisieren ließen. Ein ganz banaler Grund ist der, daß der Zugriff der Schulen zu den kommunalen Rechenzentren eine zu niedrige Priorität hatte. Es gab ein paar Modelle, die arbeiteten irgendwo unter "ferner liefen". Es war schon so, daß die Pioniere auf diesem Gebiet generell aufhören wollten, weil die Erfahrungen mit den Großrechenzentren recht negativ waren. Da haben sich durch die neueste Generation der Minicomputer, der mittleren und kleineren EDV, die Voraussetzungen grundsätzlich verbessert, weil diese Maschinen nun direkt in die Schule integriert sind. Diese Systeme kamen durch die Informatik-Hintertür in die Schule, und plötzlich überlegten sich die Lehrer, um sich selber vom Verwaltungswust zu entlasten, ob da der Computer nicht ein netter Kollege werden könnte, der die Verwaltung wirksam unterstützt. Damit begann an sehr vielen Stellen in der Bundesrepublik das große Basteln, und zwar Basteln nicht im abwertenden Sinne, im Gegenteil, sondern sehr anerkennend. Es entstanden mit Hilfe der Informatiklehrer die ersten wirtschaftlich tragbaren und brauchbaren Schulverwaltungsprogramme.

Auf dieser Tagung in Neuß treffen sich diese Spezialisten, die sich theoretisch und praktisch mit den Problemen der Schulverwaltung herumschlagen. Wir hatten vor einem Jahr eine etwas kleinere Begegnung in Paderborn innerhalb des Instituts für Bildungsbetriebslehre (siehe Foto) im Feoll und wollten in diesem Jahr im Rahmen der GPI den Gedanken wieder aufnehmen. Wir dachten zunächst an einen Teilnehmerkreis von 30 bis 40 Leuten und haben jetzt einen Teilnehmerkreis von 350 Interessenten mobilisiert, zum großen Teil Fachleute aus der Schulpraxis, die ihre Probleme selbst mit den unterschiedlichsten Ansätzen und den unterschiedlichsten Anlagen der verschiedenen Hersteller und in unterschiedlichen Größenordnungen gelöst haben.

Die GPI hat einen sehr effektiven Informationsaustausch in Gang gebracht.

- Wie beurteilen Sie die Gesamtentwicklung? Kommen mehr Computer in die Schule? Von wem gehen die Impulse aus?

Diese Fragen hängen ja eng miteinander zusammen. Ich möchte das aus meiner Kompetenz und meinem Schwerpunkt im Bereich der schulinternen Verwaltungsorganisation beantworten. Es steht mit Sicherheit fest, daß Datenverarbeitungsanlagen in der Größenordnung eines Kaufpreises um die 100 000 Mark in mittleren und großen Schulen allein schon im Verwaltungsbereich ihre Berechtigung nachweisen können. Dafür kann man nicht einmal zwei Jahresgehälter für Studienräte gegenüberstellen. Die Computer arbeiten aber einige Jahre in der Schule und sind dann auch noch nicht völlig wertlos. Die Impulse, die den Computer in der Schule etablieren, gehen doch sehr stark von der Schulverwaltung aus.

- Der Informatikunterricht gibt also nicht mehr die Hauptimpulse?

Der Informatikunterricht wird sich in der Regel nicht der EDV-Anlagen bedienen, die mit Verwaltungsarbeiten ausgelastet sind. Größere Schulsysteme fahren ihren Informatikunterricht nicht mehr mit einem Universalrechner, sondern entweder mit mittelgroßen Anlagen, die Bildschirmarbeitsplätze steuern, oder sogar nur mit programmierbaren Taschen- oder Tischrechnern, allenfalls noch mit mehreren kleinen Stand-alone-Systemen. Die programmierbaren Taschen- und Tischrechner lassen sich finanziell in viel größeren Stückzahlen, eventuell sogar in Klassenstärke, anschaffen, um damit Informatik in der Praxis zu erlernen. Die Schulleiter gehen hier mit dem Rechenstift und pädagogischem Verstand vor. Programmieren kann man mit jedem frei programmierbaren Gerät erlernen. Dazu braucht man keine größeren Systeme.

- Kurz vor Schluß noch eine provokatorische Frage: Stellt die GPI im Grunde genommen nur ein Sammelbecken für Spezialisten oder Insider dar, die sich bei ihren Begegnungen gegenseitig bestätigen?

Eine wissenschaftliche Gesellschaft mit einer hohen Spezialisierung läuft in der Tat Gefahr, ein gegenseitiger Bestätigungs- und Begegnungsclub zu werden. Doch einer der Hauptgründe, warum das Konzept der GPI erweitert wurde, ist die Tatsache, daß, wie zum Beispiel auf dem Symposium in Neuß, eine Vielzahl von Nichtmitgliedern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Schulpraxis zusammenkommen können, um die unbestreitbaren Fortschritte zur gegenseitigen Anregung vorzutragen. Gewiß besteht für Institutionen, die länger leben, die Gefahr der Inzucht. Wir hoffen auf ständig neue Impulse durch den wachsenden Zugang an kompetenten Mitgliedern.

- Die letzte Frage: Kommt bei der GPI die Öffentlichkeitsarbeit nicht zu kurz? Will und kann man das ändern?

Wissen Sie, Produkte soll und kann einer nur dann gut verkaufen, wenn er überzeugt ist, daß sie gut und damit in Zukunft auch marktgerecht sind. In den letzten drei Jahren hat sich die GPI bemüht, zum Teil durch personelle Umstrukturierungen im Vorstand, am eigenen Produkt zu arbeiten. Diese Arbeit ist noch nicht abgeschlossen und wird auch nie abschließbar sein. Wir sind aber heute schon so weit, daß wir meinen, wir sollen den Schritt in die Öffentlichkeit mehr wagen.