Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

01.03.1985

Forschungswerkzeug Computer endlich besser nutzen

Professor Dr. Lutz J. Heinrich Institut für Wirtschaftsinformatik, Universität Linz

Wer vom Computer in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften spricht, meint vor allem den Computer als Element soziotechnischer Systeme, bekannt als "Informations- und Kommunikationssysteme", also als Gegenstand der Forschung und Lehre. Es liegt auf der Hand, daß in diesem Zusammenhang die Betriebswirtschaftslehre eine dominierende Rolle unter den sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Disziplinen spielt. Im Laufe der letzten zehn Jahre kam es unter anderem zur Etablierung einer Disziplin, die aus der Betriebswirtschaftslehre entstanden ist, der Betriebsinformatik. Ergänzt um weitere, aus anderen Disziplinen wie der Volkswirtschaftslehre und der Soziologie - stammende Forschungs- und Lehrgebiete wächst sie sich aus zu einer neuen Wissenschaftsdisziplin: der Wirtschaftsinformatik.

Über den vielfältigen Diskussionen zu dieser Gegenstandsfrage ist ein zweiter, nicht weniger wichtiger Aspekt in den Hintergrund getreten. Der Computer als Instrument der Forschung und Lehre in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften scheint vernachlässigt, obwohl in der Forschung die ersten größeren Anwendungsbereiche des Computers schon etwa 25 Jahre bekannt sind, jedenfalls in den USA. Europa folgte rund zehn Jahre später. Dazu zählt etwa die statistische Datenanalyse einschließlich Datenaufbereitung und Ergebnispräsentation. Wesentliches Kennzeichen dieser Entwicklung war, daß sich statistische Verfahren - wegen ihrer Komplexität und wegen jedes Umfangs der zu verarbeitenden Daten - überhaupt erst nutzen ließen, als der Computereinsatz möglich wurde. Während anfangs die Forscher noch ihre Programme selbst "stricken" mußten, stehen heute leistungsfähige Standardsoftware-Pakete zur Verfügung. Ihre Implementierung ist für jedes nur halbwegs funktionsfähige Universitäts-Rechenzentrum eine Selbstverständlichkeit.

Die Verfügbarkeit dieser Instrumente führt allerdings auch dazu, daß sie manchmal ohne Rücksicht auf die Qualität der Daten und das den Daten zugrunde liegende theoretische Konzept angewendet werden. Dieser Mißbrauch erfolgt häufig unbewußt. Er zeigt gleichzeitig deutlich, daß die begrüßenswerte drastische Reduzierung der DV-Kenntnisse des einzelnen Forschers das Wissen über die EDV-unterstützten Verfahren nicht überflüssig macht; eher ist das Gegenteil der Fall.

Eine Aufzählung kann hier über das Beispiel statistische Datenanalyse hinaus andeuten, wie der Computer sich als Instrument sozial- und wirtschaftswissenschaftlicher Forschung im Verlauf von etwa 15 Jahren bewiesen hat: Modellentwicklung und Simulation, Daten- und Methodenbanken, Computerunterstützung bei Experimenten und Feldstudien, computerunterstützte Kommunikation - eine lange Liste. Trotzdem überrascht die Feststellung, daß die Anzahl der Forscher in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, welche den Computer als Instrument benutzen, noch immer sehr klein ist.

Dies war 1981 der Anlaß, die Reihe der Vielzahl wissenschaftlicher Symposien um ein weiteres zu ergänzen. Dessen Ziel sollte es sein, den Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlern zu verdeutlichen, daß der Computer nicht nur Verstärker wissenschaftlicher Arbeit ist, sondern vielfach sogar Voraussetzung dafür. Die Meinung, die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften seien "BBP-Disziplinen" (Buch, Bleistift und Papier), ist aber nicht nur bei vielen ihrer Vertreter, sondern besonders auch bei den Beamten in den zuständigen Ministerien verbreitet. Dem entsetzten Ausruf: "Was wollen Sie denn noch, Herr Professor, Sie haben doch einen Bücheretat und eine ordentliche Dotation für Ihren Bürobedarf", hat mancher von uns bei Berufungsverhandlungen hören müssen. Mit anderen Worten: Mangelnde Computer-Ressourcen behindern noch immer entscheidend Einsatz und Nutzen von Computern in der Forschung.

Dem I. Symposium "Der Computer als Werkzeug sozial- und -wirtschaftswissenschaftlicher Forschung" in Linz 1981 folgten weitere in Wien 1982, Graz 1983 und in Salzburg 1984. Jeweils konnte eine internationale Beieiligung aus Österreich, Deutschland und der Schweiz verzeichnet werden. Dabei ergab sich eine inhaltliche Ausdehnung auch auf die wissenschaftliche Lehre. Die oben angedeuteten "Behinderungen", um den Computer als Instrument der Forschung zu nutzen, gelten in gleichem Maße auch für die Lehre, wirken sich aber aufgrund des notwendigen Wissenstransfers in die Praxis wesentlich stärker aus. Es ist einfach unglaublich, wenn etwa Buchhaltung für Betriebswirte so wie vor 100 Jahren gelehrt wird: indem der Lehrer T-Kreuze mit Kreide an die Tafel malt und darin verbucht; oder wenn der Dozent Industrie-Designer ausbildet, ohne daß ihm dafür ein CAD-System zur Verfügung steht.

Verstärkte Bemühungen, den Computer auch als Instrument der wissenschaftlichen Lehre zu nutzen, sind also angebracht. Sie dienen dabei nicht nur zur Entlastung der Lehrenden, sondern verbessern den Lehrbetrieb. Sie verhelfen etwa zu mehr Praxisorientiertung. Computerunterstützte Curriculum und Lehrgangsentwicklung, also "Courseware", computerunterstützte Lehrstrategien, etwa didaktische Simulation, Mikros im Lehrbetrieb und "Teachware" sind Schlaglichter ebenso wie computerunterstütztes Prüfen, wie Erstellen und Auswerten von Prüfungsaufgaben und Computerunterstützte Kommunikation; solche Schlaglichter sind auch die sogenannten Studenten-Informationssysteme, Btx und LAN und deren Integration oder die Bibliothekssysteme; Schlaglichter, die das Interesse engagierter Universitätslehrer zum Ausdruck bringen.