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03.09.1999 - 

Einstieg in E-Commerce-Aktivitäten geplant

Fortunecity wächst durch Übernahmen und kalkuliert mit hohen Verlusten

Von Andrea Goder* FRANKFURT/M. (CW) - Die stark wachsende Internet-Community Fortunecity.com Inc. mit Sitz in New York ist in den ersten Monaten dieses Jahres tief in die Verlustzone gerutscht. Bis Ende des Jahres will das US-Unternehmen auch als E-Commerce-Anbieter Fuß fassen und damit schon in Kürze den Umsatz ankurbeln.

"Die Zahl unserer Mitglieder muß jeden Monat kräftig nach oben revidiert werden", erklärte Peter Macnee vor kurzem auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden von Fortunecity verdoppelte sich die Zahl der Mitglieder bis Ende Juli 1999 gegenüber dem ersten Quartal auf 3,1 Millionen Nutzer. Registrierte Bürger der virtuellen Stadt können dabei kostenlos eigene Home- pages aufbauen, E-Mails versenden, Interessengruppen bilden oder an Chat-Runden teilnehmen.

Das 1997 gegründete und international expandierende Web-Unternehmen, das Communities in Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Schwedisch betreibt, erzielt das Gros seiner Umsätze bislang aus Werbeeinkünften. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres gelang der Internet-Company ein beachtlicher Umsatzsprung auf 2,5 Millionen Dollar. In der Vorjahresbilanz wurden für diesen Zeitraum erst 329 000 Dollar ausgewiesen. In den nächsten Jahren werden noch höhere Zuwachsraten erwartet.

Trotz des sprunghaften Anstiegs der Mitgliederzahlen schlitterte das Startup-Unternehmen in der ersten Jahreshälfte 1999 tief in die roten Zahlen. Nach 1,1 Millionen Dollar Verlust im entsprechenden Vorjahreszeitraum erreichte der Fehlbetrag in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres mit 7,7 Millionen Dollar den bisherigen Höchststand. Vorstandschef Macnee begründete das Minus vor allem mit hohen Aufwendungen für Marketing und Vertrieb.

Das Loch in der Unternehmenskasse wurde zusätzlich durch Akquisitionen vergrößert. So übernahm Fortunecity in den zurückliegenden Monaten die Service-Website "Freepage.de" und erhöhte damit eigenen Angaben zufolge im deutschen Markt die Mitgliederzahl auf über 120000. Mit 20 Prozent beteiligten sich die New Yorker außerdem an Bravenet Web Services Inc., einer Internet-Company, die sich auf Web-Tools, etwa personalisierte Nachrichtenformulare und Gästebücher, spezialisiert hat.

Erst vor wenigen Monaten kauften die am Neuen Markt in Frankfurt notierten Newcomer aus den USA die V3 Redirect Services B. V., bekannt auch unter dem Namen "Come.to". Das Unternehmen ist Anbieter personalisierter URLs für Websites. In diese Kategorie fällt ebenfalls die erst vor wenigen Tagen abgeschlossene Akquisition von Notrix.de, einem Projekt der Kempener Notrix GmbH.

Auch hier handelt es sich um einen kommerziellen Anbieter von Internet-Subdomains, der Besitzern von Websites mit komplizierter Adresse eine eingängige personalisierte Anschrift zuweist. Mit dieser Übernahme wächst die Zahl der Fortunecity-Mitglieder auf über 180000 in Deutschland, der Traffic auf den deutschen Seiten soll sich laut Anbieter auf 25 Millionen Aufrufe im Monat belaufen.

Neben der geplanten Ausweitung der Web-Community auf den portugiesischen und holländischen Sprachraum will Fortune- city im vierten Quartal dieses Jahres auch E-Commerce-Angebote ins Netzwerk integrieren. Dieses Konzept ist bislang jedoch noch sehr vage. Wie Unternehmenssprecher Macnee in Frankfurt ausführte, läuft im Moment die Suche nach einem E-Commerce-Unternehmen, das eine Plattform für Einkäufe im Cyberspace bietet.

Wollen die New Yorker allerdings wie geplant bereits mit dem diesjährigen Weihnachtsgeschäft die Kassen zum Klingeln bringen, ist es für das 82-Mitarbeiter-Unternehmen höchste Eisenbahn. Denn offensichtlich sind Einnahmen aus dem E-Business-Bereich bereits in die 99er Planung eingeflossen.

Sowohl die Analysten der Deutschen Bank als auch von Sal. Oppenheim rechnen bis zum Ende des Jahres mit rund elf Millionen Dollar Umsatz - also mit einer Vervierfachung der Zahlen aus dem ersten Halbjahr. Da es dem Börsen-Newcomer im Anzeigengeschäft jedoch noch an kritischer Masse fehlt, will Fortunecity in den nächsten Monaten kräftig die Werbetrommel rühren. Die Zahl der deutschen Werbekunden, darunter die Bank 24 und Buecher.de, schwankt Unternehmensangaben zufolge im Moment zwischen fünf und zehn.

Für 1999 ist ein dickes Minus zu erwartenHohe Anlaufkosten in den Bereichen E-Commerce und Marketing dürften dann allerdings im Gesamtjahr 1999 mit einem dicken Minus zu Buche schlagen. Zwischen 17 und 19 Millionen Dollar Verlust bewegen sich die Prognosen der Finanzexperten. Das Unternehmen selbst hält sich mit Aussagen über die weitere Geschäftsentwicklung bedeckt.

Macnee zufolge winken den Anlegern erste Gewinne ab dem Jahr 2001. Im Vergleich zu anderen Internet-Werten am Neuen Markt hat das US-Papier bislang kaum Kursphantasie gezeigt. Im März dieses Jahres entschieden sich die New Yorker bewußt für eine Notierung an der Frankfurter Wachstumsbörse, da an der Nasdaq bereits Wettbewerber wie The Globe oder Xoom gelistet sind. Seit Monaten bewegt sich die Aktie von Fortunecity jedoch nach unten und rutschte Mitte Juli sogar ins Minus.

Geht das Internet-Geschäftsmodell der Internet-Community auf, rechnen die Analysten der Deutschen Bank im Jahr 2001 mit 14,5 Millionen Dollar Gewinn. Parallel dazu ist ein Umsatzsprung auf 145 Millionen Dollar anvisiert. Die Betreiber der virtuellen Gemeinde erwarten außerdem, daß im Jahr 2001 40 Prozent der Einnahmen aus der E-Commerce-Sparte stammen.

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München.