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13.12.1996 - 

Leserbriefe

Fragwürdige Statistik

Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Ohne Anspruch auf Repräsentanz habe ich die Stellenanzeigen aus der genannten CW (Seite 79 bis 90) nach den von den Bewerbern verlangten Sprachen ausgewertet. Ergebnis: Nach Assembler gab es zwei Anfragen, nach Cobol neun, Natural zwei, Powerbuilder eine, Smalltalk zwei, Abap/4 zwei, C vier und C++ sechs (unter anderem). Die Summe stimmt nicht mit der Anzahl der Anzeigen überein, da offensichtlich in manchen Firmen sämtliche gängigen Sprachen eingesetzt werden.

Was können wir als trickreiche Statistiker aus diesen Zahlen machen? Zunächst fällt uns auf, daß Cobol entgegen dem von uns propagierten Trend die meistgesuchte Sprache ist. Das wäre als Ergebnis natürlich verheerend.

Wir könnten nun C und C++ rechnerisch zusammenfassen. Das entspricht zwar nicht den Tatsachen, aber wenigstens haben wir nun eine Sprache, die häufiger nachgefragt wird als Cobol. Wir könnten auch Datenbankentwicklungs-Tools oder 4GLs jeweils zu einer Zahl zusammenzählen, die über dem Cobol-Wert liegt. Es ist zwar nicht fair, eine einzelne Sprache mit Gruppen mehrerer anderer Sprachen zu vergleichen (es gibt mehr Säugetiere als Hunde), aber das Ergebnis heiligt bekanntlich die Mittel.

Der beste Trick ist natürlich der, Cobol einfach als "nicht genug nachgefragt" unter den Tisch fallen zu lassen. Damit vermeiden wir die Gefahr, daß unliebsame Zahlen unser Ergebnis in Frage stellen.

Also: Eine Statistik, in der nicht klar gesagt wird, zu welcher Meinung damit manipuliert werden soll, ist erlogen. Doch selbst wenn wir annehmen, daß mitarbeitersuchende Firmen häufiger C++-Kenntnisse verlangen als Cobol-Know-how, welche Schlüsse wären daraus zu ziehen? Der Leser soll glauben, daß C++ die wichtigere, zeitgemäßere Sprache ist. Es gäbe jedoch noch ganz andere Möglichkeiten:

1. Daß mehr Know-how in Cobol als in C++ vorhanden ist und nur deshalb mehr C++-Kenner gesucht werden.

2. Daß bei Bedarf problemlos Betriebswirte oder Ingenieure in Cobol ausgebildet werden können, während für C++ hochqualifizierte Spezialisten benötigt werden.

3. Man braucht auch dann mehr C++- als Cobol-Entwickler, wenn die Programmierung von Anwendungen in C++ aufwendiger ist als in Cobol. Das kann bei kommerziellen Anwendungen unter Einsatz entsprechender Werkzeuge und bei entsprechendem Software-Engineering durchaus der Fall sein. Ganz sicher ist es bei der Wartung so.

Das Gesagte trifft vermutlich ähnlich auf MVS, BS2000 etc. zu.

Volker Raschke, RSG Raschke Software GmbH, 12205 Berlin-Lichterfeld