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11.06.1993

France Telecom zoegert noch Cap Gemini und Daimler weiter auf Partnersuche

PARIS (CW) - Nach einer grundlegenden Umstrukturierung der 1992 erstmals in die Verlustzone geratenen Cap Gemini Sogeti SA (CGS) suchen die wichtigsten Aktionaere, die Debis AG, die Sogeti SA und die CGIP SA einen weiteren strategischen Partner. Bisher verhaelt sich Wunschkandidatin France Telecom (FTallerdings abwartend, obwohl die groessten Einstiegshindernisse aus dem Weg geraeumt zu sein scheinen.

CGS-Praesident Serge Kampf hielt es auf der Bilanzpressekonferenz fuer angebracht, die Fuehrung der staatlich kontrollierten France Telecom zur Eile zu mahnen und die seit einem Jahr andauernden Verhandlungen zu beschleunigen: "Wir koennen noch mehrere Wochen oder Monate warten, aber nicht ewig", betonte er.

Die Eile ist nicht verwunderlich angesichts des Verlustes von 72 Millionen Franc, den CGS nach Zahlung von 121 Millionen Franc Dividende an die Minderheitsaktionaere fuer 1992 verbuchen musste.

Ausserdem erklaerte Kampf die FT-Beteiligung fuer "finanziell erwuenscht und strategisch

erforderlich", da ein Grossteil der kuenftigen CGS-Investitionen im Telecom-Sektor getaetigt werden sollen. Auch der Debis-Vorsitzende Manfred Gentz und der Chef der Cie Generale d'Industrie et de Participations SA (CGIP), Ernest-Antoine Seilli=ere,

nutzten die Veranstaltung, um zu Spekulationen ueber die kuenftige Kapitalstruktur von CGS Stellung zu nehmen.

Fuer Gentz ist das Thema nicht ohne Brisanz. Die Daimler-Benz- Tochter muss bis 1995 entscheiden, ob der heutige Anteil von 34 Prozent an der CGS-Muttergesellschaft Sogeti SA auf 51 Prozent aufgestockt werden soll. Um darueber aber jetzt schon eindeutige Worte zu verlieren, sei es "noch viel zu frueh", erklaerte Gentz. Momentan jedenfalls stehe das Thema Anteilserhoehung in Stuttgart "nicht auf der Tagesordnung".

Gentz sprach sich fuer eine Beteiligung des franzoesischen Carriers an der CGS aus. Er sei ueberzeugt, dass das groesste Hindernis fuer ein FT-Engagement aus der Welt geschafft sei: Die Sorgen der Deutschen Bundespost Telekom wegen einer moeglicherweise entstehenden Konkurrenzsituation zwischen ihr und CGS im Bereich Kommunikation und Netzwerk-Management, das beide als "zentralen Zukunftsmarkt" betrachten, haetten zerstreut werden koennen.

CGS zu einem europaeischen Unternehmen integrieren

Einer Meldung der Nachrichtenagentur "vwd" zufolge erklaerte der Debis-Chef weiter, dass CGS fuer das Erreichen der gesteckten Ziele, naemlich der Integration der Gruppe zu einem europaeischen und internationalen Unternehmen und der Absicherung der eigenen Position, Partner benoetige. Gemeinsam haetten die bisherigen Sogeti-Eigner zusammen mit dem Management die gesamte Cap-Gemini- Gruppe grundlegend neu strukturiert und das Leistungsangebot teilweise neu ausgerichtet. So sollen die frueher mehr oder weniger unabhaengig agierenden Landesgesellschaften zu einem Unternehmen integriert werden, das von einem europaeischen Management gefuehrt wird. Dabei sei die Cap-Debis, das deutsche Joint-venture zwischen Debis und CGS, an dem die Daimler-Tochter die Mehrheit haelt, in Programme und Entwicklung integriert.

Seilli=ere, dessen CGIP-Gruppe direkt und ueber Beteiligungen 50 Prozent des Kapitals der Sogeti SA kontrolliert, gab fuer eine FT- Beteiligung ebenfalls gruenes Licht. Die CGIP sei bereit, die strategische Beteiligung an Sogeti zugunsten eines anderen Partners aufzugeben, "wenn das Geschaeft der CGS in neue Groessenordnungen wachsen sollte und wir dadurch auf den Rang eines Second players verwiesen wuerden".

Auch ueber die Preisfrage, die Anfang 1993 noch ungeklaert schien, haben sich Kampf, Gentz und Seilli=ere offenbar geeinigt: FT wird Sogeti-Aktien zu deutlich guenstigeren Konditionen beziehen koennen als die Stuttgarter vor zwei Jahren. Damals notierte das Papier an der Pariser Boerse mit 450 Franc, und Daimler-Benz blaetterte fast eine Milliarde Mark fuer den 34prozentigen Anteil bei Sogeti/CGS hin. Jetzt hat sich die Aktie dagegen bei einem Kurs von etwa 175 Franc eingependelt.

FT-Praesident Marcel Roulet hat es dagegen mit seiner Entscheidung ueber eine Kapitalbeteiligung bei CGS nicht eilig. Einerseits beschaeftigen ihn die Probleme einer voelligen Deregulierung des europaeischen Telecom-Marktes ab 1998 schon vollauf. Andererseits will er sich anscheinend weder bei CGS noch bei Thomson oder Bull vom Pariser Industrieministerium zu uebereilten Entscheidungen draengen lassen - zumal die Kriegskasse von FT keineswegs unerschoepflich ist.

FT will Beziehungen zur Telekom nicht belasten

Ausserdem erklaerte France-Telecom-Sprecher Bruno Janet gegenueber dem "Wall Street Journal Europe", dass sich der franzoesische Carrier nach wie

vor Gedanken ueber die Reaktion der Deutschen Bundespost Telekom mache, mit der bereits die zwei Gemeinschaftsunternehmen Eucom und Eunetcom betrieben werden. "Wir sind mit der deutschen Telekom eine strategische Allianz eingegangen und wollen diese Beziehung nicht stoeren", meinte Janet.

Wie notwendig ein starker Partner fuer CGS ist, kann auch an den schlechten Leistungen der Gruppe im vergangenen Jahr abgelesen werden. Der vor der Dividendenzahlung ausgewiesene Ertrag von 49 Millionen Franc nimmt sich im Vergleich zu den 585 Millionen Franc des Vorjahres recht kuemmerlich aus. Ausserdem musste der SW- Dienstleister erstmals Mitarbeiter entlassen. Dabei traf es vor allem die Beschaeftigten, die erst im Geschaeftsjahr 1990/91 zusaetzlich eingestellt worden waren.

Dank der erstmals einbezogenenen Einnahmen der teilweise uebernommenen Unternehmen in England, den Benelux-Laendern und in Deutschland konnte CGS den Umsatz im vergangenen Jahr um 18,5 Prozent auf 11, 9 Milliarden Franc steigern.

Kampf begruendete das schlechte Abschneiden mit dem Zusammentreffen widriger konjunktureller, branchentypischer und auch firmeninterner Faktoren. So habe die Integration von Hoskyns, Programator, Volmac und GTP Consulting in den Konzernverbund mehr Zeit gekostet als urspruenglich erwartet. Damit seien sicher "auch einige Prozentpunkte internen Wachstums" verlorengegangen.

Fuer das laufende Geschaeftsjahr hofft der CGS-Chef dagegen auf ein besseres Ergebnis. Zu einer konkreten Prognose liess er sich jedoch nicht hinreissen: "Jeder heute genannte Wert kann durch die Marktentwicklung morgen schon widerlegt werden." Kampfs Grossaktionaere Debis und CGIP bescheinigten ihm trotz des Verlustes jedenfalls uebereinstimmend, dass die Gruppe "aus dem Groebsten heraus" sei und 1993 "zumindest mit einem weniger enttaeuschenden Ergebnis" rechnen koenne.