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Personalkomputer: Chance für kleine Unternehmungen?


13.07.1979 - 

Frank Luther Gruppenleiter am BIFOA, Köln

Die Übertragung amerikanischer Absatzverhältnisse auf den deutschen Markt hat für den Anbieter von Personalcomputern nicht den gewünschten Erfolg , gebracht. Nicht anders ist die vor allem aus der Werbung erkennbare Neuorientierung hin zum "Small-Business-Computer" zu interpretieren. Wie aber sind diese Absatzabsichten aus der Perspektive des

potentiellen Anwenders - der kleinen Unternehmung mit bis zu 20 Mitarbeitern - zu beurteilen?

Eine für den betriebswirtschaftlichen Einsatz nötige Mindestkonfiguration mit 64 KB Zentralspeicher, zwei Minifloppy-Laufwerken als periphere Speicher, einem schnellen Matrixdrucker sowie einem Bildschirmterminal mit ASCII-Tastatur kostet maximal 20 000 Mark. Dieser Preis stellt für eine kleine Unternehmung zwar eine erhebliche Investition dar, andererseits aber liegt dieser Preis weit unter dem, was eine MDT in ähnlicher Ausstattung -kosten würde. Außerdem erhält der Investor ein Gerät, mit dem er nicht nur betriebliche Standardaufgaben wie Lohnabrechnung oder Finanzbuchhaltung schneller und billiger als bisher erfüllen kann, sondern er erschließt sich gleichzeitig die Möglichkeit, neue Aufgaben, etwa im Planungsbereich, anzugehen. Für einige Personalcomputer wird bereits Textverarbeitungssoftware angeboten, so daß auch der Schriftverkehr rechnergestützt abgewickelt werden könnte. Das Vorhandensein von Pascal- und Fortran-Compilern neben dem Basic-Interpreter wird die Rechneranwendung auch in nicht betriebswirtschaftlichen Aufgabenbereichen zulassen.

Diesem Katalog an Aussagen, die einen verstärkten Einsatz von Small-Business-Computern in der Zukunft vermuten lassen, steht eine Reihe von Argumenten gegenüber, die einerseits in Neben- und Folgekosten und andererseits in der Person des Unternehmers und in der Struktur kleinerer Untenehmungen beruhen.

Zunächst ist die in der bundesdeutschen Öffentlichkeit latent vorhandene und durch persönliche Erfahrungen beispielsweise mit unverständlichen Hardcopies sowie durch Publikationen genährte Antipathie ,gegenüber der automatischen DV zu nennen, die sich auch auf das Kaufverhalten auswirkt. Wenn sich die These vom "Mikroprozessor als Jobkiller" bewahrheiten sollte, wird diese Negativeinstellung noch verstärkt werden.

Aber auch ein Unternehmer, der diese Abneigung nicht teilt und sich für die Anschaffung eines "persönlichen" Computers entscheidet, wird durch die Vielfalt des Angebots - zur Zeit sind in der Bundesrepublik 25 verschiedene Personalcomputer auf dem Markt - schlichtweg überfordert. Aufgrund fehlender Hardwarekenntnisse, die aus der in "EDV-Chinesisch" geschriebenen Fachliteratur nicht kurzfristig erarbeitet werden können, entfällt für den Unternehmer im kleinen Betrieb die Möglichkeit, die technische Leistungsfähigkeit der einzelnen Modelle zu beurteilen. Eine solche Beurteilung ist aber notwendig, da manche Geräte technisch noch unausgereift sind, das heißt, es treten während der Nutzung Daten- und Programmverluste auf, ganz abgesehen von Ausfall von Baueinheiten. In diesem Zusammenhang entsteht die Frage nach dem Wartungs- und Reparaturservice. Wartungsverträge - die Kosten pro Jahr liegen zwischen fünf und 15 Prozent des Kaufpreises - werden von allen Händlern angeboten; ebenso wird im Falle eines Defektes die Reparatur durchgeführt. Aber zu garantieren, daß innerhalb von 24 Stunden ein Ersatzgerät gestellt wird, falls die Beseitigung des Defektes nicht möglich ist, wagen nur wenige. Dies ist aus der Sicht der Anbieter verständlich, denn zum einen werden die meisten Personalcomputer aus den USA importiert, und die Hersteller dort sind zum Teil nicht in der Lage, den heimischen Markt zu befriedigen, so daß Exporte an zweiter Stelle rangieren, und zum anderen ist der Kleinunternehmer nur ein Kunde unter vielen. Hat er

aber seine DV einmal automatisierter Hersteller aber der Preis für diese Information (rund 3000 Mark) ist im Vergleich zum Kaufpreis einer Personalcomputer-Konfiguration hoch, wenn auch billiger als eine Fehlinvestition.

Der weitverbreiteten Meinung daß der Einsatz eines Personalcomputers keine oder nur geringe organisatorische Probleme hervorruft muß widersprochen werden. Für einen Kleinbetrieb ist die Implementation eines solchen Kleinrechners analog der eines Großrechners in einem großen Betrieb zu sehen. Das bedeutet, daß mit der Umstellung betrieblicher Abläufe und Anpassungswiderständen bei den Betroffenen gerechnet werden muß. Die Hinzunahme eines Unternehmungsberaters, der frühzeitig die Auswirkungen des Personalcomputer-Einsatzes analysiert, auf Probleme hinweist und Lösungsvorschläge unterbreitet, ist zu empfehlen. Aber auch hier muß kritisch die Frage nach den Kosten gestellt werden. Ein in dieser Zeitschrift schon mehrfach diskutiertes Problem ist die Softwarekrise. In kleineren Betrieben sind weder der Unternehmer noch seine Angestellten in der Lage, Software zu entwickeln. Ursachen - neben Zeitmangel - sind fehlende Kenntnisse hinsichtlich der Strukturierung und Lösung von Problemen, Programmiermethoden j und -sprachen (auch wenn man Basic angeblich leicht und schnell erlernen kann) und letztendlich auch bezüglich des Fachwissens, denn die Erfüllung vieler betriebswirtschaftlicher Aufgaben, zum Beispiel die Lohnabrechnung, nimmt der Steuerberater wahr.

Ob branchenbezogene Standardsoftware in herkömmlicher Form mit 100 Seiten starken Manuals die ideale Lösung darstellt, muß bezweifelt werden, da die Einarbeitung in solche Manuals dem Unternehmer oder seinen Mitarbeitern nicht zugemutet werden kann. Die Einweisung durch einen Product-Manager wird wiederum zu kostspielig. Ein Lösungsansatz könnte die Entwicklung eines neuen Softwaretyps für Personalcomputer sein, der die Nutzung der in Software gegossenen betriebswirtschaftlichen Methoden, die Einrichtung von Variablen sowie von Konstanten in ausführlichen Dialogen unterstützt und sich selbst dokumentiert. Für die speziellen Sachaufgaben produzierender Betriebe, die von Personalcomputern unterstützt werden könnten, gibt es keine Standardlösungen. Bei Betrieben, die gleichartige Aufgaben erfüllen, wie Lebensmittelgeschäfte oder Versicherungsagenturen, besteht oft eine Bindung zu großen Unternehmen, die, da sie über Großrechner verfügen, ein berechtigtes Interesse haben, daß in den Filialen keine Stand-Alone-Rechner installiert werden. Man denke nur an Softwareschnittstellenprobleme sowie Haltung und Pflege eines doppelten Datenbestandes. Hier bietet sich eher die Implementierung eines Terminals an, insbesondere wenn man das projektierte, preisgünstige Datenpaketnetz der Bundespost berücksichtigt.

Damit ist eine zukünftige Einsatzchance des Personalcomputers in kleinen Unternehmungen angedeutet: Der Personalcomputer wird zum intelligenten Terminal. Die Erfüllung von Standardaufgaben könnte ebenso wie die Pflege des Datenbestandes einem zentralen Rechenzentrum obliegen, während unternehmungsspezifische DV-Probleme mit spezieller Anwendersoftware gelöst werden. Ein Mitarbeiter des Rechenzentrums kann als besondere Serviceleistung Hilfestellung bei der Auswahl des Rechners, dessen Implementierung und der Entwicklung der speziellen Software leisten.

so ist er vom Funktionieren seines Gerätes genauso abhängig wie eine große Unternehmung von einer Großanlage, nur hat er nicht die Marktmacht, einen 24-Stunden-Service durchzusetzen. Bei Kenntnis dieses Sachverhaltes wird er sich deshalb sehr wohl überlegen, ob er sich in Abhängigkeit eines Kleincomputers begeben soll. Zwar existiert mittlerweile in der Bundesrepublik eine erste Übersicht über zehn angebotene Personalcomputer und die Zuverlässigkeit