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04.08.1978

Frankreich fördert heimische Elektronik-Industrie:

Durch internationale Kooperation aus der nationalen Isolation

PARIS (ma) - Mehr als 80 Prozent des französischen Inlandsbedarfs an integrier Schaltungen mußten bisher durch Importe gedeckt werden. Nach rund zehnjährigen Bemühungen, eine eigene, auch international konkurrenzfähige Industrie elektronischer Bauteile und integrierter Schaltungen aufzubauen, ein geradezu kümmerliches Resultat.

Da es die Branche offenbar aus eigener Kraft nicht schaffte, ihr elektronisches Dornröschen-Dasein zu beenden, war die Regierung der Grand Nation aufgerufen, in die Bresche zu springen. Sie beschloß denn auch vor etwa einem Jahr, der nationalen Elektronik-Industrie mit einer auf fünf Jahre verteilten Subvention in Höhe von 600 Millionen Franc unter die rachitischen Arme zu greifen.

Doch die internationale Konkurrenz - unter deren Importdruck die inländischen Hersteller stöhnten - war schon fast zu weit enteilt. Was blieb anderes übrig, als die Kooperation mit den Großen des Marktes zu suchen.

So konnten im April 1978 zwei erste Vereinbarungen zwischen der französischen Thomson-Gruppe und der Radiotechnique, einer Tochter des niederländischen Philips-Konzerns, getroffen werden. Diese Unternehmen erhielten dafür je 100 Millionen Franc aus dem staatlichen Subventionstopf.

Im Rahmen der Vereinbarung wird Thomson lineare bipolare Schaltungen für Konsumgüter, Kraftfahrzeuge und andere Zwecke herstellen, während die Philips-Tochter im Bereich Datenverarbeitung und Fernmeldewesen aktiv werden wird. Thomson verbindet sich außerdem zu 50 Prozent mit dem französischen Atomkommissariat in der Gesellschaft EFCIS.

Ferner wurde ein Lizenzvertrag mit der in Frankreich bereits durch ein Zweigwerk vertretenen US-Gesellschaft Motorola abgeschlossen. Von diesem und anderen Verträgen mit amerikanischen Elektronik-Unternehmen erhofft man sich in Frankreich eine Annäherung an den technologischen Vorsprung der Amerikaner. Für die von der Thomson-Gruppe eingegangenen Kooperationen wurden ebenfalls 200 Millionen Franc aus dem Staatssäckel lockergemacht.

Eine zweite Gruppe, bestehend aus der französischen Honeywell-Tochter, der Compagnie Générale d'Electricité und - über eine Tochtergesellschaft - der Postverwaltung, ist noch in Vorbereitung. Diese zweite Gruppe soll auch in Zusammenarbeit mit einer US-Gruppe produzieren. Weiter bemühen sich einige französische Unternehmen zur Zeit um eine 40prozentige Beteiligung an der kleinen, doch technisch sehr leistungsfähigen US-Firma Mostek. Mit dieser Lösung könnte es den Franzosen gelingen, einen Fuß zwischen die Tür des US-Marktes zu schieben.

Sollte aus der Ehe mit Mostek nichts werden, könnte ein mit der US-Gruppe Harris angestrebter Lizenzvertrag die französische Elektronik-Industrie dem amerikanischen Markt etwas näher bringen. Nach Abschluß der noch laufenden Verhandlungen wäre auch in diesem Fall für die Beteiligten mit einer staatlichen Gehhilfe von 200 Millionen Franc zu rechnen.

Nicht zuletzt aber soll in Frankreich die inländische Forschungstätigkeit forciert werden. Dazu sollen die Aktivitäten der zuständigen Institutionen, unter Führung des Forschungsinstitutes für Fernmeldewesen der Post, koordiniert werden.