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13.02.1976 - 

Staatliche Qualitätskontrolle - und mehr

Frankreich will Computer-Laissez-faire beenden

PARIS - Hardware- und Software-Anbieter in unserem westlichen Nachbarland müssen sich mit dem Gedanken vertraut machen, künftig stärker als heute vom Staat überwacht und gegängelt zu werden. Diese Tendenz läßt sich aus dem Bericht eines Regierungskomitees für Computerfragen ablesen, in dem unter anderem ein nationales Qualitäts-Kontrollzentrum für Rechner und Programme gefordert wird.

Wie Presseveröffentlichungen zu entnehmen ist, soll dieses Zentrum, nach den Vorstellungen der Regieungsberater zunächst mit etwa 200 Ingenieuren bemannt werden. Jahres(...)etat gut 26 Millionen Mark. Für das Geld soll es öffentlichen wie privaten Anwendern bei der Erarbeitung von Bewertungsmethoden und Produkt-Standards helfen und Produktinformationen verbreiten. Fast wie die "Stiftung Warentest" soll es erprobten Systemen auch eine Art Gütesiegel verbleiben.

Contra IBM und Honeywell

Die Franzosen wollen sich bei ihren Computer-Checks übrigens nicht in eigenbrötlerische Isolation verkriechen, sondern streben Kontakte etwa mit dem US National Bureau of Standards und der staatlich-britischen Central Computer Agency und der National Computing Centure an: Nur im internationalen Verbund sehen sie Chancen, der Marktmacht mancher Anbieter wirksam Grenzen zu ziehen.

Besonders kritisch sind Regierungsberater dabei gegenüber IBM und dem US-Partner des CII-Honeywell-Bull-Verbunds eingestimmt. Das zeigten schon frühere Regierungsäußerungen, die Anwender mögen sich gegenüber den Anbietern doch endlich etwas mehr auf die Hinterbeine stellen.

Und so betont der Report auch: Frankreich muß aus dem Trend zur Standardisierung Nutzen ziehen, statt sein Opfer zu werden. Es muß sich besonders vor Marktriesen hüten, die mit technologischen Tricks Mitbewerber vom Anbieten peripherer Geräte abzuhalten verstehen. Die Verteidigung der Anwenderfreiheiten in dieser Richtung diene, so der Report für Industrieminister Michel d'Ornano, letztlich den französischen Hardware- und Software-Anbietern, also vor allem den Herstellern von Peripherie, Terminals und Netzwerkzubehör.

Technik des Datenschutzes unbefriedigend

Bemerkenswert ist im übrigen ein ausdrücklicher Hinweis auf den Gedanken des Datenschutzes. Das vorgeschlagene Zentrum soll nämlich Maßstäbe zur Bewertung der Sicherheit behördlicher Computeranlagen erarbeiten, denn auch in Frankreich wird die Öffentlichkeit sich jeden Tag stärker der potentiellen Bedrohung bürgerlicher Freiheiten durch Datenmißbrauch bewußt. Befriedigende technologische Schutzverfahren dagegen haben die Autoren des Berichts bislang noch nicht vorgefunden.

Spätestens seit de Gaulles vielzitierter "Vom-Atlantik-bis-zum-Ural" - Vision haben die Franzosen - siehe SECAM - stets auch einen Draht zum Ostblock geschaltet. Bei Computern soll das nicht anders sein: der neue Report konstatiert bei unseren östlichen Nachbarn inzwischen ein gut entwickeltes Computer-Know-how und empfiehlt daher, mit Ländern des Ostblocks auf diesem Feld Kooperationsprojekte im Großmaßstab zu starten.

Ansatzpunkte dafür gibt es bereits. So liefert die CII für mehr als 175 Millionen Mark Produktionsanlagen für gedruckte Schaltungen samt Know-how in die Sowjetunion, und nach Rumänien vergab das Unternehmen eine Lizenz zum Nachbau seiner Iris-Rechner.

Egon Schmidt ist freier Wissenschafts-Journalist

AU:Egon Schmidt