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13.07.2001

Franz Pixelbauer und seine Welt: Der E-Mail-Segen

Franz Pixelbauer, Informatikstudent im vierten Semester, ist davon überzeugt, dass zwei technische Entwicklungen seinen Alltag in den letzten Jahren erheblich komfortabler gemacht haben: das Handy und die E-Mail.

Wenn Franz recht überlegt, fällt es ihm schwer zu sagen, ob die E-Mail nicht wichtiger für ihn geworden ist als das Handy. Sie hat seine schriftliche und mündliche Kommunikation rasant beschleunigt. Hemmschwellen und der lästige Formalismus, den jeder weiße Briefbogen unweigerlich bei ihm hervorruft, sind jetzt wie weggeblasen. Bei E-Mails kann er drauf lostippen und sich auf das beschränken, was er zu sagen hat. Er kann auch mal ein Komma falsch setzen oder einen Schreibfehler als Flüchtigkeitsfehler verstecken, ohne dass ihm gleich das Zeugnis der Reife wieder aberkannt wird.

Franz denkt, dass die E-Mail zumindest gegenüber dem Festnetztelefon einen großen Vorteil hat: Man verbringt nicht den halben Tag mit erfolglosen Versuchen. Das Telefon hat einfach eine ärgerlich geringe Trefferquote. Die Kommunikation der Mail ist so effektiv, weil sie keine, auf den Zeitpunkt genaue Anwesenheit verlangt. Man gesteht der Mail sozusagen etwas Geduld zu.

Technik mit Folgen

Kürzlich vertrat ein Kommilitone in einem Seminar die These, dass jede neue Technik einen Schweif an vorher nicht bedachter Zusatzarbeit nach sich ziehe. Bei der E-Mail sei das der täglich eintreffende Informationsmüll. Alle möglichen Versender meinen, es könne nicht schaden, wenn sie ihn auch noch auf ihre Verteilerliste setzen. Das mit dem Informationsmüll kann doch nur entstehen, denkt Franz, weil der Aufwand für Entstehung und Verbreitung einer Mail für den Absender gegen Null tendiert. Es ist völlig egal, ob man seine Mail an einen oder 100 Empfänger schickt. "Durch einen Mausklick kann ich vielen Leuten eine Menge Arbeit schaffen. Und das addiert sich." Man überlege sich einmal, dass eine Mail vielleicht von zehn Leuten gelesen oder auch nur zur Kenntnis genommen wird. In vielen Fällen wird der Empfänger sich jedoch etwas Zeit nehmen müssen und sich fragen: Ist der Absender für mich wichtig, habe ich Nachteile, wenn ich nicht darauf reagiere?

Bei Franz setzt sich dann meist sein preußisches Pflichtbewusstsein durch: Jede ankommende Mail will er, und zwar möglichst umgehend, beantworten. Sonst bohrt bei ihm das schlechte Gewissen. Eigentlich, so denkt er, ist es aber doch nicht in Ordnung, dass ein Dritter ungefragt meine Zeit klauen kann. Am Telefon kann man sich gegen Verpflichtungsversuche direkt wehren, bei der E-Mail nicht. Franz fällt auch auf, dass sein Mail-Eingang kontinuierlich anschwillt. Über kurz oder lang, so denkt er manchmal, entwickle ich mich hier zum Call-Center.

Andererseits ist es doch toll, dass man mit einer Mail die bisher gültigen Gesetze von Raum und Zeit außer Kraft setzen kann: "Ich erreiche beispielsweise sofort einen Freund, der in den USA studiert. Ich füge noch ein Attachment über meinen morgigen Vortrag im Proseminar an und schon am Abend liegen mir seine Tipps vor."

Schon stutzt Franz wieder: Diese Beschleunigung der Vorgänge - und das über den Globus hinweg - wird die Arbeit in den Firmen weiter verdichten und ist ein Grund für die gestiegene Hektik. Der Arbeitsanfall ist zeitlich nur noch schwer zu kalkulieren. Der Posteingang findet quasi permanent und ohne Zeitpuffer statt, zugleich entsteht ein Zwang zum schnellen Postausgang. Zeit für Muße, die für gute Arbeit nötig ist, muss man sich wohl härter erkämpfen als früher.

Franz Pixelbauers Alter Ego

Arno Rolf arbeitet als Informatikprofessor an der Universität Hamburg. Seine Schwerpunkte sind Wirtschafts- und Umweltinformatik sowie Technikfolgenbewertung. Seine Erfahrungen und Erlebnisse mit den Studenten und seinen beiden Söhnen, die im Alter der Internet-Generation sind, hat er in der Kunstfigur des Franz Pixelbauer gebündelt. Dieser ist zwar begeistert von seinem Informatikstudium, stellt sich aber immer wieder Fragen, die über eine rein technische Sicht der Dinge hinausgehen.