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06.04.2001

Franz Pixelbauer und seine Welt: Vom Überleben und vom guten Leben

Franz Pixelbauer ist überzeugt, mit seinem Informatikstudium die richtige Wahl getroffen zu haben. Alles in allem erwartet er ein "gutes Leben".

Manchmal wundert er sich, wie schnell sich die Zeiten ändern. Noch vor kaum drei Jahren, als nur wenige das Wort Internet überhaupt kannten, waren die meisten seiner Altersgenossen auf einem ganz anderen Trip. Damals ging es vielen vor allem um grüne Umweltthemen. Er erinnert sich, dass viele Leute aus seiner Generation vom Rio-Umweltgipfel beeindruckt waren. Man wollte mit dem Leitbild der nachhaltigen Entwicklung eine Antwort auf die globalen Probleme geben. Beim Ressourcenverbrauch sollte nicht auf Kosten künftiger Generationen gelebt werden. Ihm gefiel dabei vor allem, dass ökologische Probleme nicht isoliert betrachtet, sondern mit ökonomischen und sozialen Lösungen verknüpft wurden. Es ging ums Überleben in allen drei Bereichen.

Er fragt sich manchmal, woran es liegt, dass heute weniger das Überleben als vielmehr das gute Leben im Vordergrund steht. Die Umwelt hat sich ja nicht dramatisch verbessert. Wahrscheinlich hält zu einer Zeit, wo Zuversicht und Modernisierung angesagt sind, nicht mal der Stärkste die Rolle des notorischen Bedenkenträgers aus. Manchmal hat Pixelbauer auch den Verdacht, dass Politik und Medien in ihrer Oberflächlichkeit vor allem auf die Erfolgreichen und Lautstarken seiner Generation reagieren. Für einige Kommilitonen ist die nachhaltige Entwicklung nach wie vor das Thema Nummer eins. Zugleich setzen diese auch voll aufs Internet.

Dematerialisierung der WirtschaftEin Professor hat kürzlich im Seminar mit ihnen darüber diskutiert, ob nicht gerade das Internet die ideale Technik ist, um die Umwelt wieder ins Lot zu bringen. Er nannte einige Autoren, die das sehr positiv sehen: Über das Internet kann man schnell und billig Absprachen treffen, Daten, Bilder und Dokumente schicken, das macht persönliche Anwesenheit und Reisen überflüssig. Auch Telearbeit und Kontakte mit Call-Centern lassen sich vom heimischen Computer aus erledigen, ohne dass man sich ins Auto setzen muss. Die Wissenschaft nennt das wohl Dematerialisierung der Wirtschaft.

Der Professor zitierte aber auch eine Untersuchung, nach der die Manager, die viel mit E-Mail arbeiten, auch besonders viel reisen. Die Erklärung war wohl, dass bei Geschäftsabschlüssen immer noch das persönliche Kennenlernen und so etwas wie Vertrauen wichtig sind. Wer viele Kontakte per E-Mail aufbaut, bahnt auch entsprechend mehr Verträge an, für die Vertrauen oft nicht ohne Reisen geschaffen werden kann. Der Professor meinte, dass das Internet auch zusätzlichen Verkehr hervorrufen könne. So würden beim Online-Shopping zwar Einkaufsfahrten wegfallen, dafür aber Lieferverkehr für jedes einzelne Paket anfallen.

Franz Pixelbauer ist mittlerweile sicher, dass es mit der Beziehung zwischen Internet und nachhaltige Entwicklung nicht einfach ist. Die Veränderungen durch das Web sind einfach zu gewaltig und kaum durchschaubar. Andererseits kann er sich vorstellen, dass mit dem Internet etwas für die Umwelt zu machen wäre. Es würde einiges bringen, wenn Firmen und Unileute über nachhaltige Organisations- und Geschäftsmodelle für verschiedene Branchen nachdenken würden. Gerade bei Web-gestützten Geschäftsmodellen haben Internet-Firmen in den vergangenen Monaten eine unglaubliche Kreativität entwickelt. Man denke nur an E-Business-Modelle wie Auktionen, Börsen, Powershopping, Malls oder Communities.

Aber kaum einer ist bislang auf die Idee gekommen, diese Ansätze auf Modelle des nachhaltigen Wirtschaftens zu übertragen. Wie wäre es mit Stoff- und Komponentenbörsen im Internet? Was für die eine Firma Abfall ist, kann für die andere durchaus noch zu gebrauchen sein. Wenn sie denn voneinander wüssten.

Zumutung und ZuversichtEines sieht Franz Pixelbauer nach der Diskussion in der Uni jetzt klarer: Überleben und gutes Leben gehören langfristig wohl zusammen. Andererseits steht das eine für Zumutungen und das andere für Zuversicht. Denkanstoß wäre der Austausch von einer Portion Optimismus für ein paar Rückschläge. Vielleicht sollte die Internet-Generation auch Zumutungen akzeptieren und die Bedenkenträger Visionen haben und diese mit mehr Zuversicht verkaufen?

Franz Pixelbauers Alter EgoArno Rolf arbeitet als Informatikprofessor an der Universität Hamburg. Seine Schwerpunkte sind Wirtschafts- und Umweltinformatik sowie Technikfolgenbewertung. Seine Erfahrungen und Erlebnisse mit den Studenten und seinen beiden Söhnen, die im Alter der Internet-Generation sind, hat er in der Kunstfigur des Franz Pixelbauer gebündelt. Dieser ist zwar begeistert von seinem Informatikstudium, stellt sich aber immer wieder Fragen, die über eine rein technische Sicht der Dinge hinausgehen. Alle zwei Wochen kann der Leser Franz Pixelbauer auf seinen Gedankengängen begleiten.